Pressemitteilung // 16.02.15: Premiere “Don Giovanni”

Don Giovanni weckt in seiner Umgebung das, was man lieber unter der Decke hält und nicht offen zu zeigen wagt: Sexuelle Gier, die Faszination des Verbotenen und rasende Triebhaftigkeit. In Jens-Daniel Herzogs Regiekonzept sind deswegen alle Figuren von Don Giovanni gefesselt. Am Ende muss Don Giovanni sterben, weil er das Bild, das die anderen von sich selbst haben, in Gefahr bringt. Aber mit seiner Ermordung töten Donna Anna, Donna Elvira, Don Ottavio und Zerlina auch den Teil von sich, dessen Existenz sie sich ungern eingestehen: die eigene dunkle Seite ihrer Persönlichkeit. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und mit Gerardo Garciacano in der Titelpartie findet die Premiere der Mozart Oper am 8. März 2015 um 18 Uhr in der Oper Dortmund statt.
Don Giovanni fährt zur Hölle, aber zur Ruhe kommt er nicht. Der Wüstling, der Sexbesessene, der Mörder und Zyniker, der mit den konventionellen Vorstellungen von Anstand, Güte und Mitgefühl bricht, hört nicht auf zu faszinieren. Don Giovanni ist das andere Leben, abseits von Moral und Mitleid, weit weg von bürgerlicher Wohlanständigkeit. Er nimmt sich, was er will und hat keine Scheu, seinen Anspruch durchzusetzen – mit Verführungskraft und wenn nötig mit Gewalt. Liebe ist für ihn ein Konsumgut. Alles, was dauerhaft sein könnte, ist Don Giovanni zuwider. Allein Leporello, der Komplize seiner Ausschweifungen, bleibt immer an seiner Seite. Ein Aufstand der selbsterklärten Anständigen bringt den Lüstling schließlich mit übernatürlicher Hilfe zu Fall, aber die Don Giovannis als Helden des Exzesses sind nicht auszurotten, nicht im Leben und schon gar nicht auf der Bühne.
Zwar wird am Ende der Böse bestraft, die Guten haben gewonnen, aber ist die Welt noch interessant ohne das Grenzen sprengende, lebensbejahende Don-Giovanni-Prinzip? Möchte man unter lauter kreuzbraven Don Ottavios leben?
Regisseur Jens-Daniel Herzogs oberstes Regieziel ist es, den Reichtum zu entdecken, der in den Figuren liegt. „Es geht nicht um eine opulente Bühne, sondern um die Opulenz der Charaktere“, so Herzog. Die Sänger werden ganz nah und unmittelbar am Publikum agieren. Dafür wird der Orchestergraben überbaut und ein Steg bis weit in den Zuschauerraum gelegt, auf dem sich die Sänger bewegen können. Das Orchester befindet sich auf der Bühne.
Nach „Così fan tutte“ und „Figaros Hochzeit“ steht nun auch Mozarts dritte Da Ponte-Oper auf dem Dortmunder Spielplan. Mozarts Musik ist eine vibrierende Feier des Lebens. Denn zumindest im Theater ist die Hölle allemal der Ort, an dem man lieber sein will als in der sittenstrengen Behaglichkeit.

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