Komponieren ist wie Malen

Die Klasse 5d des Helene-Lange Gymnasiums zu Besuch bei „Ronja Räubertochter“

Einen spannenden Augenblick in der Probenarbeit konnte die 5. Klasse des Helene-Lange Gymnasiums miterleben: Sänger und Orchester der Familienoper „Ronja Räubertochter“ trafen sich im Orchesterprobenraum der Oper Dortmund zum ersten Mal zur gemeinsamen Probe, der so genannten „Orchestersitzprobe“. Komischer Name, fand die Klasse, aber da wurde tatsächlich nicht gespielt, es gab kein Bühnenbild und keine Kostüme. Stattdessen arbeiteten Dirigent, Sänger und Orchester konzentriert an der Musik – und das in Anwesenheit des Komponisten Jörn Arnecke. Der hatte sich auch vorher Zeit genommen, um die Fragen der Kinder zu beantworten.

Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen zu komponieren?
Mit sechs Jahren hat er sein erstes Stück auf einem Spielzeugklavier phantasiert, da konnte er aber noch gar keine Noten schreiben. Mit 16 Jahren führte er zum ersten Mal eine eigene Komposition an der Musikschule öffentlich auf. Da hatte er dann bereits gemerkt, dass nicht alle Menschen das Bedürfnis haben, Melodien zu fixieren. Für ihn war das immer ganz normal gewesen. Dass man das Komponieren ernsthaft zum Beruf machen konnte, realisierte er aber erst im Laufe seines Musikstudiums.

Wie lange braucht man für eine Opernkomposition?
Das sei unterschiedlich, so Arnecke. Die eigentliche Komposition an „Ronja“ hat etwa anderthalb Jahre gedauert; anderthalb Jahre, in denen er jeden Tag mehrere Stunden komponiert hat. Aber natürlich beschäftigt man sich sehr viel länger mit dem Stoff, mit dem Buch, mit dem Librettisten.
Zu Beginn einer Komposition muss man sich zunächst die Oper einteilen, sein musikalisches Material organisieren, damit man nicht in den ersten Szenen schon alles verbraucht und am Ende nichts mehr zur Verfügung hat. Zum Beispiel kommt in „Ronja“ die Harfe erst im dritten Bild zum Einsatz – ein neuer Klang, der die Zuschauer erfrischt und die Aufmerksamkeit fördert. Komponieren muss man sich in etwa wie Malen vorstellen, man schafft einen Hintergrund, hebt einzelne Dinge hervor, betont mit kräftigen Farben, schafft helle oder dunkle Stimmungen und Räume.

Konnten Sie sich früher vorstellen, dass so viele Leute Ihre Stücke anhören?
Anfangs nicht, und es wundert ihn eigentlich immer noch. Es ist ein tolles Gefühl, so Arnecke, das Publikum zu erleben, v.a. bei Schülervorstellungen. Dann herrscht nicht die konzentrierte Stille wie bei einem Konzert, sondern lebhaftes Geschrei und herumtobende Kinder. Und er stellt sich dann schon die Frage, ob seine Musik es schaffen wird, diese Kinder in ihren Bann zu ziehen. Gerade bei Uraufführung sei das schon ziemlich aufregend.

Was war Ihr größter Erfolg?
Jörn Arnecke stellt die Gegenfrage: Was ist Erfolg? Erfolg bei den Kritikern? Die eigene Zufriedenheit? Die Anzahl der Aufführungen? Für ihn persönlich ist es am schönsten, wenn er in der Aufführung merkt, dass er die Zuhörer mit seiner Musik faszinieren kann. Das ist der größte Erfolg, und den kann man nicht planen.

Wird man als Komponist reich und berühmt?
Nicht immer. Und meist nicht sofort. Oft ist das Komponieren auch nicht die einzige Einkommensquelle: Man kann zum Beispiel an der Musikhochschule unterrichten so wie er in Weimar, und so hat man schon mal eine Absicherung und ist finanziell unabhängiger.

Und die Familie?
Die sechsjährige Tochter findet „Ronja Räubertochter“ gut und geht auch manchmal mit zu den Vorstellungen. Nein, ein Haustier haben sie nicht, aber der Kater von den Nachbarn kommt oft zu Besuch.

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Schülerreporter

In lockerer Folge berichten einzelne Schülerreporter oder ganze Klassen im Opernhausblog von ihren Eindrücken im Opernhaus: Probenbesuch, Künstlergespräche, Blick hinter die Kulissen oder Opernvorstellung - hier erzählen die Kinder, was sie erlebt haben.

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