Don Ottavio und die Holzdämpfer

Don Ottavio und die Holzdämpfer

Wie man Mozart „richtig“ spielt, darüber hat es in den letzten Jahrzehnten große und manchmal sehr erbitterte Debatten gegeben. Eines aber ist sicher: Den „romantischen“ Mozart, wie ihn große Dirigenten wie Herbert von Karajan oder Karl Böhm pflegten, findet man heute kaum noch. Das heißt aber nicht, dass sich die Apostel der so genannten historischen Aufführungspraxis auf ganzer Linie durchgesetzt haben. Man kann Mozart auch auf modernen Instrumenten spielen – so machen es die Dortmunder Philharmoniker. Aber das Klangbild ist beeinflusst von den Erkenntnissen der Alte-Musik-Bewegung: Ein Mozart von heute klingt durchsichtiger, leichtfüßiger, schwungvoller und wird auch ein bisschen schneller genommen als vor 50 Jahren.
Um einen heutigen Mozart-Sound zu erreichen, kommt es aber nicht nur auf die Spieltechnik der Instrumentalisten an. Es gibt auch Hilfsmittel, die für diese Musik eingesetzt werden: zum Beispiel Holzdämpfer bei den Streichern. Wie das Wort „Dämpfer“ schon sagt, entsteht dadurch ein gedämpfter, leiserer Klang. Gerade Passagen im piano wirken mit Dämpfer besonders zart.

Es gibt Dämpfer für Streicher aus Gummi, Metall und Holz. Klanglich macht es einen erheblichen Unterschied, ob mit welchem Material gedämpft wird.

Dämpfer 3

Wie auch die Streichinstrumente verschiedene Größen haben, haben auch die Dämpfer verschiedene Größen.

Zum Einsatz kommen die Holzdämpfer z.B. bei der ersten großen Arie des Don Ottavio. Ottavio hat im Don Giovanni keine einfache Aufgabe. Während der Titelheld und Bösewicht alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, wirkt der redliche Don Ottavio neben ihm ein bisschen blass. Deshalb hat Mozart für ihn auch keine feurigen Arien komponiert, aber sehr schöne und zarte. Die erste von ihnen, in denen er sein Mitgefühl mit seiner Verlobten Donna Anna besingt, gehört zu Mozarts schönsten Stücken für Tenor. „Dalla sua pace la mia dipende“ – von ihrem Seelenfrieden hängt der meine ab. Ein Text, der ganz klar eine zarte, innige und intime Vertonung fordert. Um die noch besser hervortreten zu lassen, sind die Holzdämpfer gefragt.

Dämpfer 1

Bei der Nr. 10 a, einer Arie des Don Ottavio, setzen die Streicher in einer Generalpause alle die Holzdämpfer auf.

Mit ihnen vermitteln die Streicher das Klangbild, das der musikalische Leiter der Produktion, GMD Gabriel Feltz, gerne erreichen möchte.

Georg Holzer, Anneliese Schürer

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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