step-shuffle-hop-step

Fußballer, die perfekt steppen können – gibt’s nicht. Gibt’s wohl! In der Fußball-Operette von Paul Abraham “Roxy und ihr Wunderteam”. Anbei eine kleine Handreichung zur Geschichte des Steptanzes für den Pausen-Smalltalk:

Eine kurze Geschichte des Stepptanzes

Die Basis-Schritte des Stepptanzes muten denkbar einfach an: Der step ist ein Schritt auf dem Fußballen, ein stamp ein Schritt mit dem flachen Fuß, ein tap ein Klaps mit dem Ballen auf dem Boden, während ein brush ein Schlag mit dem Ballen und scuff ein Schlag mit der Ferse ist. Letztere jeweils vorwärts und rückwärts ausgeführt heißen shuffle bzw. scuffel. Die Kombination aus step und shuffle ist ein „Buffalo“, das Nacheinander von stamp-tap-step heißt „Susy Q“. Weitere Kombinationen wie shim sham oder step-shuffle-hop-step sind dann für den Laien kaum noch nachvollziehbar. So unzählig die Schritt- und Schlagkombinationen, so vielseitig sind auch die verschiedenen Ausrichtungen und Stile des Stepptanzes; denn seine Sprache, seine Technik und sein Formenreichtum wandelten und entwickelten sich in rasender Geschwindigkeit. Jeder Akteur bildete seinen ganz eigenen Stil aus, der sein Können, Charme und sein Talent am vorteilhaftesten zur Geltung brachte.

Die Anfänge des Stepptanzes

Die Anfänge des Stepptanzes liegen im Amerika des 19. Jahrhunderts, die Ursprünge gehen noch weiter zurück. Tapdance entstand aus einer Mischung aus traditioneller irischer Jig (ein Klopftanz), englischem Holzschuhtanz und afrikanischen Tanzelementen, die die Sklaven in den Süden der USA brachten. Diese Form fand Eingang in die Minstrel-Shows, ein absonderliches Phänomen des amerikanischen Theaters, in dem sich weiße Darsteller als schwarze Sklaven verkleiden und schminken und deren Leben und Kultur parodierend verspotten.

Ende des 19. Jahrhunderts führten einige Neuerungen zur Verfeinerung des Stils und damit zu einer Tanzform, die der heutigen Vorstellung vom Stepptanz schon näher kommt: Soft Shoe heißt die Variante, bei der die Schuhe statt der üblichen Holzsohlen Ledersohlen bekamen (erst in den 1920er wurden die Spitzen zusätzlich mit Metallplatten verstärkt). Doch es war nicht nur der Schuhwechsel – die Haltung des Oberkörpers war insgesamt entspannter, was wiederum leichte und saubere taps ermöglichte, außerdem wurde insgesamt mehr Wert auf individuellen Ausdruck gelegt. Doch das entscheidende Element fehlte noch: Die Synkopierung. Diese entwickelte sich im Zuge der wings. Bei einem wing wird das Spielbein seitlich in die Luft geworfen, und aus dem Fußgelenk heraus wird eine unterschiedliche Anzahl von taps ausgeführt. Mit der Entwicklung von Soft Shoe, wing und dem wichtigsten Stilmittel der Stepptanzkunst, dem Offbeat-Schritt, waren alle Voraussetzungen für den großen Durchbruch des Tanzstils gegeben.

Hochzeit, Hollywood und Fred Astaire

War der Stepptanz zunächst eine Kunst der Straße, wo sich die Tänzer virtuose Wettkämpfe lieferten und ihre Schritte austauschten oder verbesserten, eroberte er sich mit beginnenden 20. Jahrhundert die Bühnen. Keine Show, keine Revue, in der nicht zumindest eine Steppnummer enthalten war. Mitte der 20er Jahre hatte sich der Stil als feste Größe in der Unterhaltungsindustrie etabliert. Für die Tänzer, allerdings nur für weiße, eröffnete sich mit der rasant wachsenden Filmindustrie ein neuer Arbeitsplatz: Hollywood.

Mit Film und tapdance verbindet sich vor allem ein Name: Fred Astaire. Bevor er durch Hollywood weltweite Berühmtheit erlangte, war Fred Astaire, zunächst mit seiner Schwester Adele als Partnerin, ein gefragter Broadway-Künstler. Fred Astaire beeinflusste die Geschichte des Tanzes in diesem Jahrhundert wie kein Zweiter. Er war mehr als nur Stepptänzer – er nahm jeden Stil, jeden Effekt gleich welcher Richtung in sein Repertoire auf, um seinen Publikum etwas Neues zu bieten. Das Geheimnis seines Erfolges war, dass er keine Grenzen zwischen den verschiedenen Tanzformen sah: Ob Stepp, Ballett oder Gesellschaftstanz, er ließ sich von allen Richtungen inspirieren.

Das Revival des Stepptanzes

Ab den 50er Jahren wurde es still um den Stepptanz. Zum einen hatte sich die Jazzmusik, die in den 20er Jahren entscheidend zur Stepptanzwelle beigetragen hatte, in eine neue Richtung entwickelt. Nur die extrem talentierten Tänzer fanden einen Weg, zum Bebop zu steppen. Zum anderen wurde der Jazz nun von Rock ‚n‘ Roll und Rhythm ‚n‘ Blues abgelöst, die beide nicht zum Steppen geeignet waren. Doch Anfang der 80er Jahre kam es zu einer Renaissance. Ausgelöst durch verschiedene Broadwayshows und Filme, die das Leben von Stepp-Legende erzählten, wurde die Tanzform wieder populär. Sie fand ihren Weg in Konzertsäle, in veränderter, modernerer Gestalt, die Kraft, Akrobatik und Sportlichkeit kennzeichnet sowie auf Tempo und Risiko setzt. Die neue Vorliebe für Gruppenchoreografie führte zu Shows wie „Stomp“, „Blast“ und „Tap Dogs“, die dem Popkonzert näher als dem Theater sind. Im Zuge der neuen Begeisterung wurde 1989 in den USA sogar ein „National Day of Tapdance“ eingeführt, der 25. Mai.

This article was written by
Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

There are 2 comments for this article
  1. Carina at 17:27

    Ich bin ganz begeistert von den Posts dieses Blogs, besonders aber von diesem hier! Sehr interessanter Text und ein wahnsinnig sympatisches Video – toll, wenn die Darsteller nicht nur super in ihrem Beruf , sondern auch so bodenständig und sind:)
    Gibt der Jens Janke wohl auch mal Stepp-Workshops/-Kurse?
    Freue mich auf weitere interessante Einblicke in die speziellen Themen von Musical, Oper und besonders Operette.

    • Stefan Kriegl at 16:58

      Liebe Carina! Vielen Dank für dein Lob. Wir hoffen, hier in Zukunft viele weitere spannende Einblicke ins Theater(-leben) geben zu dürfen. Ob Jens Janke Kurse anbietet, frage ich gerne nach und melde mich wieder. Viele Grüße, Stefan Kriegl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.