Das Dortmunder Opernhaus im Bann des Fußballs I: Ileana Mateescu

Seit Freitag, 10. Juni, rollt der Ball wieder. Der Fußball beherrscht den europäischen Kontinent und hat auch das Dortmunder Opernhaus in seinen Bann gezogen. Sofort treten alle Sichtweisen und Einstellungen hinsichtlich der wohl weltweit beliebtesten Sport zu Tage, vom freundlichem Desinteresse, zur feurig-unschuldiger Erwartung auf jedes Spiel, bis hin zur Annahme, dass es sich bei dieser Sportart  – frei nach dem preußischen Kriegtheoretiker Clausewitz – um nichts weniger als um die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln handelt.
Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theater Dortmund aus fünf Ländern werden ihre ganz persönliche Ansicht und ihre ureigensten Hoffnung im Hinblick auf die laufende UEFA EURO 2016 darstellen. Gemeinsam mit den Redakteuren Beate Dönnewald und Nils Heimann wurden die Beiträge für die EM-Sonderbeilage der Ruhr Nachrichten erstellt. Der Opernhausblog dankt den beiden Dortmunder Journalisten und den Ruhr Nachrichten für die Erlaubnis, die Beiträge auch im OPERNHAUSBLOG publizieren zu dürfen.

Im Bayern-Outfit unter BVB-Fans

Schon als kleines Mädchen jagte Ileana Mateescu dem Ball nach. Zu Grundschulzeiten in ihrer Geburtsstadt Bukarest. Und das als einziges Mädchen unter unzähligen Jungs. Doch das war nicht der einzige Grund, warum sie damals als Außenseiterin galt: „Alle, wirklich alle Jungs hatten ein National-Trikot mit der Nummer 10 von unserem wohl besten Kicker aller Zeiten, Gheorghe Hagi, an. Nur ich nicht, ich hatte keins.“ Doch sie hat sich damals durchgebissen und den Spaß am Fußball nicht verloren.
Vielmehr hat dieses zweifelhafte Alleinstellungsmerkmal die Verbindung offenbar noch vertieft.
Das trifft sich gut. Denn vor rund acht Jahren verschlug es die Mezzosopranistin beruflich Dortmund. Und wer könnte schon in dieser Stadt leben, ohne sich für das Spiel mit runden Leder zu begeistern. Sie jedenfalls nicht. „Wenn man hier lebt, muss man einfach auch BVB-Fan sein.“ Das weiß sie spätestens seit dem Tag, an dem ihr ein unglücklicher Fauxpas passierte: An einem Samstag war sie zu Fuß auf dem Weg zum Schauspielhaus. „Es war warm und ich hatte nur ein T-Shirt an“, erinnert sie sich. Das allerdings war rot-weiß. Modisch also eigentlich durchaus korrekt. Als ihr plötzlich eine große Gruppe BVB-Anhänger entgegen kam, die sie mit ziemlich scheelen Blicken ansahen, wurde ihr allerdings schlagartig ihr „Fehlverhalten“ bewusst: „Oh, Gott. Heute spielt Borussia ja gegen den FC Bayern München“, sagte ich zu mir selbst. Zu mehr als kritischen Blicken ließen sich die BVB-Anhänger trotz aller Feindseligkeit gegenüber des FCB Gott sei Dank nicht hinreißen.
Ähnliches wird ihr bei der EM wahrscheinlich nicht passieren, denn da geht es gediegener zu. „Die Spiele werde ich – wenn es der Job zulässt – in vertrauter Runde, mit Freunden und Kollegen verfolgen.“ Besonders freut sie sich auf die erste Partie. „Das ist ja das Auftaktspiel zwischen Frankreich und Rumänien. Und wenn es da am Ende 1:0 für uns stünde, wäre das natürlich schon ein tolles Gefühl.“
An den Titel für ihr Heimatland glaubt sie trotz allen Patriotismus‘ nicht. Rumänien hat wohl nur Außenseiter-Chancen. Doch sich davon nicht unterkriegen zu lassen, kann durchaus eine Tugend sein. Bester Beleg dafür Ileana Mateescu: Aus fußballerischer Sicht hat sich für sie mit dem Aufenthalt in Dortmund nämlich irgendwie der Kreis geschlossen. Denn auch heute geht sie wieder regelmäßig zum Fußball. Und das wiederum auch nur mit Jungs. Allerdings tragen ihre Kollegen vom Schauspielhaus Dortmund kein Trikot von Gheorghe Hagi.

Nils Heimann

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