Gullivers erste Reise

Gullivers erste Reise

… führt ihn in die Uhlandgrundschule, Dortmund

Pünktlich um 9 Uhr treffen sich alle Beteiligten abreisebereit am Bühneneingang und das ist eines der wenigen Dinge, die auf dieser „Reise“ nach Plan verlaufen. Begleitet wird Gulliver heute vom Komponisten der Familienoper Gerald Resch, dem Chefdramaturgen des Opernhauses Georg Holzer, den Theaterpädagoginnen Heike Buderus und Svenja Riechmann und einigen Praktikanten.
Das Improvisationsvermögen der Theaterpädagoginnen wird sogleich auf die Probe gestellt, da das bestellte Klavier zum Mitnehmen anderweitig benötigt wird. Glücklicherweise ist in der Uhland-Grundschule in der hintersten Ecke ein verstaubtes, verstimmtes Klavier zu finden und in den Augen des Komponisten Gerald Resch bespielbar. Mühsam, aber mit Schwung wird es aus seiner Ecke in den vorderen Teil des Klassenzimmers geschoben, der zuvor in eine kleine Bühne mit gemütlichem Sitzkissenzuschauerraum umgewandelt wurde. Die Enttäuschung bei der Abfahrt ist vergessen, es herrscht eine entspannte Stimmung, während sich das Team des Theaters einen Kaffee schmecken lässt und einige Kinder schon neugierig um die Ecke linsen.
Hinter dem Klavier hat sich tatsächlich noch eine vergessene Gitarre gefunden und daran, wie Gerald Resch und Georg Holzer sich diese schnappen, die Saiten neu aufziehen, diese stimmen und sich schnellstens Akkorde überlegen, welche mit der Ouvertüre harmonieren, merkt man, mit wie viel Herzblut die beiden dabei sind. Kaum ist die Pausenglocke verklungen, strömt Gullivers erstes Publikum herein. Für die Kinder der 2. Klasse ist dieser Kontakt mit dem Komponisten heute nur der Anfang der Reise, mit einem Probeneinblick und dem finalen Vorstellungsbesuch wird es zum Glück noch weiter gehen. Der Vortrag der Ouvertüre mit Klavier und Gitarre, die an den Wellengang des Meeres erinnert, wird gebannt verfolgt.

Alles eine Frage der Sichtweise
Beim Stichwort „Meer“ werden stolz alle Urlaubspläne der Kinder für die Sommerferien kundgetan, mit und ohne Meerblick. Vorbereitete Fragen der Kinder werden jetzt auf Komponist und Dramaturg losgelassen, die Antworten kommen prompt, und auf beiden Seiten ist großes Interesse zu spüren. Die Fragen reichen von „Lebt Gulliver noch?“ bis hin zu „Wie macht ihr das mit den winzig kleinen Liliputanern?“ Georg Holzer erzählt von der Romanvorlage von Jonathan Swift und dass er diesen Gulliver vor mehreren hundert Jahren erfunden hat. „Aber immer, wenn wir über ihn reden oder an ihn denken, wird er wieder lebendig“, fügt Gerald Resch hinzu. Und dann lüften die beiden das Geheimnis von „klein“ und „groß“: Die Sänger auf der Bühne kann man natürlich nicht „verkleinern“, aber die Bühnenbildnerin kann alles andere sehr viel größer bauen und schon hat der Zuschauer den Eindruck, dass die Sänger kleiner werden. Alles eine Frage der Sichtweise.

„Ob groß, ob klein ist einerlei“
Zum Abschluss gibt es einen Ausschnitt aus dem letzten Lied zu hören. „Ob groß oder klein ist einerlei“ heißt es darin. Trotz des nicht perfekt gestimmten Klaviers, vielleicht wegen der improvisierten Gesangseinlage des Komponisten, ist das Publikum nicht nur von der Melodie, sondern von der ganzen Oper begeistert. Alle sind sich einig, dass dieser kleine Einblick viel zu klein war und auch wenn das „Happy End“ der Geschichte den Kindern nun schon bekannt ist, kann dies ihre Vorfreude nicht trüben, sondern eher noch verdoppeln.
Klavier und Gitarre landen wieder auf ihrem Stammplatz in der Ecke und die Familienoper „Gullivers Reise“ hat ihre erste Reise mit Bravour gemeistert.

Marlene Unterfenger, Praktikantin in der Theaterpädagogik

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