Probenbeginn: Arabella

Montag, 26.6., 10 Uhr: Auf der Probebühne der Oper Dortmund an der Alten Straße in Körne treffen sich zum ersten Mal das Leitungsteam und das Sängerensemble für die Produktion Arabella von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Mit der so genannten „Konzeptionsprobe“ beginnt jede Opernproduktion: Hier stellt das Regieteam seine Pläne vor, auch Bühne und Kostüme werden vorgestellt. Ab heute wird bis zum Beginn der Spielzeitferien in drei Wochen geprobt, nach den Ferien geht es dann noch einmal vier Wochen weiter bis zur Premiere am 24. September. Keine sehr lange Probenzeit für eine mehr als dreistündige Aufführung – es ist also keine Zeit zu verlieren. Doch eine gemeinsame Einstimmung auf das Stück muss sein; mit dabei sind auch ein Modell des Bühnenbilds und die sogenannten Figurinen, also Zeichnungen der Kostüme. Hier einige O-Töne von der Konzeptionsprobe:

vlnr: Kostümassistentin Hannah Bünemann, Kostümbildnerin Sibylle Gädeke, Regisseur Jens-Daniel Herzog sowie die Dramaturgen Georg Holzer und Hans-Peter Frings

Jens-Daniel Herzog, Regisseur
„Arabella ist das begehrteste Mädchen in Wien, aber sie träumt von einem Mann, der anders ist, als die, die sie umschwärmen. Mandryka kommt aus dem wilden Osten, ein steinreicher Grundbesitzer, der in den Besitz eines Bildes von Arabella gekommen ist und auf die Schnapsidee kommt, dass er diese Frau haben muss. Und Arabella bildet sich ein, dass sie genau diesen Mann haben muss. Zwei bescheuerte Ideen, die vielleicht so absurd sind, dass sie schon wieder gut sind. Könnte sein, dass es am Ende funktioniert…“

Sibylle Gädeke, Kostümbildnerin
„Das Stück spielt in einer Welt von Spielern, der wirklich Süchtige ist Arabellas Vater Waldner, aber alle spielen auf die eine oder andere Weise. Im Lauf der Aufführung soll die Eleganz, die am Anfang behauptet wird, langsam abblättern, die Leute sehen immer mehr so aus, wie sie sind, also eher schäbig. Richtig authentisch ist Mandryka: Er kommt mit einer Wildlederhose und einem Fellmantel, also so, wie er zu Hause auch rumläuft. Im 2. Akt versucht er, sich der Wiener Gesellschaft anzupassen und sich in einen Smoking zu zwängen, aber der ist zu eng und wird von ihm gesprengt. Da bleibt er lieber bei seinem alten Mantel!“

Georg Holzer, Dramaturg
Arabella ist die letzte gemeinsame Oper von Strauss und Hofmannsthal. Man spürt zwei Sehnsüchte: Die eine ist, noch mal eine so geniale Komödie zu schreiben wie den Rosenkavalier. Zum anderen gibt es gerade bei Hofmannsthal einen großen Kummer über den Untergang der Habsburger-Monarchie 1918 und der ganzen alten Welt, der er sich verbunden fühlt. Wenn die großen gesellschaftlichen Orientierungen fehlen, werden für ihn die privaten Institutionen wichtiger: Ehe und Familie. Deshalb werden die Frauen in Hofmannsthals Libretti immer konservativer, bis hin zu Arabella, die sich danach sehnt, Hausfrau und Mutter an der Seite eines starken und brutalen Mannes zu sein. Aber Hofmannsthal ist selbst viel zu kompliziert, um an einfache Lösungen zu glauben. Das merkt man dieser jungen Frau Arabella deutlich an.“

Das Arabella-Ensemble

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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