Die Gier in mir

Seit vergangenem Samstag spielen und singen die Tortugas, der Jugendclub der Oper Dortmund, „Midas“, eine Kantate von Kurt Schwaen. Das Kindermuseum mondo mio! im Westfalenpark bietet dafür eine ideale Bühne. Dem Stück zu Grunde liegt die griechische Sage von König Midas, der bei Dionysos einen Wunsch frei hat. Weil er so gern noch reicher sein will, bittet er sich aus, dass alles, was er berührt zu Gold werden solle. Das war etwas zu kurz gedacht – seine Gier kostet ihm fast das Leben, schließlich kann man Gold nicht essen.
Heike Buderus sprach im Vorfeld der Premiere mit den Opernclublern Marlon Otte, Elisa Voss und Lina Förster

Was hat euch an dem Stück interessiert?

Lina: Ich fand die Verbindung von einer antiken Sage und unserem Leben jetzt spannend. Da haben sich Menschen vor zweitausend Jahren schon zum gleichen Thema Gedanken gemacht und wir haben das immer noch nicht besser hingekriegt. In Songs von heute tauchen wieder die gleichen Probleme auf, dass man nicht zufrieden sein kann, mit dem was man hat. Das sind zwar andere Wünsche, als in der Sage, aber eigentlich ist es doch das gleiche.
Marlon: Ich finde die Kapitalismuskritik in dem Stück korrekt. Irgendwann stehen wir dann alle mit den „Eselsohren da“.

Habt ihr an euch selbst die Gier schon einmal erlebt?

Lina: Klar. Wenn man mit Freundinnen shoppen geht, kommt man plötzlich mit einem Shirt nach Hause, dass man nur noch einmal danach anzieht. Da geht es eigentlich mehr um den Spaß es zu kriegen und in der Tasche zu haben. Die Sachen waren dann auch meist gar nicht so teuer.
Elisa: Solche Situationen kenne ich natürlich auch. Die kennt, glaube ich auch jeder. Aber es gibt ja auch eine Gier, die nichts mit materiellen Gütern zu tun. Zum Beispiel, wenn ich mich ärgere, wenn ein guter Freund plötzlich weniger Zeit für mich hat, weil er mit anderen Freunden beschäftigt ist. Das ist so etwas wie die Gier nach Aufmerksamkeit. Die haben wir schon sogar hier bei uns im Opernclub untereinander schon erlebt, wenn es um die Rollenverteilung geht und mit wem intensiver geprobt wird. Ich versuche solche Gefühle zu unterdrücken, aber immer gelingt das nicht.
Marlon: Mich hat die Gier schon mal richtig erwischt. Ich habe mir von meinem Konfirmationsgeld einen Laptop gekauft. Der liegt jetzt vergraben unter Büchern und ich brauche ihn gar nicht. Ich vermisse ihn nicht mal.

Was bedeutet der Opernclub für euch?

Marlon: Freizeitgestaltung. Da sind Leute, die die gleichen Interessen haben wie ich.
Lina: Ich bin jetzt seit vier Jahren dabei und finde, wir sind zusammengewachsen wie eine Familie. Wenn ich Euch alle längere Zeit nicht gesehen habe, dann will ich wissen, wie es euch geht, was ihr gerade tut. Ich finde es toll, dass die Stücke, die wir spielen, immer für alle sind. Dass Kinder die gut finden, aber die Erwachsenen auch. Und ich kann jetzt einfach besser singen, weiß das auch und trau mich auch.
Elisa: Ich habe hier gute Freunde getroffen, mit denen mich eine gemeinsame Leidenschaft verbindet. Meine Freunde in der Schule sehe ich ja jeden Tag, aber ich freue mich, wenn ich die Leute hier treffe und wir auch gemeinsam was machen. Also wenn wir zusammen in „Next to Normal“ gehen, das war doch toll.

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