Hula, Hemd und Baströckchen: 10 Dinge, die Sie über Hawaii wissen sollten

Hula, Hemd und Baströckchen: 10 Dinge, die Sie über Hawaii wissen sollten

Aloha
„Aloha” ist mehr als eine hawaiianische Grußformel. „Aloha“ ist eine Lebensphilosophie, die von Respekt gegenüber anderen Menschen und der Natur, Demut, Geduld, Liebe und Zuneigung geprägt ist. Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind Eigenschaften, die den Hawaiianern zugeschrieben werden. Der Inselstatt Hawaii wird offiziell auch „The Aloha-State“ genannt. Mittlerweile wird der Begriff inflationär eingesetzt: Am Hafen von Honululu begrüßt der Aloha-Tower die ankommenden Schiffe, am Aloha-Friday dürfen Angestellte im Hawaii-Hemd (Aloha-Shirt) zur Arbeit kommen, die hawaiianische Airline nennt sich Aloha Airlines usw.

Aloha’Oe
„Aloha’Oe“ ist sicherlich der bekannteste von zahlreichen Songs, die Hawaii besingen. Geschrieben wurde er um 1880 von der letzten hawaiianischen Königin Lili’uokalani. Sie war musikalisch sehr begabt, ihre Ausbildung wurde von dem preußischen Militärkapellmeister Heinrich Berger übernommen. Sie hat über 150 Lieder komponiert. Die Melodie von „Aloha’Oe“ ist vermutlich durch ein kroatisches Volkslied inspiriert. Text und Arrangement stammen aber von der Königin. Es beschreibt den Abschied zweier junger Liebender und wurde jahrzehntelang für jedes abfahrende und ankommende Schiff auf Hawaii gespielt. Das Lied wurde in viele Sprachen übersetzt („Farewell to Thee“, „Nun lebe wohl“) und von zahlreichen Interpreten ins Repertoire aufgenommen.

Bastrock
Die ursprüngliche Bekleidung der hawaiianischen Frauen war ein Schurz, der aus Kapa angefertigt wurde. Kapa ist ein Stoff aus dem Rindenbast des Maulbeerbaums. Zunächst wurde die Rinde des Baumes abgezogen, dann die unter der Borke liegende Bastschicht abgelöst. Mit Schlegeln wurde die Streifen dann behauen, wodurch die Bahnen breiter wurden und die Fasern miteinander verfilzten. Die Stoffbahnen wurden, v.a. auf Hawaii, anschließend mit bunten Motiven bedruckt. Neben dieser indigenen Kleidung gab es auch geflochtene Varianten. Diese wurden aus Pflanzenfasern aus dem Außenbast der Bananenstaude oder aus Ti-Blättern gefertigt. Sie hatten an der Hüfte einen gezopften Randabschluss und lange herabhängende Faserstränge. Jene Kleidungsstücke waren die Prototypen der berühmten Grasschurze hawaiischer Hula-Tänzer.

Bier
Entgegen der gesungenen Annahme von Paul Kuhn, dass es kein Bier auf Hawaii gäbe, gehört es mittlerweile zum Standard der Touristen-Hochburgen. Allerdings ist das Bier kein einheimisches Getränk. Vielmehr sind hier die vielen verschiedenen Fruchtsäfte zu Hause, die aus den exotischen sonnengereiften Früchten gepresst werden: Ananas, Mango, Papayas, Kokosnüsse, Bananen… Wer auf Alkohol nicht verzichten möchte, kann einen Mai Thai trinken, dieser Cocktail ist auf Hawaii so etwas wie ein Nationalgetränk. (3 cl brauner Rum, 3 cl weißer Rum, 2 cl Mandelsirup, 1 Barlöffel klarer Orangenlikör, Eis, Basilikum)

Blume(n) von Hawaii
Offizielle Staatsblume von Hawaii ist der gelbe Hibiskus. Es gibt viele verschiedene Hibiskus-Arten auf der pazifischen Inselkette, einige davon sogar nur auf Hawaii. Überhaupt ist die Blumenvielfalt der hawaiianischen Flora legendär. Besonders die Insel Kauai ist für ihre Blütenpracht bekannt und wird deswegen die „Garteninsel“ genannt. Der Hibiskus ist auch ein häufiges Motiv auf Hawaii-Hemden. Typisch für Hawaii sind die Leis – Blumenketten (meist Orchideen oder Jasmin), die um den Hals getragen werden. Waren sie traditionell eher den Würdenträgern vorbehalten, werden die Leis heute auch den Touristen als Willkommensgruß umgehängt.

Hawaii-Gitarre
Die Hawaii-Gitarre ist heutzutage in vielen musikalischen Stilrichtungen zu Hause, im Jazz ebenso wie in der Country-Musik. Tatsächlich ist sie auch durch das Zusammenkommen verschiedener musikalischer Stile entstanden – und zwar auf Hawaii: traditioneller Gesang verbunden mit einer alten indischen Instrumentaltechnik übertragen auf akustische Gitarren, die von Portugiesen und Mexikanern auf die Inseln gebracht wurden. Die Hawaii-Gitarre wird auf dem Schoß liegend gespielt. Die Saiten werden nicht mit den Fingern auf die Bünde gedrückt, sondern der Spieler nimmt einen Metallstab, mit dem er über die Saiten streicht. Wegen dieses Stabes, der anfangs vielleicht einfach ein Nagel gewesen ist, wird die Gitarre auch „Steel Guitar“ genannt.
Die Nachfrage nach Hawaii-Gitarren stieg von 1900 an enorm. Gleichzeitig versuchte man, den Klang der Gitarre künstlich zu verstärken, so dass sie auch in größeren Ensembles hörbar war. Nach vielen Experimenten wurde Anfang der 30er Jahre die elektrische Tonabnahme serienreif. Die erste E-Gitarre war also eine Hawaii-Gitarre.
In den 20er Jahren wurde die Hawaii-Gitarre auch in Deutschland bekannt, in zahlreichen Jazz-Ensembles aus den USA war sie bereits ein fester Bestandteil. Kein Wunder also, dass auch Paul Abraham sie in seiner „Blume von Hawaii“ eingesetzt hat.

Hawaii-Hemd
Das klassische Hawaii-Hemd ist mit bunten exotischen Motiven, zumeist Blumenmustern, bedruckt und wird über der Hose getragen. Von den einheimischen wurde es bereits im 19. Jahrhundert „erfunden“, indem sie Stoffe aus China für ihre Kleidung, die ihnen durch die Missionierung aufgezwungen wurde, selbst bemalten. Anfang der 30er Jahre machte ein auf Hawaii lebender chinesischer Schneider daraus ein Geschäft: Er verkaufte den Touristen mit dem „Aloha-Shirt“, wie das Hawaii-Hemd auch genannt wird, nicht nur ein günstiges und bequemes Oberhemd, sondern auch ein Stück Urlaubsgefühl.
Elvis Presley brachte den Trend mit nach Europa, mit Magnum war er auch in den 80ern präsent. Längst werden Hawaii-Hemden, von den einen als Geschmackverirrung bekämpft, von den anderen als Kult gefeiert, auch von seriösen Modedesignern entworfen.

Hawaii-Toast
Das Toast-Hawaii war ein Trendsetter in der deutschen Küche der 50er Jahre. Um den wahren Erfinder des Rezeptes herrschte jahrzehntelange Unsicherheit. Heute geht man davon aus, dass es der Fernsehkoch Hans Karl Adam war, der 1955 zum ersten Mal folgendes Rezept veröffentlichte: „Auf etwa 2-3 Scheiben getoastetes Weißbrot 2 Scheiben Ananas, darüber dünnen gekochten Schinken legen, eindecken mit geschnittenem Schweizer Käse. In der Röhre goldgelb überbacken. Mit Tomatenketchup bedient sich jeder nach Geschmack.“ Die Kirsche kam erst später dazu. Die Kombination war dermaßen erfolgreich, dass kurz darauf auch Schnitzel-Hawaii und Pizza Hawaii aus der deutschen Küche nicht mehr wegzudenken waren. Auf Hawaii sucht man diese Gerichte allerdings vergeblich.

Hula
Der Hula ist ein traditioneller hawaiianischer Tanz. Während die Füße mit festgelegten Schritten dem Rhythmus folgen, können Oberkörper und Arme frei „erzählen“ – der Hula diente in einer Kultur ohne eigene Schrift auch der Überlieferung von Mythen und Traditionen. Hula wird ohne Partner getanzt, von Frauen und Männern gleichermaßen. Charakteristisch sind die fließenden Armbewegungen, von denen in der traditionellen Form jede eine eigene Bedeutung hat, und die kreisenden Hüftschwingungen. Der Hula-Hoop-Reifen hat von letzteren seinen Namen.

Ukulele
Die Ukulele ist ein kleines gitarrenähnliches Zupfinstrumente mit sechs oder acht Saiten. Sie kam Ende des 19. Jahrhunderts mit portugiesischen Seefahrern nach Hawaii. Wegen der Schnelligkeit, mit der die Finger die Saiten zupfen, wurde das Instrument Ukulele = „hüpfender Floh“ genannt. Vom Königshaus sehr geschätzt integrierte sich das Instrument schnell in die hawaiianische Hof- und Volksmusik. In den 1910er Jahren kam die Ukulele von Hawaii aus in die USA und schließlich auch nach Europa. Seitdem kommt das Instrument, das sich wegen der Größe auch gut für Anfänger eignet, regelmäßig in Mode. Obwohl die Ukulele auch schon in den 1930er Jahren in Deutschland als typisch hawaiianisch angesehen wurde, verwendete Abraham sie in der „Blume“ nicht.

This article was written by
Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.