10 Dinge, die man über „Piraten fluchen nicht“ wissen sollte

Die junge Oper Dortmund ist nicht zum ersten Mal Schauplatz für eine Oper von Gioacchino Rossini. Bereits 2012 wurde hier „Der kleine Barbier oder eine haarige Angelegenheit“ nach Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ aufgeführt, von Kritikern gelobt, von den Zuschauern geliebt.
Damals wie heute bearbeiten Johann Casimir Eule und Wiebke Hetmanek das Original und schufen eine Fassung für das junge Publikum, die in einer Inszenierung von Ronny Jakubaschk zu sehen sein wird: Garanten für Witz, Wortspiel und schnelles Tempo.

Mit Mut und Klugheit
Mit Witz und Scharfblick
Mit List und Köpfchen
Wird alles gut!

Die Jolly Roger
Das Autorenteam verlegt die Handlung, die Rossini am Hofe des Mustafa Bey in Algier ansiedelte, in die gute alte Piratenzeit. Als Schiffbrüchige landen Isabella und ihr Onkel Taddeo auf dem Schiff von Captain Funny Bone. Würden sie sich auskennen, hätten sie gewusst, dass sie auf einem Piratenschiff gelandet sind: die Jolly, die Totenkopfflagge, weht am Mast. Das versetzt Onkel Taddeo in Angst und Schrecken und er würde am liebsten sofort wieder das Schiff verlassen.

Mir graust vor den Piraten
Mich schrecken ihre Taten
Die kommen mir zu prompt.

Es kostet Isabella all ihre Überzeugungskraft, um Onkel Taddeo daran zu erinnern, was das Ziel der Reise ist: Lindoro suchen und finden – unter allen Umständen.

Denk nicht an die Gefahr,
denn es kommt, so wie es kommt!

Ohne Schiff kein Pirat
Captain Funny Bone gehört nicht irgendein Schiff. Nein, ihm gehört die St. Cecilia, benannt hat er sie nach der Patronin der Musik. Mit insgesamt 6 Decks (Unterdeck, Oberdeck, Zwischendeck, Geschützdeck, Achterdeck und sogar ein Sonnendeck lässt sich finden) ist es sicher kein kleines Schiff, und es lassen sich bestimmt auch ein paar Geheimgänge finden, aber pst, nur nicht weitersagen.
Vera Koch verwandelt die Bühne der Jungen Oper in das Deck der St. Cecilia mit Ausguck und Piratenflagge und einigen Überraschungen. Schon in „Schaf“ gelang es ihr, mit fantasievollen und spielerischen Bühnenelementen für Staunen zu sorgen.

Spülbürste, Haarbürste, Kleiderbürste, Drahtbürste…
Isabella und Onkel Taddeo haben Glück: just auf dem Schiff von Captain Funny Bone muss Lindoro als Plankenputzer alle dreckigen Arbeiten erledigen.

Warum sich mit Schmutz rumplagen?
Lieber gleich Lindoro fragen.

Auch Piraten sind nur Männer
Als Captain Funny Bone von seinem Maat Haly erfährt, wen sie da aus dem Meer gefischt haben, macht sich Nervosität breit. Beim Klabautermann, jetzt ist Benehmen angesagt aber woher nehmen? Wie war das noch …?

Anfangs werde ich ihr Komplimente machen,
Mit ihr reden über 1000 schöne Sachen.
Die Schlampagner-Korken höre ich schon krachen.
Ach ich bin ja so nervös und ganz verwirrt.

Verflixter Fluch zum Fluchen
Dieser Fluch ist das große Problem des eigentlich charmanten Captain Funny Bone. Schuld daran ist sein Vorfahr Barbarossa Bone. Der enterte vor nunmehr 500 Jahren vor Algerien ein Schiff, das gleich nach der Plünderung kenterte.

Doch als er saß beim Abendbrot
Kam ihn ein Geist besuchen
Der rächte sich für seinen Tod
Und verfluchte ihn zum Fluchen:

Beim klapprigen Klabautermann, der du beherrscht die Ozeane dieser Welt, ich verfluche den Kapitän Barbarossa Bone, seine Kinder und Kindeskinder zum ewigen Fluchen! Aus ihren Mündern sollen keine Feinheiten, es sollen nur Gemeinheiten quellen.

Die Kaimakan-Prüfung

Wer auf der St Cecilia als Pirat abheuern möchte, der muss den 500 Jahre alten Fluch beherrschen und zwar in Wort und Gestus.

Lachmöwe, Seegurke, dümpelnder Teichschurke
Landratte, Ruhrpottwal, zitternder Zitteraal
Binnenschiffer, Emscherpaddler, Heulboje und Wattwurm
Sandkastenundmatschpirat im Badenwannenschaumbadsturm.
Klitzekleinebuddelschiffverquollenegallionsfigur
Fluchen kannst Du, fluchen musst Du, fluchen wirst Du immer nur!

(Übrigens: Wer nach der Vorstellung mindestens 2 Zeilen auswendig hersagen kann, der wird zum Ehrenpirat und Kaimakan der Santa Cecilia ernannt!)

Doch Captain Funny Bone sieht ein: das Fluchen kommt bei den Mädels nicht gut an, und er wäre doch so gern ein richtiger Gentleman.

Die Pappatatschi-Prüfung
Jetzt schlägt Onkel Taddeos große Stunde: man kann ihm vieles vorwerfen, aber er ist ein Gentleman reinsten Wassers. Und ihm ist sonnenklar, wie ein Gentleman sein muss:

Sei charmant , sei galant, sei brillant, sei gewandt, amüsant, elegant…

Die Geschichte hinter der Geschichte
Tatsächlich beruht die Geschichte der Rossini-Oper „Die Italienerin in Algier“ auf wahren Begebenheiten. Rossini hat sich von dem Abenteuer der Antonietta Frapolli inspirieren lassen, die 1808 vor dem Bey von Algier floh, nachdem sie und weitere Landsleute im Jahr 1805 von Korsaren gefangengenommen wurden. Der Bey wollte sie heiraten, jedoch hatte dessen erste Frau etwas dagegen und verhalf Antonietta zur Flucht.

Der Mann hinter dem Werk
Gioacchino Rossini wurde mit einem Hornisten und einer Sängerin als Eltern das musikalische Talent quasi in die Wiege gelegt. Er bekam bereits früh Violinen- und Cembalounterricht, und ihm wurde auch eine gute Gesangsstimme nachgesagt. Mit zehn Jahren fesselten ihn die Werke Haydns und Mozarts, und so kam es, dass er bereits mit 12 Jahren seinen ersten Auftritt mit seiner Mutter im kommunalen Theater von Imola hatte. Im gleichen Jahr schrieb er auch seine erste Komposition. Fünf Jahre später komponierte er dann seine erste Oper: „Demetrio e Polibio“ (dt. Demetrius und Polybius).
Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat er 39 Opern verfasst und sich dabei, obwohl er auch ernste Opern geschrieben hat, den Ruf als „Meister der Opera buffa“, sprich „Meister der komischen Oper“, erarbeitet.

Zwei kleine, (un-)interessante Fakten:

  1. Eigentlich heißt er Giovacchino Rossini, jedoch hat er selbst seinen Namen mit nur wenigen Ausnahmen „Gioacchino“ geschrieben, weshalb dieser Name heute verwendet wird.
  2. Rossini war ein leidenschaftlicher Koch. Nach ihm wurde die Zubereitung von Rinderfiletsteaks mit einer Scheibe Gänseleber benannt: „Tournedos alla Rossini“.

(Mitarbeit: Mattis Krems)

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