10 Dinge, die Sie über „Die Blume von Hawaii“ wissen sollten

10 Dinge, die Sie über „Die Blume von Hawaii“ wissen sollten

Die Blume von Hawaii
Offizielle Staatsblume von Hawaii ist der gelbe Hibiskus. Es gibt viele verschiedene Hibiskusarten auf der pazifischen Inselkette, einige davon sogar nur auf Hawaii. Überhaupt ist die Blumenvielfalt der hawaiianischen Flora legendär. Besonders die Insel Kauai ist für ihre Blütenpracht bekannt und wird deswegen die „Garteninsel“ genannt.

Abrahams Blume von Hawaii
Sicherlich hatten Abraham und seine Librettisten nicht den Hibiskus im Kopf, als sie ihre neue Operette geschrieben haben, sondern Prinzessin Laya, die weibliche Hauptfigur. Sie ist die rechtmäßige Thronerbin Hawaiis, lebt allerdings ein fröhliches Jetset-Leben im fernen Paris, während Hawaii von den Amerikanern besetzt ist. Als französische Jazz-Sängerin Suzanne Provence verkleidet kehrt sie mit „ihrem“ Gesangspartner Jim-Boy in die alte Heimat zurück – der Beginn von zahlreichen Operetten-Verwirrungen, die sich nach drei amüsanten Akten in Monte Carlo in Wohlgefallen auflösen.

Singen, tanzen, spielen
Zu den „zahlreichen Verwirrungen“ tragen vor allem die Buffo-Paare bei, die komischen Rollen, deren Darsteller echte Allrounder sind, also singen, schauspielern und tanzen müssen – am besten alles gleichzeitig. In der „Blume von Hawaii“ ist es vor allem der Sekretär des amerikanischen Gouverneurs, John Buffy, der in komischer Verzweiflung um die Tochter des Gouverneurs wirbt und dabei viele flotte (Stepp)Tanznummern zu absolvieren hat. Wer sich an „Roxy und ihr Wunderteam“ erinnert darf sich auf ein Wiedersehen mit Torwart Hatschek, alias Jens Janke, freuen.

Lust am Exotismus
Hula-Tanz, Aloha-Gesänge und Blumenfest dürfen bei diesem Handlungs-Schauplatz natürlich nicht fehlen. Mit Genuss bedienen Abraham und seine Librettisten jedes Hawaii-Klischee – und entlarven es gleichzeitig mit der sprichwörtlichen Doppelbödigkeit der Operette. Exotische Schauplätz auf der (Musik)Theaterbühne war seit der Jahrhundertwende inflationär geworden. Auch darauf reagieren die Autoren und erinnern mit Figuren wie Kapitän Stone oder dem fanatischen Verwandten Kanako-Hilo an Vorbilder aus Puccinis „Madama Butterfly“.

Der Operettenkönig Paul Abraham
Über die Biografie von Paul Abraham gibt es viel Schillerndes zu berichten – das Wenigste davon ist allerdings wahr. Im Zuge des wiederwachten Interesses an seinen launigen und jazzigen Werken deckt man leider viel mehr unhaltbare Gerüchte auf, als dass man glaubwürdige Informationen bekommen würde. Sicher ist, dass er Anfange der 1930er Jahre der Berliner Operettenkönig war, der mit den Jazz-Elementen in seiner Musik Impulse für die Unterhaltungsmusik in ganz Europa setzte.

Der vergessene Paul Abraham
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere musste der Jude Abraham aus Deutschland fliehen. Über Ungarn kam er in die USA, wo er keinen Anschluss fand. Eine verschleppte Syphiliserkrankung brachte ihn schließlich in eine psychiatrische Anstalt in New York. Nach Ende des 2. Weltkrieges bemühte sich ein eigens gegründetes Abraham-Komitee in Hamburg um die Einreise des Komponisten nach Deutschland, die jedoch erst 1956 zustande kam. Abraham wurde in die psychiatrische Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf verlegt. Seine Frau, von der er seit 17 Jahren getrennt war, zog nach Hamburg und pflegte ihren Mann bis er am 7. Mai 1960 an den Folgen einer Knieoperation verstarb.

Librettist 1: Fritz Löhner-Beda
Das zum Massenmedium gewordene Radio machte Löhner-Beda zu einem der bekanntesten Schlagertexter der 20er Jahre. Zu seinen populärsten, auch heute noch bekannten Schlagern zählen „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“, „Ausgerechnet Bananen“ oder „Oh, Donna Clara“. Operettenerfahrungen sammelte er während seiner regelmäßigen Zusammenarbeit mit Franz Lehár (u.a. „Das Land des Lächelns“, Friederike“, „Giuditta“). Anfang der 30er Jahre wurde er Texter für Paul Abraham, eine kongeniale Verbindung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch in Österreich brach Löhner-Bedas Karriere abrupt ab: er wurde mit dem ersten Gefangenentransport, der aus Wien abging, in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Seine enge Zusammenarbeit mit Lehár, immerhin dem Lieblingskomponisten Hitlers, half ihm nichts. Er und seine Familie starben im Konzentrationslager.

Librettist 2: Alfred Grünwald
Alfred Grünwald begann in den Zwischenkriegsjahren Schlagertexte, Einakter und Operettenlibretti zu verfassen. Neben Paul Abraham arbeitete er mit Komponisten wie Leo Fall („Die Rose von Stambul“), Oscar Straus („Der letzte Walzer“), Robert Stolz oder Emmerich Kálmán („Gräfin Maritza“) zusammen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs gelang ihm die Flucht in die USA. Da seine Werke schon vorher am Broadway gespielt worden waren, konnte er dort einigermaßen Fuß fassen, wenn er auch nie heimisch wurde. Er starb 1951, sein Sohn Henry war von 1987 bis 1990 Botschafter der USA in Wien.

Freche Songs und schöne Schnulzen
Auch für „Die Blume von Hawaii“ haben die beiden ihre witzigen und doppeldeutigen Schlagertexte geschrieben, die für diese Zeit so typisch sind. Einige von denen wurden über die Operette hinaus bekannt, wie zum Beispiel das „Diwanpüppchen“, das sich bei näherem Hinsehen nicht gerade als eine charmante Liebeserklärung entpuppt: Ich hab ein Diwanpüppchen, süß und herzig wie Du. Genau wie Du! Genau wie Du! / Das hat ein Seidenkleidchen, kleine goldene Schuh. Genau wie Du! Genau wie Du! / Das hat so schöne weiße Zähne und im Aug die falsche Träne und im Herzen Sägespäne, so wie Du! / Wenn man sie niederlegt, macht sie die Augen zu, genau wie Du! Genau wie Du! Daneben gibt es natürlich auch einige lyrische Duette, die in ihrer Sentimentalität der Parodie allerdings gefährlich nah kommen.

Operetten-Spezialisten
Eine Revue-Operette von den Ausmaßen der „Die Blume von Hawaii“ benötigt ein großes Ensemble aus Operettenspezialisten. Zusätzlich zu den zahlreichen Solisten und dem Chor des Theaters Dortmund steht deswegen auch ein achtköpfiges Tanzensemble auf der Bühne. Die Choreografie übernimmt wie bei „Roxy“ Ramesh Nair, der für seine tempo- und abwechslungsreichen Tänze bekannt ist. Regie und Ausstattung übernimmt das eingespielte Team Thomas Enzinger und Toto, die ebenfalls für „Roxy“ verantwortlich gezeichnet haben. Philipp Armbruster dirigiert die Dortmunder Philharmoniker – eine Hawaiigitarre darf im Orchestergraben natürlich nicht fehlen.

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Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

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