10 Dinge, die Du über „Ronja Räubertochter“ wissen solltest

10 Dinge, die Du über „Ronja Räubertochter“ wissen solltest

Ronja Räubertocher
Ronja ist die Tochter von Mattis und Lovis. Sie leben in der Mattisburg im Mattiswald, wo Mattis der Hauptmann der gefürchteten Mattisräuber ist. Birk ist der Sohn von Borka und Undis. Sie leben in der Borkafeste mit den Borkaräubern, die die erklärten Todfeinde der Mattisräuber sind.
Doch von dieser Feindschaft wollen die beiden Kinder nichts wissen. Sie lernen sich im Wald kennen und nachdem sie die Vorurteile ihrer Familien erst einmal überwunden haben, schließen sie Freundschaft – so fest, dass sie sich gegen die Eltern, die ihre Freundschaft verbieten wollen, verbünden und gemeinsam einen herrlichen Sommer im Wald verbringen. Doch dann kommen der Herbst und das Heimweh und die Sehnsucht nach Vater und Mutter.
Auch Mattis treibt die Sehnsucht nach seiner Tochter in den Wald. Ronja kehrt allerdings nur nach Hause zurück, wenn auch Birk mitkommen darf…

Astrid Lindgren
Die Geschichte von Ronja und Birk stammt aus der Feder der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Sie hat viele Bücher geschrieben, die auf der ganzen Welt gelesen werden: Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach, die Brüder Löwenherz, die Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga sind alles Figuren, die sich Astrid Lindgren ausgedacht hat.
Angefangen Geschichten zu erzählen hat sie erst mit 35 Jahren, als ihre Tochter mit einer Lungenentzündung im Bett lag und unterhalten werden wollte. Die Geschichten von Pippi Langstrumpf entstanden in vielen Stunden am Krankenbett. Später, als Astrid Lindgren selbst mit einem verstauchten Knöchel das Bett hüten musste, schrieb sie die Geschichten auf und schickte sie an einen Verlag. „Pippi Langstrumpf“ war das erste Buch, das sie veröffentlicht hat.
Astrid Lindgren hat sich Zeit ihres Lebens nicht nur für die Kinder und ihre Rechte eingesetzt, sondern sich auch um den Schutz der Natur bemüht und sich in die Politik eingemischt. So hat sie viele Preise und Ehrungen bekommen sowohl für ihre Literatur als auch für ihr gesellschaftliches Engagement. Sogar ein Asteroid wurde nach ihr benannt.
Astrid Lindgren ist sehr alt geworden: mit 94 Jahren starb sie in Stockholm, ihre Geschichten sind jedoch lebendig geblieben.

Ronja Räubertochter – Die Oper
Von „Ronja Räubertochter“ gibt es zwar viele Theaterstücke – aber bislang hatte es keine Oper gegeben. Erst vor kurzem ist es gelungen, die Rechte der Erben von Astrid Lindgren für eine Vertonung des Buches zu bekommen. Das Libretto wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Verlag von Astrid Lindgren erarbeitet.

Jörn Arnecke
Der Komponist Jörn Arnecke hatte schon einen anderen Text von Lindgren in Musik gesetzt – „Kling meine Linde“ und außerdem schon einige Opern komponiert.
Jörn Arnecke wurde 1973 in Hameln, der Stadt des Rattenfängers, geboren. Er hat Komponieren gelernt u.a. bei Willfried Hiller, der viele Kinderopern geschrieben hat. Arnecke selbst hat nicht nur Kinderopern geschrieben, sondern auch Werke für Orchester, großes und kleines, Chor oder Singstimmen.
Mittlerweile lebt Jörn Arnecke in Weimar, wo er Professor für Musiktheorie und Gehörbildung an der Hochschule für Musik ist.
Über die Musik von „Ronja“ stand in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu lesen:
„Arnecke komponiert effektvoll, malerisch. (…) Behutsam verwendet er Leitmelodien für seine Protagonisten, oder er nutzt wiederkehrende Elemente, wie das ‚Wolfslied‘, und baut damit seine fließenden musikalischen Übergänge. Fein instrumentiert ist diese Musik, auch dadurch gelingt es ihr, das Kinderpublikum mitzunehmen. Es ist, zum Beispiel, ein wahrer Ohrenöffner (und ein Aha-Moment im jungen Publikum), als sich nach den ersten Szenen in der engen Räuberburg plötzlich die Gemäuer in die Luft erheben und die Bühne sich weitet zum schimmernden Wald – auch die Musik kennt jetzt keine begrenzenden Zieltöne mehr und lässt die Räuberdissonanzen zurück.
Ungezwungen impressionistisch bauen Streicher und Blechbläser ein hellgefärbtes Naturbett. Darin imitieren die doppelt besetzten Flöten und Klarinetten die Waldvögel, Sergej Prokofjews ‚Peter und der Wolf‘ zitierend. Vielleicht ist das ein Zugeständnis, fallen solche Stellen eine Spur melodiöser, auch pointierter aus als in den ‚Erwachsenen‘-Opern Arneckes. Dass aber diese neue Musik, ohne jemals plakativ zu tönen und betont vereinfacht zur ‚Kindermusik‘ zu werden, von den jungen Besuchern bei der Premiere so jubelnd angenommen wird, spricht für sich.“

Holger Potocki
Holger Potocki ist der Librettist der Oper, das heißt dass er den Roman von Astrid Lindgren in einen Operntext verwandeln musste, den Jörn Arnecke dann vertont hat. Das ist nicht so einfach, schließlich ist das Buch ja lang und eine Oper dagegen relativ kurz. Also musste er sich entscheiden, welche Passagen er in der Oper verwendet möchte und auf welche er verzichten kann.
Holger Potocki kennt sich mit dem Schreiben aus: er hat schon einige Libretti, also Operntexte, geschrieben, u.a. auch eine „Petterson und Findus“-Oper. Von Haus aus ist er eigentlich Regisseur und hat schon über 50 Inszenierungen gemacht. In Magdeburg war er Operndirektor am Theater. Seit 2009 ist er nicht mehr festangestellt und lebt und arbeitet in Berlin.

Junge Oper Rhein-Ruhr
Um Opern für die ganze Familie in Auftrag geben und aufführen zu können hat sich die Oper Dortmund mit zwei anderen Theater zusammengetan: gemeinsam mit dem Theater Bonn und der Rheinoper in Düsseldorf und Duisburg hat das Theater Dortmund die Junge Oper Rhein-Ruhr gegründet. Jedes Jahr wird an einem der Theater eine Familienoper uraufgeführt, die dann an den anderen Häusern nachgespielt wird.
„Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ war die erste Uraufführung im Rahmen dieses Projektes, gefolgt von „Ronja Räubertochter“, die im Februar 2015 in Duisburg uraufgeführt wurde. In dieser Spielzeit kommt „Die Schneekönigin“ als Uraufführung dazu. Im Frühsommer 2017 gibt es dann eine Uraufführung in Dortmund: Dann nimmt Gulliver die Familien mit auf eine Reise nach Lilliput.

Die Besetzung
Die Rolle der Ronja hat Jörn Arnecke für einen Mezzosopran geschrieben, also für eine etwas tiefere Frauenstimme. Birk wird in dieser Oper auch von einer Frau gesungen, von einem Sopran, einer hohen Frauenstimme. Damit kann man hörbar machen, dass auch Birk noch ein Kind ist: Ein Junge vor dem Stimmbruch eben.
Mattis und Lovis werden von ganz tiefen Stimmen übernommen: Mattis ist ein Bass und Lovis ein Alt (das heißt nicht, dass die Sängergin alt ist, sondern dass sie eine ganz tiefe Stimme hat.)
Borka und Undis dagegen werden von einem Bariton – einer mittleren Männerstimme – und einem Sopran übernommen. Der gesamte Herrenchor stellt die wilden Räuber dar.
Nur Glatzen-Per darf sprechen, er ist vermutlich schon zu alt zum Singen. Und dann gibt es auch noch zwei Tänzer, die ganz viele Rollen übernehmen, v.a. aber die Fabelwesen im Wald.

Was sind Wilddruden, Unterirdische und Rumpelwichte?
Von allem Gefährlichen im Mattiswald sind die Druden das Gefährlichste. Sie sind schön und toll und grausam. Mit ihren steinharten Augen spähen sie über den Wald nach jemand aus, dem sie mit ihren scharfen Krallen das Blut aus dem Leibe kratzen können. Sie lieben besonders das Gewitter, mit Begeisterung fliegen sie kreischend und heulend durch den dicksten Sturm – so auch in der Nacht von Ronjas Geburt.

wilddrude

Die Unterirdischen kommen nur bei Nebel aus ihren dunklen Tiefen in den Wald hinauf und locken die Menschen mit ihren wunderschönen Gesängen, die eine unwiderstehliche Sehnsucht in ihnen erwecken, an und stürzen sie ins Verderben.
Rumpelwichte sind kleine zwergenartige Waldwesen mit breiten Hinterteilen, kleinen, verhutzelten Gesichtern und struppigem Haar. Normalerweise sind sie friedlich und tun nichts Böses. Wenn man allerdings in ihre Höhle einbricht, können sie ganz schön ungemütlich werden.

rumpelwichte

Zum Donnerdrummel!
Ungemütlich wird es auch, wenn die Räuber beginnen sich zu streiten. Da fliegen schon mal heftige Beschimpfungen hin und her. Auch unsere Mattisräuber haben eine blühende Fantasie, wenn es darum geht, die Borkaräuber zu ärgern:
Feige Ratte, Hosenschisser, Otterngezücht, Untier, Morgenfurz, Streithammel, Auerochse, Strauchdieb, Schafskopf, Gesindel…

Räuberlied
Eine echte Räuberoper kommt natürlich nicht ohne ein echtes Räuberlied aus:

Wir brüllen, wir brüllen, wir sind Räuber
Wir tanzen, wir tanzen, wir sind Räuber
Lachen, singen, fressen, saufen,
schmeißen, werfen, kloppen, raufen,
feiern, niemals-nich-verschnaufen
alles übern-haufen-laufen!

Mattis’ Männer sind wir allezeit gewiss!
Wir sind die Räuberrecken!
Wir sind der Wälder Schrecken!
Nur eines, das ist noch gewisser:
Borka ist ein Hosenschisser!

This article was written by
Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

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