Eine Bühne für den Operntreff

Für das Kindermusiktheaterstück “Gold!” entstand eine eigene kleine Bühne im Operntreff der Oper Dortmund. An diesem Ort, an dem während der Abendvorstellungen Sekt und Häppchen den Ton angeben, kann das Publikum nun vormittags und nachmittags der Geschichte von Jacob und dem wundersamen Fisch, der Wünsche erfüllen kann, lauschen. Erzählt wird die Geschichte von der Sängerin Rosemarie Weißgerber und dem Musiker Jie-Goo Lee.

Möglich und notwendig geworden ist diese neue Bühne durch den Umbau im Opernhaus. Der Raum der Jungen Oper wurde für die Requisitenwerkstatt benötigt, der Operntreff musste renoviert werden. Dies war die Chance für Leif Eric Heine, seine Ideen für einen temporären Bühnenraum umzusetzen. Zunächst aber musste der neu gestaltete Operntreff für dieses Vorhaben akustisch und technisch eingerichtet werden: die Akkustik wurde durch weiße Stoffbahnen und Teppichboden verbessert, die Bühne erhielt ein Grundgerüst von 6 x 6 m aus Vierpunktträgern. Moderne LED-Scheinwerfer ermöglichen Beleuchtungseffekte, platzsparend und mit wenig Wärmeentwicklung.
Für dieses Gerüst entwickelte Leif Eric Heine eine Ausstattung, die von der Wanderbühne und dem Barocktheater inspiriert ist. Eine Art Thespiskarren, ein Theaterwagen, bildet den Rahmen; eine Bühne, aufgeschlagen nur für eine gewisse Zeit an diesem Ort, ähnlich einem Wanderzirkus, dessen Wagen schon bald weiterziehen. Im Zentrum der Bühne steht die Musik mit den Instrumenten Marimbaphon und Vibraphon. An den Seiten bauen sich die beiden Bühnenorte  – der Strand und das Meer – durch eine Konstruktion aus Klappelementen auf. Zweidimensional gemalt stapeln sich hintereinander der Baum, das Haus, das Schloss mit Zugbrücke, und die Wellen des Meeres werden höher und wilder. Alle Bühnenelemente werden von der Sängerin während der Vorstellung eigenhändig bedient, ebenso wie alle Figuren des Stücks. Eine nicht ganz einfache Aufgabe für den Ausstatter: die Bühnenelemente wurden “maßgeschneidert” für die Sängerin, damit sie gut mit einer Hand zu bedienen sind: Die Hauptfigur Jacob wurde im Laufe der Proben ihrer Hand angepasst.
Mit ihm und über ihn erzählt sie die Geschichte vom Wünschen und der Gier. Diese Erzählerin bestimmt wie ein Zirkusdirektor den Gang der Vorstellung: setzt die Musik, Figuren und Bühne in Bewegung, treibt die Geschichte voran , bewegt sich zwischen den einzelnen Orten der Bühne mit einer Truhe, die sich in eine Unterwasserwelt verwandeln kann, hin und her. Für einen der Höhepunkte, wenn das wilde Meer die angesammelten Schätze fortreißt, hat Leif Erik Heine alle Möglichkeiten der Bühne genutzt: Windmaschine, Wolkenhimmel und Beleuchtung unterstützen die Musik des Komponisten Leonard Evers. So kann sich die Magie des Theaters trotz einfacher, “altmodischer” Mittel entfalten.

In der nächsten Spielzeit wird der Theaterwagen Heimat für neue Stücke des Musiktheaters sein und als kleine Bühne dem Operntreff eine besondere Atmosphäre verleihen.

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Leif-Erik Heine
Leif-Erik Heine entschied sich nach dem Studium der Germanistik und Soziologie für ein Praktikum in der Ausstattungsabteilung des Theater Magdeburg, wo er anschließend von 2013 bis 2015 als Ausstattungsassistent engagiert war. Er begann 2014 in Magdeburg erste eigene Ausstattungen umzusetzen, 2016 entwarf er Bühne und Kostüme für “Eines langen Tages Reise in die Nacht” am Grenzlandtheater Aachen. Seit der Spielzeit 2015/16 arbeitet er als Bühnenbildassistent am Theater Dortmund, wo er Produktionen des Musiktheaters betreut. “Gold!” war seine erste eigene Ausstattung für das Dortmunder Opernhaus.

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