„Durchnässt, aber glücklich“

„Durchnässt, aber glücklich“

Der Komponist Gerald Resch berichtet über „Gullivers Reise“

Ist Gulliver schon in Liliput angekommen?
Ja, Gulliver ist ziemlich durchnässt, aber unverletzt in Liliput angekommen hat dort in der Zwischenzeit viel erlebt (ähnlich wie sein Komponist, der ihn dorthin begleiten durfte): Lustiges, Rührendes, Spannendes, Überraschendes, Unheimliches und Schönes: wie in einer richtigen Oper eben!

Was ist für dich jetzt noch zu tun?
Das Stück “Gullivers Reise” ist fertig komponiert, die Sänger haben auch schon ihre Noten, um alles auswendig lernen zu können. Ich muss jetzt noch die Partitur schreiben, das heißt, dass ich mir überlegen muss, an welcher Stelle zum Beispiel die Klarinetten mitspielen sollen (die Vaniliput so mag) und wo die finsteren Posaunen (die Instrumente des fiesen General Skyresch) und an welchen Stellen komische Schlaginstrumente gut passen (zum Beispiel so eine Art Löwengebrüll für das Magenknurren des Königs, der schrecklichen Hunger hat).

Hat es Spaß gemacht, den GULLIVER zu komponieren?
O ja, großen Spaß: vor allem, weil das Libretto – also das Buch, in dem drinsteht, wann wer was zu wem sagen, oder besser: singen soll, so gut ist: John von Düffel hat ein tolles Libretto geschrieben: ganz viele witzige Szenen, ständig passiert etwas Neues, es wird wirklich nie langweilig.

Und wie lange hast du gebraucht?
Alles in allem so ungefähr zwei Jahre. Das Schöne am Komponieren ist, dass das aber ganz unterschiedliche Arbeiten sind: zum Beispiel habe ich mir zunächst einmal monatelang ganz viele andere Opern angehört (auch um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ich NICHT will, dass “Gullivers Reise” einmal klingen soll). So richtig aufgeschrieben habe ich die Musik von “Gullivers Reise” vor allem 2016, von Januar bis September.

Wie kommst du auf Ideen?
Ideen zu haben, finde ich nicht so schwer: manchmal sind sogar die allerersten Ideen, die man hat, die besten. Schwieriger finde ich, diese Ideen dann so schön ordentlich aufzuschreiben, dass sich alle auskennen, was genau sie singen und spielen sollen.

Ist Komponieren anstrengend?
Nein, eigentlich nicht. Nur ganz am Ende einer Komposition, die letzten paar Wochen finde ich es anstrengend: Da möchte ich dann selber wissen, wie es ausgeht, und die Musik, die ich komponiert habe, klingt mir so sehr im Kopf herum, dass ich morgens immer ganz früh aufwache und nicht mehr weiterschlafen kann.

Wann hast du zum ersten Mal etwas komponiert?
Mein erstes Stück habe ich mit acht Jahren komponiert. Und so richtig dann ungefähr mit fünfzehn.  

Hast du selbst Kinder? Und hast du ihnen schon was aus dem GULLIVER vorgespielt?
Meine Tochter Mila ist 12 Jahre alt und singt in einem Chor, meine Tochter Carla ist 10 Jahre und liebt die Songs von “Violetta”, die sie auch viel singt. Ich habe beim Komponieren von “Gullivers Reise” schon oft darüber nachgedacht, ob das jetzt auch meinen eigenen Kindern gefällt: Carla zum Beispiel mag den letzten Chor, bei dem Gulliver von Liliput wieder abreist, findet ihn aber ein bisschen zu lange. Daher habe ich eine Stelle angegeben, wo der Regisseur Marcelo Diaz, wenn er mag, auch eine Minute Musik weglassen kann.

Wird man als Komponist reich und berühmt?
Nicht besonders. Das macht aber nichts, im Gegenteil bin ich ziemlich froh, dass mich auf der Straße niemand kennt und kein Autogramm von mir will oder so. Ich stelle es mir sehr anstrengend vor, zum Beispiel ein Popstar zu sein, der nirgendwo machen kann, was er will, ohne dass ihn irgendein Fan beobachtet. Da habe ich es besser, weil ich ganz frei sein kann.

Foto: www.georglembergh.com

This article was written by
Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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