Hamlet – Musiktheater oder Schauspiel?

Hamlet – Musiktheater oder Schauspiel?

Beobachtungen und Gedanken von Paula Krapp, FSJ-lerin des Musiktheaters, während ihrer Hospitanz bei der Koproduktion der Jungen Oper und des Kinder- und Jugendtheaters „Hamlet – Sein oder Nichtsein?“…

16. Januar – Jetzt geht es los!
Mit dem Probenbeginn treffen im Probenraum des KJT erstmals alle Beteiligten der Produktion aufeinander. Ziemlich schnell stelle ich fest, dass mir ein Großteil der Anwesenden fremd ist. Dabei dachte ich nach einem halben Jahr am Theater doch so langsam meine Kollegen zu kennen…Pustekuchen! Hier begegnen sich nun das Musiktheater in Form der Jungen Oper und das Schauspiel in Form des KJT. Ob das funktionieren kann? geht mir durch den Kopf. Na ja, immerhin haben sich beide Sparten zum Ziel gesetzt, Theater für Kinder zu machen und die erste Zusammenarbeit ist es ja schließlich auch nicht. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

23. Januar – Woche Nr. 1
Mittlerweile kennen sich alle schon etwas besser und insbesondere die drei Schauspieler (Bettina Zobel, Rainer Kleinespel und Andreas Ksiencyk) und die zwei Sänger (Anna-Lucia Struck und Fabio Lesuisse) stecken bereits in der intensiven Erarbeitung der ersten Szenen mit Regisseur Ronny Jakubaschk. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Auf einmal soll der Sprechtext der Schauspieler genau auf die Musik abgepasst werden und die Sänger werden in ihren Szenen mit Partnern konfrontiert, die ihnen nicht singend sondern sprechend antworten. Der angedachte Konflikt zwischen der Welt der sprechenden Erwachsenen und der singenden Jugendlichen wird auch schon in der Probenarbeit spürbar.

3. Februar – Mutprobe Chor
Heute findet die erste szenische Probe gemeinsam mit Solisten und Chor statt und alle sind gespannt auf dieses Zusammenspiel. Denn die Chorsituation ist eine sehr Besondere: ein vierstimmiger Chor bestehend aus nur acht Sängern, noch dazu in doppelter Besetzung. Für uns bedeutet das, jede Szene mit jeder Besetzung häufig genug zu proben, damit auch alle auf dem aktuellen Probenstand sind. Zunächst herrscht allgemeine Verwirrung wer, wann, was, wo und wie zu tun hat, denn von Krankheitsfällen im Februar bleibt auch der Hamlet nicht verschont… mit der Zeit entwickelt sich aber auch hier eine Routine, die ein produktives Zusammenarbeiten ermöglicht.

7.Februar – Einmal nur Orchester, bitte
Bei den sogenannten Orchersitzproben treffen alle musikalisch Beteiligten der Produktion, also Solisten, Chor und Orchester, zum ersten Mal aufeinander. Da „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ eine Uraufführung ist, ist diese Probe ein sehr spannendes Unterfangen. Hier ist sogar der Komponist Timo Jouko Herrmann anwesend und steht allen Beteiligten mit Rat und Tat zur Seite. Endlich die Originalbegleitung durch das Orchester zu hören, nach all den Wochen mit Begleitung durch das Klavier, ist ziemlich beeindruckend. Frisch inspiriert geht es nun:

13. Februar – Ab auf die Bühne!
Endlich ziehen wir von den Probebühnen mit allen Bühnenteilen, Requisiten und Kostümen auf die Bühne des KJT um. Der Umzug auf die Bühne ist zunächst eine Umstellung für alle, Gänge und Szenen müssen an die neue Umgebung ebenso angepasst werden wie musikalische Feinheiten. Hier werden wir wieder unterstützt vom Komponisten des Stückes und vom Autor André Meyer. Diese Nähe zu den Schöpfern des Werkes ist wirklich einzigartig bei einer Uraufführung und so werden die beiden auch immer wieder in den Probenprozess mit einbezogen.

21. Februar – Noch 3 Tage
Bühne, Licht, Requisite, Kostüm und Maske befinden sich nun in den letzten Zügen und alles ist bereit für die Endproben. Auch wenn beim ersten Durchlauf noch an ein paar Stellen Unsicherheiten in der Abstimmung untereinander sichtbar werden – spätestens zur Generalprobe läuft alles nach Plan. Und so verlassen entgegen des Aberglaubens, dass eine schlechte Generalprobe eine gute Premiere garantiert, am letzten Tag vor der Premiere alle Mitwirkenden die Probe mit einem Gefühl der Vorfreude.

23. Februar – *Toi, toi, toi*
Heute ist es soweit: der große Tag, auf den wir alle nun fünf Wochen hingearbeitet haben, ist endlich da. Bereits zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn wird es hinter der Bühne allmählich voller und voller und es kribbelt vor Aufregung in der Luft. Jetzt ist der Zeitpunkt um einander noch ein letztes Mal zu umarmen, Premierengeschenke zu überreichen und ein jeden mit einem herzlichen Toi, toi, toi sich selbst zu überlassen…

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