10 Dinge, die Sie über den Don Giovanni wissen müssen

Am 8. März kommt die „Oper aller Opern“ zur Premiere im Opernhaus: „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte. Die Figur des Frauenhelden Don Juan, dessen Maßlosigkeit mit einer Höllenfahrt bestraft wird, ist jedoch sehr viel älter. Wissenswertes über Stoff und die legendäre Vertonung finden Sie hier:

Das Dream Team der Oper
Mitte der 1780er Jahre ist der erfolgreiche Komponist Wolfgang Amadé Mozart dringend auf der Suche nach einem Librettisten, der ihm ein „Büchel“ für eine Komödie in italienischer Sprache schreibt. Die italienische Opera buffa ist zu dieser Zeit das Genre, das beim Wiener Publikum besonders beliebt ist und mit dem Mozart deshalb besonders viel Ruhm zu erwerben hofft. Nach langen vergeblichen Bemühungen trifft er auf den Venezianer Lorenzo Da Ponte, der damals fester Textautor am Kaiserlichen Hoftheater ist. Mit Figaros Hochzeit feiern sie einen großen Erfolg. Don Giovanni ist ihr zweites gemeinsames Projekt, Così fan tutte wird das dritte und letzte sein, bevor sich Mozart für Die Zauberflöte und La clemenza di Tito noch einmal anderen Librettisten zuwendet und 1791 stirbt. Bis heute gelten Mozart und Da Ponte als perfektes Gespann, in deren Arbeit Musik und Text eine Verbindung eingehen, die vielleicht sonst nur noch Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in ihren gemeinsamen Opern erreicht haben. Zu Ehren Da Pontes bezeichnet man Le Nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte als Mozarts Da-Ponte-Opern.

Ein beliebter Stoff
Die Figur des Don Juan oder Don Giovanni geistert über Europas Bühnen, seit der spanische Barockdichter Tirso de Molina sie im 16. Jahrhundert erfunden und aufs Theater gebracht hat. Die berühmteste Version vor Mozart und Da Ponte stammt vom französischen Dramatiker Molière (1622-1673) und trägt den Titel Dom Juan oder Der steinerne Gast. Don Juan ist einer der großen europäischen Mythen der Neuzeit geworden: In unzähligen Gestalten treibt der nimmersatte Frauenkonsument seitdem sein Unwesen in Dramen, Lyrik und Prosa. Der deutsche Theaterdichter Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) brachte ihn in Don Juan und Faust (1829) sogar mit einem deutschen Nationalmythos zusammen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde „Donjuanismus“ zum Krankheitsbegriff für ein übersteigertes sexuelles Verlangen.

Nimm dir, was du kriegen kannst!
Wie der Baron Ochs im Rosenkavalier ist auch Don Giovanni kein Sympathieträger. Aber er beeindruckt und entwaffnet seine Mitspieler durch die Unverfrorenheit, mit der er sich alles nimmt, was er kriegen kann. Und wenn man seinem Freund Leporello glauben darf, sind seine Erfolge beim weiblichen Geschlecht beträchtlich. In der berühmten Katalog-Arie zählt er die Erfolge auf, die Don Giovanni schon gefeiert hat. Durch die Länder Europas hat er schon eine Spur der Verwüstung gezogen, aber am schlimmsten gewütet hat er in Spanien: 1003 Frauen haben sich ihm dort hingegeben. Als die Oper beginnt, ist er jedoch im Begriff, den Bogen zu überspannen.

Es beginnt mit einem Mord
Don Giovannis Untergang beginnt, als er den Komtur umbringt. Er hat ihn erwischt, als er gerade mit dessen Tochter Donna Anna zugange war. Der Komtur (eine Art weltlicher Ordensritter) geht auf Don Giovanni los, hat gegen den Jüngeren aber keine Chance. Donna Anna muss Rache am Mörder ihres Vaters schwören. Trotzdem lässt Don Giovannis Bestrafung lange auf sich warten. Es scheint, als ob die anderen Figuren so sehr von ihm fasziniert sind, dass sie unfähig sind, das zu tun, was sie sich immer wieder vornehmen: Don Giovanni zu töten.

Eine Dame aus Burgos
Am hoffnungslosesten Don Giovanni verfallen ist Donna Elvira. Sie folgt ihm auf dem Fuß und erinnert ihn ständig daran, dass er ihr die Ehe versprochen hat. Sobald er wieder beginnt, sie zu umgarnen, ist ihr Zorn verflogen. Immer wieder lässt sie sich von ihm einwickeln, bis schließlich auch ihre Geduld erschöpft ist. Aber sie ist immer gern bereit, sich aus dem Bündnis, das Donna Anna und Don Ottavio gegen Giovanni schmieden, zu verabschieden, wenn sie einen Hoffnungsschimmer sieht, ihn doch noch für sich zu bekommen.

Ein blasser Vernunftmensch
Don Ottavio, der Verlobte Donna Annas, wird gerne als der exemplarische Langweiler der Operngeschichte dargestellt. Er ist das Gegenbild zu Don Giovanni: Wo der wild und maßlos ist, bleibt Don Ottavio immer beherrscht, bedächtig und ein bisschen feige. Donna Anna muss schon alle Register ziehen, um ihn zur Rache zu bewegen. Die Musik, die Mozart für ihn komponiert hat, macht aber die Seelenqualen deutlich, die er durchleidet. Don Giovanni ist eindeutig eine Nummer zu groß für ihn, aber er muss sich mit ihm auseinandersetzen. Denn der Weg, Donna Annas Ehemann zu werden, führt unweigerlich über diesen Gegenspieler.

Zerlina schläft sich nach oben
Auch Zerlina, die aus einfacheren Verhältnissen stammt, ist von Don Giovanni fasziniert. Aber bei ihr kommt ein handfestes Interesse an einer Verbindung mit ihm hinzu. Ihr Verlobter, der grobe, eifersüchtige und nicht sehr intelligente Masetto, kann einem Weltmann die Don Giovanni natürlich nicht das Wasser reichen. Allerdings ist Zerlina klug genug, nicht alles auf eine Karte zu setzen und sich Masetto warm zu halten. Mit ein paar Tricks hat sie ihn immer wieder schnell auf ihrer Seite. Als Giovanni sie schließlich öffentlich bloßstellt, schließt sie sich Donna Annas Rachefeldzug an.

Der steinerne Gast
Bei aller – ziemlich moderner – Psychologie, die Mozart und Da Ponte ihren Figuren mitgegeben haben, wollten sie auf die kernigen Volkstheater-Elemente des Stoffs doch nicht verzichten. Da Donna Anna und ihre Verbündeten die Rache nicht zustande bringen, muss ihnen ein Toter zur Hilfe kommen. So kommt es zur so genannten Friedhofsszene, in der Don Giovanni und Leporello vor dem Grab des Komturs stehen, der zu ihnen redet. Don Giovanni lädt ihn zum Essen ein – und die Statue kommt tatsächlich. Ein letztes Mal fordert der Tote Don Giovanni zur Reue und Umkehr auf. Giovanni weigert sich. Noch einmal verkündet er sein Lebensprinzip: „Vivan le femmine! Viva il buon vino!“ (Es leben die Frauen! Es lebe der gute Wein!). Dann verschlingt ihn die Erde. Dieser Theatereffekt – der Sünder, der zur Hölle fährt – war beim Publikum besonders beliebt.

Erfolg in Prag, Flop in Wien
Über die Uraufführung des Don Giovanni im Gräflich Nostitz’schen Nationaltheater in Prag gibt es widersprüchliche Berichte. Mozart war wohl sehr zufrieden – Da Ponte berichtet in seinen Erinnerungen (die aber 35 Jahre später geschrieben wurden), er sei mit dieser Meinung ziemlich alleine gewesen. Für die wenig später angesetzte Premiere in Wien überarbeitete Mozart das Stück noch einmal, ersetzte Arien und brachte einige Striche an. Ein großer Erfolg war die Oper in Wien dann trotzdem nicht. Heute spielt man meist eine Mischung aus den beiden Fassungen. Einige Arien, die später hinzugefügt wurden, vor allem die von Don Ottavio und Donna Elvira, sind inzwischen aus der Oper nicht mehr wegzudenken und fehlen in fast keiner Aufführung.

Ganz nah an den Sängern
In der Dortmunder Aufführung wird die übliche Bühnensituation der Oper umgedreht: Das Orchester sitzt auf der Bühne, vor ihm agieren die Sänger, auf dem überbauten Orchestergraben und auf einem Steg, der durch die gesamte untere Hälfte des Zuschauerraums reicht. So sind die Zuschauer unmittelbar an den Sängern und dem Geschehen und können alle Vorgänge genau sehen und nachvollziehen. Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart haben für den Don Giovanni unglaublich reiche Charaktere erschaffen: Ihnen ist man in der Dortmunder Inszenierung unmittelbar auf der Spur.

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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