10 Dinge, die Sie schon immer über „Zauberberg“ wissen wollten

Neben „Buddenbrooks“…
… ist „Der Zauberberg“ der berühmteste Roman des Nobelpreisträgers Thomas Mann. Eigentlich war er als Kurzgeschichte im Stil von „Tod in Venedig“ konzipiert, doch während des Schreibens mehrte sich der Stoff aus, bis er schließlich zwei voluminöse Bände von insgesamt 800 Seiten umfasste. Thomas Mann arbeitete an der „Novelle“ mehr als ein Jahrzehnt.

Die Inspiration…
… zu seinem Epochen- und Sittenroman erhielt Thomas Mann 1912. Seine Frau war ein einer Lungenaffektion erkrankt und musste zur Kur in das Lungensanatorium im Schweizerischen Davos. Thomas Mann besuchte sie dort und zog sich – das feuchte, kalte Bergwetter nicht gewöhnt – einen Katarrh der oberen Luftwege zu. Sofort rieten ihm die Ärzte, doch einen mehrwöchigen Kuraufenthalt in Betracht zu ziehen. Viel später erinnert sich der Schriftsteller: „Wenn ich den Rat des Oberarztes befolgt hätte, wer weiß, vielleicht läge ich immer noch dort oben. Ich habe es dagegen vorgezogen, den ‚Zauberberg’ zu schreiben.“

Bei seinem Erscheinen 1924…
… stieß der Roman auf große Zustimmung bei Publikum und Rezensenten. Gelobt wurde der ironische Blick Manns auf das „Unwesen der Mediziner“, die Menschen Krankheiten einreden, um zu verdienen. Kein Wunder, dass sich die Vereinigung der Lungenfachärzte über den Roman in der Öffentlichkeit empörte.

Der Kommission…
… für die Verleihung des Nobelpreises war der Roman „Zauberberg“ zu „anrüchig“. Sie zog es vor, Thomas Mann die begehrte Auszeichnung für seinen Roman „Die Buddenbrooks“, die Geschichte einer Lübecker Kaufmannsfamilie, zu verleihen.

„Held“ des Romans…
… ist der junge Hamburger Patriziersohn Hans Castorp. Nach bestandener Ingenieur-Prüfung will er seinen lungenkranken Cousin im Schweizer Luftkurort besuchen und ein paar Tage ausspannen. Aus der Stipvisite werden sieben Jahre, in denen Castorp immer tiefer in die Welt von eingebildeten Kranken und Todgeweihten eintaucht.

Der Roman…
… von Thomas Mann führt anhand einer nahezu unüberschaubaren Personenvielfalt die Tragikomödie einer dem Untergang geweihten Gesellschaft vor dem ersten Weltkrieg vor. Für die Ballettfassung wurde das Inventar der handelnden Personen radikal verknappt. Neben Hans Castorp steht die geheimnisvolle russische Patientin Madame Clawdia Chauchat im Mittelpunkt der Handlung. Sie hält sich zusammen mit ihrem Geliebten, dem holländischen Kaufmann Mynher Pepperkorn in Davos aus. Castorp verliebt sich in sie.

Neben Castorps Cousin Joachim Zimßen…
… dürfen natürlich zwei originelle Charaktere der Romanvorlage nicht fehlen: der Freigeist Settembrini und der Jesuit Naphta. Auch sie gehören zu den unheilbaren Patienten des Sanatoriums. Nur noch in der dünnen Bergluft können sie leben, nie wieder werden sie in die Welt „dort unten im Tal“ zurückkehren. Umso erbitterter streiten sich die beiden über die zukünftige politische und gesellschaftliche Ordnung der Welt. Während Settembrini als überzeugter Anhänger der Vernunft der Demokratie das Wort redet, fordert Naphta die Errichtung eines Gottesstaates mit diktatorischen Zügen. Die beiden zanken sich so heftig, dass sie ihre Meinungsverschiedenheit in einem Duell bereinigen. Der helle Wahnwitz!

Die Musik…
… zu Xin Peng Wangs „Zauberberg“ stammt vom esthnischen Komponisten Lepo Sumera (1950-2000). Lepo Sumera zählt zu den singulären Künstlerpersönlichkeiten seiner Heimat. Nach der Loslösung Estlands von der ehemaligen Sowjetunion war Sumera mehrere Jahre Kulturminister und trug wesentlich zur kulturellen Öffnung des Landes bei. Er selbst schrieb neben sechs Symphonien zahlreiche Orchesterwerke und Kammermusik.

Um als Künstler…
im kommunistischen Regime zu überleben, war Sumera auch als Komponist für Filmmusiken tätig. Im Westen bekannt wurde er durch ein Klavierstück mit dem Titel „1981“, das leitmotivisch in dem Streifen „Der Krieger und die Kaiserin“ (2000, Regie: Tom Tykwer) erklingt. Die meisten Kompositionen, die im Ballett „Zauberberg“ verwendet werden, wurden zuvor noch nie in Deutschland gespielt.

Xin Peng Wang…
… ist der erste Choreograph, der Thomas Manns „Zauberberg“ als Ballett gestaltet hat. Zusammen mit Christian Baier arbeitete er drei Jahre an der Konzeption dieses Handlungsballetts. In dieser Zeit hatten die großen Produktionen „Der Traum der roten Kammer“, „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „No Constancy“ Premiere in Dortmund.

This article was written by
Christian Baier

Christian Baier, geboren in Wien. Musiktheaterdramaturg und Schriftsteller. Nach seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Österreichischen Musikzeitschrift war er Chefdramaturg der Wiener Festwochen, der Wuppertaler Bühnen und des Theater Dortmund sowie Künstlerischer Produktionsleiter in der Intendanz der Deutschen Oper Berlin. Daneben zahlreiche Gastdramaturgien, u.a. Semperoper Dresden, Theater an der Wien, Landestheater Linz, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und Hong Kong Ballett. Seit 2006 arbeitet er mit Xin Peng Wang zusammen. Seit 2011 ist er Chefdramaturg des Ballett Dortmund, seit 2013 Künstlerischer Leiter der Internationalen Gluck Opern Festspiele.

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