Das Dortmunder Opernhaus im Bann des Fußballs IV: Martina Dike

Seit Freitag, 10. Juni, rollt der Ball wieder. Der Fußball beherrscht den europäischen Kontinent und hat auch das Dortmunder Opernhaus in seinen Bann gezogen. Sofort treten alle Sichtweisen und Einstellungen hinsichtlich der wohl weltweit beliebtesten Sport zu Tage, vom freundlichem Desinteresse, zur feurig-unschuldiger Erwartung auf jedes Spiel, bis hin zur Annahme, dass es sich bei dieser Sportart  – frei nach dem preußischen Kriegtheoretiker Clausewitz – um nichts weniger als um die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln handelt.
Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theater Dortmund aus fünf Ländern werden ihre ganz persönliche Ansicht und ihre ureigensten Hoffnung im Hinblick auf die laufende UEFA EURO 2016 darstellen. Gemeinsam mit den Redakteuren Beate Dönnewald und Nils Heimann wurden die Beiträge für die EM-Sonderbeilage der Ruhr Nachrichten erstellt. Der Opernhausblog dankt den beiden Dortmunder Journalisten und den Ruhr Nachrichten für die Erlaubnis, die Beiträge auch im OPERNHAUSBLOG publizieren zu dürfen.

Zlatan, in der Suppenschüssel
oder – Was sich die schwedische Opernsängerin Martina Dike von der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich erhofft

Denkt man an den schwedischen Fußball, kommen einem gleich drei Dinge in den Sinn. Erstens: Zlatan Ibrahimovic. Zweitens: Zlatan Ibrahimovic. Und vor allem Drittens: Zlatan Ibrahimovic. Angesprochen auf die Richtigkeit der Auflistung, antwortet die schwedische Opernsängerin Martina Dike: „Okay, da ist schon etwas dran. Allerdings würde ich die Reihenfolge ändern!“ und beschreibt damit die Stärken und zugleich die Schwächen des schwedischen Teams. Für die Mezzosopranistin aus Stockholm, die in der Oper Dortmund in PETER GRIMES zu sehen ist, verhält es sich mit dem Fußball ähnlich der Oper. Wie im Fußball kommt es in der Oper auf die Mannschaftsleistung an. Neben Ibrahimovic gibt es im schwedischen Team nicht so viel hervorstechende Qualität, gibt Dike zu, weswegen Schweden keine herausragende Rolle im internationalen Fußball spielt. Dike, die als Wagner-Interpretin in Bayreuth gesungen hat, der Champions League der Opernwelt, hat damit etwas erreicht, was der schwedischen Nationalmannschaft seit der WM 1994 versagt blieb: Ganz oben mitzuspielen. Und so fürchtet sie, dass das frühe Ausscheiden in Fußballturniren ebenso zu Schweden gehört, wie Knäckebrot, Ikea oder die problemlose Akteneinsicht in die Steuererklärung des Nachbarn. Trotzdem freut sich Dike riesig auf die Europameisterschaft und hofft, dass sie möglichst viele Spiele sehen kann. Urlaub kann man wegen des Fußballs nicht nehmen. „Das wäre so, als würde Mesut Özil am Tag des Halbfinales Urlaub bei Joachim Löw einreichen, um sich DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL von Mozart anzusehen“, meint Dike betrübt. Als Opernsängerin stehen die Chancen eher schlecht, bei den Spielen live dabei zu sein. Man steht abends schließlich auf der Bühne. Dabei bedeutet für Dike Fußball, mit Freunden und Kollegen in einer Kneipe zu sehen. „Wenn man an einem Opernhaus arbeitet, ist man mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen und man kann mit Kollegen guck das Spiel sehen, deren Nationen gerade gegeneinander spielen. Sofort kommt dabei eine ganz andere Spannung auf“. Dann werden natürlich auch die Hymnen mitgesungen, natürlich alle beide. Eines aber würde Dike jedoch niemals machen: Kommentare übersoziale Medien abgegeben. „Wenn ich permanent an meinem Smartphone hinge, bekäme ich vom Spiel zu wenig mit. In der Oper sitze ich ja auch nicht und twittere ‚Wahnsinn, der Dirigent scheint gerade eingeschlafen zu sein’.“ Als Schwedin kennt sich Martina Dike zwar mit Neutralität aus, jedoch erlaubt sie sich im Fußball eine kompromisslose Haltung. Das bedeutet zwar nicht, dass sie ab dem 10. Juni nur noch im Nationaltrikot durch Lönneberga spaziert aber am 10. Juli soll ein Schwede den Europapokal in den französischen Abendhimmel recken. Sollten die Schweden jedoch erwartungsgemäß früher ausscheiden, wünscht sich die Sängerin, dass Deutschland den Titel holt. Aber bis es soweit kommt, erwartet Dike von den Schweden höchsten Einsatz.  „Wir erwarten von unserer Mannschaft ein ‚Zlataner’“, lacht Dike. Dieses neue schwedische Wort bedeutet “etwas mit Kraft schaffen”! Und so erhofft sich Martina Dike, dass ihr Team mehrere Wunder vollbringt und nicht den Kopf in den Sand steckt oder auf schwedische Art, in die Suppenschüssel.

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