Schlaflos in der Kinderklinik

Unter dem Motto „Musik als Medizin“ sind die Oper Dortmund und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dortmund eine Kooperation eingegangen. Auftakt dieser neuen Zusammenarbeit war ein Besuch des Ensembles der Familienoper „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ im Klinikum. „Es ist mir ein sehr großes Anliegen, mit unseren Kinderopern gerade zu denen zu gehen, die uns aufgrund ihrer Krankheit nicht besuchen können.“, so Opernintendant Jens-Daniel Herzog. „Die Kinder, die in der Krebsstation des Kinderklinikums behandelt werden, nehmen mit einem bewunderungswürdigen Mut ihr Schicksal an. Wenn wir dazu beitragen können, dass wir mit Musik und Gesang ihnen Freude machen und vielleicht sogar auch Kraft geben können, würde mich das sehr freuen. Besonders freut mich, dass sich spontan alle Sängerinnen und Sänger bereiterklärten, für die Kinder im Klinikum zu singen.“

Unsere Kinderreporterin Maret Zeino-Mahmalat war bei dem Termin mit dabei und berichtet für den Opernblog:

Lena will nicht schlafen. Nie wieder. Denn sie hat Angst vor dem Tod. Die Geschichte „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ erzählten drei Sängerinnen und Sänger der Jungen Oper am 13. Mai zusammen mit Regisseur Johannes Schmid den jungen Patienten in der Dortmunder Kinderklinik. So konnten auch Kinder, die die Klinik nicht verlassen dürfen, Oper hautnah erleben.
Requisiten brauchten die vier Akteure dabei kaum: Auf dem Fußweg vom Opernhaus zur Klinik kaufte man noch schnell ein Milchbrötchen und eine Schokoladenmilch. Das war alles, womit die Sänger (Leander: Gerardo Garciacarno, Mond: John Zuckermann) und die Sängerin (Lena: Julia Amos) ausgestattet waren. Keine Maske. Keine Kostüme. Nur einen Pianisten, der das Orchester ersetzte, hatten sie als Unterstützung.
Im Speiseraum, der als Theatersaal diente, begrüßte Opernhaus-Intendant Daniel Herzog die Zuschauer. Dabei fand er heraus, dass viele der Kinder, die erst im Alter von vier bis elf Jahren waren, schon einmal ein Stück im Theater Dortmund gesehen hatten.
Aufmerksam lauschten die Kinder Johannes Schmid (Regie) bei seiner zusammenfassenden Lesung. Die Geschichte handelt von dem Mädchen Lena und ihrem Freund Leander. Als die beiden eines Tages auf einer Wiese spazieren, entdecken sie unter einem Baum einen toten Vogel. Um Lena ein wenig aufzumuntern sagt Leander: „Der ist gar nicht tot. Der schläft doch nur.“ Aber Lena ist sich sicher: Wer so schläft, der wacht nicht mehr auf. Lena bekommt Angst. Wenn Schlafen so gefährlich ist, sollte sie selbst das besser niemals mehr tun, denkt sie sich. Aber da sie nun nie wieder einschlafen kann, beschließen die Dorfbewohner aus Angst, sie zu verbannen. In Begleitung von Leander macht sich Lena auf die Suche nach einem Schlafmittel, damit sie endlich wieder einschläft.
Zu ausgewählten Szenen sangen die Solisten die passenden Stücke. Besonders gefiel den Kindern das Sopransolo „Gute Nacht, guter Tag“, in dem Lena zur Dämmerung durch die Straßen des Dorfes zieht und dabei den Tag verabschiedet und die Nacht begrüßt.
Bei ihrer abenteuerlichen Reise bekommen Lena und Leander gelegentlich Besuch vom lieben Mond persönlich. Er muss regelmäßig viel Kometenmilch trinken, um ordentlich für die Vollmondszeit zuzunehmen. Hier kam die eine Requisite, die Schokoladenmilch, zum Einsatz.
Das Schokobrötchen wurde zum Mondkuchen, den sich Lena schon lange gewünscht hatte.

Nach dem Stück bekamen alle einen tosenden Applaus und wurden zum Verbeugen auf die Bühne gerufen. Hinterher durften die Zuschauer noch Fragen stellen, wobei alle brennend interessierte, ob Julia Amos und Gerardo Garciacano auch im realen Leben ein Paar wären. Schließlich hatten die beiden sich am Ende des Stückes sogar geküsst. Die Sänger verneinten. Die Kinder wunderten sich darüber, dass man manchmal als Sänger oder Schauspieler jemanden küssen muss, den man kaum kennt.
Außerdem beeindruckte die jungen Patienten, dass die Solisten so viel Text auswendig lernen konnten. Als diese gefragt wurden, wie sie das denn schaffen würden, antworteten sie: „Durch viel Übung.“

Für die Kinder war der Nachmittag ein besonders schönes Erlebnis. Sie konnten zum einen der spannenden Geschichte von Lena und Leander lauschen und zum anderen unmittelbar Antworten auf ihre Fragen rund um die Oper bekommen.

 

Der Kuss von Lena und Leander sorgte für einige Aufregung im Publikum.

Der Kuss von Lena und Leander sorgte für einige Aufregung im Publikum.

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Schülerreporter

In lockerer Folge berichten einzelne Schülerreporter oder ganze Klassen im Opernhausblog von ihren Eindrücken im Opernhaus: Probenbesuch, Künstlergespräche, Blick hinter die Kulissen oder Opernvorstellung - hier erzählen die Kinder, was sie erlebt haben.

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