Das Dortmunder Opernhaus im Bann des Fußballs V: Rudolf Kubiĉko

Seit Freitag, 10. Juni, rollt der Ball wieder. Der Fußball beherrscht den europäischen Kontinent und hat auch das Dortmunder Opernhaus in seinen Bann gezogen. Sofort treten alle Sichtweisen und Einstellungen hinsichtlich der wohl weltweit beliebtesten Sport zu Tage, vom freundlichem Desinteresse, zur feurig-unschuldiger Erwartung auf jedes Spiel, bis hin zur Annahme, dass es sich bei dieser Sportart  – frei nach dem preußischen Kriegtheoretiker Clausewitz – um nichts weniger als um die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln handelt.

Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theater Dortmund aus fünf Ländern werden ihre ganz persönliche Ansicht und ihre ureigensten Hoffnung im Hinblick auf die laufende UEFA EURO 2016 darstellen. Gemeinsam mit den Redakteuren Beate Dönnewald und Nils Heimann wurden die Beiträge für die EM-Sonderbeilage der Ruhr Nachrichten erstellt. Der Opernhausblog dankt den beiden Dortmunder Journalisten und den Ruhr Nachrichten für die Erlaubnis, die Beiträge auch im OPERNHAUSBLOG publizieren zu dürfen.

Alle 20 Jahre wieder?

Zwei Spiele seiner Lieblingsmannschaft, der tschechischen Nationalmannschaft, sind Rudolf Kubiĉko ganz besonders in Erinnerung geblieben: Beide Male hieß der Gegner Deutschland; beide Male war es das Finale bei einer Europameisterschaft. Doch während das Endspiel von 1976 für Tschechien – damals noch Tschechoslowakei – zu einem Triumph wurde, unterlagen die Osteuropäer 20 Jahre später den Deutschen durch ein Golden-Goal von Stürmer Oliver Bierhoff.
Dass es wiederum 20 Jahre später zu einer Neuauflage eines Endspiels in dieser Konstellation kommen könnte, kann sich der gebürtige Brünner nicht vorstellen: „Ich glaube an alle, nur nicht an Tschechien“, geht er hart ins Gericht mit seiner Elf. Allerdings kann er dieses Urteil auch fachmännisch begründen: „Unserer Mannschaft fehlt im Moment einfach die Konstanz. Man muss sich mal vorstellen, da schlagen wir zwei Mal die Holländer in der Qualifikation und verlieren dann gegen Island; gegen ein Land, das weniger Einwohner hat als Gelsenkirchen.“ Hört sich nach knallharter Analyse eines Fachmanns an.
In den Stadien der Region kennt er sich jedenfalls aus. Vor allem im Signal-Iduna-Park. Die dort herrschende Atmosphäre überrasche ihn immer wieder, wie er unterstreicht: „Die Gesänge, die Choreographien aber auch die friedfertige Stimmung. Alles sehr beeindruckend. Es ist kaum zu glauben wie kultiviert sich die meisten verhalten. Vor allem wenn man bedenkt, wie viele Menschen dort zusammenkommen.“ Mit seinem Sohn gehe er ab und an auch mal zum 1. FC Köln. Das liege aber vor allem daran, dass es fürs „Müngersdorfer“ viel leichter Karten gibt als für den heimischen Tempel.
Ähnlich problematisch wie an BVB-Tickets zu kommen wird es für Rudolf Kubiĉko die Spiele der Europameisterschaft zu schauen. „Ich leite ja das Dortmunder Ballettzentrum und da bin ich häufig bis 23 Uhr beruflich eingespannt.“ Für den Fall aber, dass sich die Gelegenheit ergebe zu schauen, habe er entsprechend auch keine besonderen Pläne. „Fußball ist für mich vor allem Unterhaltung, daher lasse ich mich einfach treiben und sehe was passiert.“
Ein echter Hardcore-Fan ist der 45-jährige Tscheche also nicht. Das gibt er auch offen zu: „Rituale und Symbole zum Spiel sind nicht mein Ding.“ Grundsätzlich ist dagegen ja nichts einzuwenden, doch Rudolf Kubiĉko hat eine Devotionalie, um die ihn viele andere beneiden würden: Nämlich ein original WM-Trikot aus 2006 vom damaligen tschechischen Mittelfeldstar Jaroslav Plasil. Sogar mit persönlicher Widmung. Aber selbst das holt er zu den Spielen der Tschechen nicht hervor. „Mir reicht es zu wissen, dass es im Schrank liegt.“

Nils Heimann

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