Fritz Eckenga als „Frosch“

Der Kabarettist Fritz Eckenga „ruhrt“ in sich selbst. Ob auf der Bühne oder im Hörfunk – Eckengas kluge, geistreiche und sehr witzige Betrachtungen zum Lauf der Welt aus Dortmunder Perspektive haben unzählige treue Zuhörer und Fans. Nun wagt sich der Künstler an ein neues Genre: die Operette. Als Gefängniswärter Frosch führt er das Publikum an zwei Terminen im März durch eine konzertante Aufführung der FLEDERMAUS mit dem Solistenensemble, dem Chor der Oper Dortmund und den Dortmunder Philharmonikern unter Leitung von Motonori Kobayashi.

Als „unterhaltsamen Nachdenker“ und als „nachdenklichen Spaßmacher“ hat die WAZ Fritz Eckenga bezeichnet. Keine schlechte Charakterisierung für einen Kabarettisten, der nicht auf schnelle Lacher aus ist. Wer ihn im Radio oder in einem seiner Solo-Programme erlebt hat, der weiß: Ein Satz von Fritz Eckenga wirkt nach. Kabarett ist für ihn auch ein Ort, um sich über etwas klar zu werden. Also ein politischer Künstler? Das sicher, aber nicht nur. Eines seiner Lieblingsthemen ist der Wirklichkeitsverbrauch. Wir verbrauchen alle Wirklichkeit – leider meist nur die, die uns andere vorkauen. Eckenga ruft dazu auch, öfter selbst welche zu produzieren, und das tut er in seinen Bühnenprogrammen und Büchern. Eine Wirklichkeit, die mit scharfem Blick erfasst ist und witzig noch dazu.

Also ist Fritz Eckenga genau der Richtige, um sich der Wirklichkeit der berühmtesten aller Operetten zu stellen. In der FLEDERMAUS geht es vor allem darum, dass alle anders scheinen wollen, als sie in Wirklichkeit sind, um in ihrer Verkleidung möglichst viel Spaß zu haben. Dass der Spaß auch gerne auf Kosten der anderen geht, macht die Sache nicht netter, aber sehr vergnüglich. Die Hauptfigur des Stücks, der Rentier Eisenstein, muss ins Gefängnis, nur ein paar Tage wegen einer kleinen Beamtenbeleidigung. Aber gibt es da auch Champagner? Lieber nichts riskieren: Statt ins Kittchen verabschiedet sich Eisenstein auf ein Fest beim melancholischen Fürsten Orlofsky. Madame Eisenstein hingegen nutzt die vermeintliche Auszeit ihres Mannes hinter schwedischen Gardinen dazu, ihren früheren Liebhaber Alfred zu empfangen, dessen Tenorstimme sie immer noch in Wallung bringt. Der wandert dann zwar an Eisensteins Stelle hinter Gitter, doch der Rest des Personals trifft sich, mehr oder weniger verkleidet, auf Orlofskys Soiree, wo sich eine der rasantesten und witzigsten Verwechslungskomödien in der Geschichte der Operette abzuspielen beginnt.

DIE FLEDERMAUS ist Glanz- und einsamer Höhepunkt der Wiener Operette, wie auch Strauß selbst ihn später nie mehr erreichte. Alles, was ihren Reiz ausmacht, findet sich in diesem Stück: Es wird gelogen, geliebt, sich verkleidet, verstellt und vor allem unglaublich viel gesoffen. Im Reich von König Champagner dem Ersten ist Lust am Betrug so unbesiegbar wie die Lust am Leben und an der Musik. Mag sein, dass hier eine Gesellschaft auf den Untergang zutaumelt – aber dann doch auf jeden Fall nicht nüchtern und mit allerbester Laune.

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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