10 Dinge, die ihr über GULLIVERS REISE wissen solltet

10 Dinge, die ihr über GULLIVERS REISE wissen solltet

Ein irischer Aufklärer
Jonathan Swift (1667-1745) war kein angenehmer, dafür aber ein sehr witziger und kluger Mensch. Der Ire aus Dublin schrieb satirische Texte, in denen die Menschen seiner Zeit nicht sehr gut wegkamen. Sein bekanntestes Werk heißt Gullivers Reisen. Es enthält die Berichte eines Seemanns namens Gulliver, der auf seinen Reisen durch die Welt in seltsame Länder kommt. Swift wendet eine beliebte Methode der europäischen Aufklärung an: Damit man versteht, was in der eigenen Welt falsch läuft, muss man versuchen, sie aus dem Blickwinkel einer anderen zu betrachten. Und plötzlich sieht manches, was für uns selbstverständlich ist, ziemlich verrückt aus.

Die Reise nach Liliput
Die berühmteste von Gullivers vielen Reisen ist die nach Liliput. Gullivers Schiff sinkt in einem Sturm, er wird bewusstlos an den Strand einer Insel gespült. Als er wieder zu sich kommt, macht er eine überraschende Entdeckung: Die Insel ist zwar von Menschen bewohnt, doch die sind alle gerade mal so groß wie Gullivers Hand. Er, der sich bis jetzt ganz normal vorkam, ist plötzlich ein Riese. Die Liliputaner haben dann auch riesige Angst vor ihm und wollen ihn umbringen, doch sie erkennen, dass Gulliver ihnen nichts Böses will und ihnen sogar nützen könnte.

Eine neue Oper
Swifts Nachwelt hat Gullivers Reisen nicht besonders ernst genommen. Das ganze Buch las kaum jemand, meist nahm man die Liliput-Episode heraus und bearbeitete sie für Kinder. Dabei sind Kinderbücher und Zeichentrickfilme entstanden, selten aber Adaptionen fürs Theater – es ist ja auch nicht ganz leicht, den riesigen Größenunterschied zwischen Gulliver und den Liliputanern mit echten Menschen auf der Bühne darzustellen. Der Theaterautor John von Düffel hat vor einigen Jahren eine Bühnenfassung geschrieben, die er jetzt zu einem Libretto weiterentwickelt hat. Sie heißt Gullivers Reise, weil hier nur von der Reise nach Liliput berichtet wird. Der Wiener Komponist Gerald Resch schreibt die Musik zu dieser ersten Gulliver-Oper. Ab 21. Mai 2017 ist sie im Dortmunder Opernhaus zu sehen; es gibt sowohl Schulvorstellungen als auch Familienvorstellungen am Wochenende.

Der freundliche Riese
In der Oper wird Gulliver kein alter Seebär sein wie im Roman, sondern ein Junge, der mit großem Staunen die Welt entdeckt, in die er geraten ist. Das Schiff, auf dem er mit seinem Vater zur See fuhr, ist in einem Sturm gesunken und die gesamte Besatzung bis auf Gulliver ertrunken. Ihn hat ein magischer Ring mit einem großen roten Rubin gerettet, den er am Finger trägt. Aber außer Gefahr ist er noch lange nicht, denn er muss erst einmal die Liliputaner davon überzeugen, dass er ihnen nichts Böses will.

Welches Ende vom Ei?
Die Bewohner von Liliput sind mit denen von der Nachbarinsel Blefuscu verfeindet. Der Grund: In Liliput köpft man das Frühstücksei am breiten Ende, in Blefuscu am spitzen. Dieser Unterschied führt immer wieder zum Krieg. Kurz nachdem Gulliver aufgetaucht ist, unternehmen die Blefuscudier einen neuen Angriff. Diesmal könnten sie siegen, denn Gulliver hat, als er aus dem Meer angeschwemmt wurde, unabsichtlich die gesamte liliputanische Flotte zerquetscht. Aber Gulliver rettet die Liliputaner, indem er die gegnerischen Schiffe wieder aufs offene Meer hinauszieht. Diese Tat macht Gulliver zum Volkshelden, der König und seine Untertanen sind ihm unendlich dankbar.

Ein gefährlicher Gegner
Nur einer ist noch immer kein Fan von Gulliver, im Gegenteil. Der Großadmiral Skyresch wollte den Riesen von Anfang an töten. Nun verübelt er ihm, dass er die Flotte von Blefuscu nicht einfach mit seinen Riesenkräften zerstört, sondern sie nur vertrieben hat. Skyresch hält Gewalt für die einzige Lösung aller Probleme. Deshalb lässt er keine Gelegenheit aus, um auf Gulliver zu schimpfen und seine Mitbürger gegen ihn aufzuhetzen.

Die klügste Liliputanerin
Der gutmütige Gulliver merkt gar nicht, wie sehr Skyreschs Intrigen ihn in Gefahr bringen. Zum Glück hat er eine kluge Freundin, das Mädchen Vaniliput. Sie arbeitet mit von ihr gezüchteten Meerhennen daran, ein Ei zu entwickeln, das völlig rund ist und dadurch keinen Anlass mehr zum Streit bietet. Damit wäre die Feindschaft zwischen Liliput und Blefescu für immer beendet! Leider wird Vaniliput in ihren Projekten immer wieder von der verwöhnten Königstochter Rosalila behindert. Aber sie folgt unbeirrt ihrem Weg und ist außerdem die einzige, die kapiert, dass Gulliver ein Mensch ist wie alle anderen – nur eben viel größer.

Der Palast brennt!
Richtig kritisch wird die Lage für Gulliver, als er helfen will, dabei aber die falsche Methode wählt. Der Königspalast gerät in Brand, und die Feuerwehr ist machtlos, weil sie ihr ganzes Wasser dem durstigen Gulliver überlassen haben. Also fasst sich Gulliver ein Herz und entleert seine Blase auf dem Königspalast. Das Feuer ist zwar gelöscht, aber die Wut der Liliputaner ist groß. Wie eklig! Und alles stinkt! Gulliver wird von einem Gericht zum Tode verurteilt und soll hingerichtet werden. Aber er hat ja noch den Ring mit dem magischen Rubin…

Freunde, über Unterschiede hinweg
Gerade die Freundschaft zwischen Gulliver und Vaniliput zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Menschen oft lange nicht so groß sind, wie sie scheinen. Klar, der Größenunterschied ist beträchtlich, aber letztlich haben alle die gleichen Probleme, Ängste und Sehnsüchte. Gullivers Reise erzählt davon, dass wir uns über Äußerlichkeiten hinweg verstehen können, wenn wir es nur wagen, unsere Vorurteile beiseite zu lassen und den anderen wirklich zu verstehen.

Die Autoren
Der Librettist John von Düffel arbeitet als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin und hat sich als Romancier, Übersetzer, Dramatiker und Bearbeiter einen Namen gemacht. Er hat u.a. Buddenbrooks und Joseph und seine Brüder von Thomas Mann, Herz der Finsternis von Joseph Conrad und Orest nach Sophokles, Aischylos und Euripides in neuen Bühnenversionen vorgelegt. Gullivers Reise ist sein erstes Opernlibretto. Der Komponist Gerald Resch hat Musik für Orchester, Soloinstrumente, Ensembles und Stimmen geschrieben, darunter auch Theatermusik und ein Singspiel. Er unterrichtet an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.

This article was written by
Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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