10 Dinge, die ihr über „Beethoven’s Last Night“ wissen solltet

10 Dinge, die ihr über „Beethoven’s Last Night“ wissen solltet

Das Projekt „Oper erleben“
Mit der Intendanz von Jens-Daniel Herzog gibt das Musiktheater alle zwei Jahre die große Bühne des Opernhauses frei für ein Partizipationsprojekt in Zusammenarbeit mit interessierten Schulen. Diese Projekte werden durch die Unterstützung des Fördervereins der Kinderoper ermöglicht. Nach Peter Maxwell Davis‘ „Cinderella“ und Judith Weirs „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“ öffnet sich am 11. Juni der Vorhang für die Rockoper „Beethoven’s Last Night“..

Laien und Profis bilden ein Team
Schon zum zweiten Mal kooperiert das Opernhaus mit dem Märkischen Gymnasium Iserlohn. Diesmal sind fast 100 Schüler und Schülerinnen im Orchestergraben und auf der Bühne zu hören und zu sehen. Unter der musikalischen Leitung von Stefan Scheidtweiler proben die Musiklehrer Stefan Klute, Thorsten Menne, Michael Schneider und Melanie Scholz seit Beginn des Schuljahres. Regelmäßig besuchte der Regisseur Alexander Becker zu szenischen Proben die Schule, Intensivproben fanden an Wochenenden in der Wevelsburg und auf der Probebühne des Musiktheaters statt. Bühne und Kostüme entwarf Annika Haller, die auch schon Produktionen wie „Peter Grimes“ am Dortmunder Opernhaus ausstattete. In Zusammenarbeit mit der Kostümabteilung stellte sie den Schülern des Chores Schnitte zur Verfügung, nach denen die Chormitglieder ihre Kostüme selbst schneidern. Musikalisch wird die Band im Orchestergraben von Musikern der Dortmunder Philharmonikern unterstützt. Auf der Bühne ist als „alter Beethoven“ aus dem Ensemble des Musiktheaters Marvin Zobel zu hören. Und wann immer „ältere“ Darsteller gebraucht wurden, waren Mitglieder der Opernhauses gern bereit bei diesem Projekt mitzuwirken.

„Rocking“ Beethoven
Das Trans-Siberian Orchestra erzählt in seinem Konzert in der Rückschau Stationen aus Beethovens Leben. In seiner letzten Nacht führt ihn die Muse Fate, die die Zeit beherrscht, zurück in seine Kindheit in Bonn, seine Zeit in Wien und lässt ihn noch einmal mit den Menschen zusammentreffen, die sein Leben geprägt haben: seinem strengen, trunksüchtigen Vater, seinem Lehrmeister Haydn, seinem Vorbild Mozart, seiner Liebe Theresa. Und immer wieder rückt seine Musik in den Vordergrund: Paul O’Neil greift  bekannte Beethoven-Kompositionen auf und verrockt sie auf die unnachahmliche Weise des Trans-Siberian Orchestra.

Die Seele verkaufen für die Musik?
In einer Gewitternacht im Frühling 1827 sitzt Ludwig van Beethoven zusammengesunken, am Ende seiner Kräfte, am Klavier. Er hat die Komposition seiner 10. Symphonie vollendet. Er ist überzeugt: „Das ist das Beste, das ich jemals komponiert habe.“ Da erscheint die Muse und Schicksalsgöttin Fate, um ihm anzukündigen, dass dies seine letzte Nacht auf Erden sein wird. Und plötzlich erscheint Punkt zwölf, um Mitternacht, Mephistopheles und fordert seine Seele, für all die Sünden, die er im Laufe seines Lebens für seine Musik begangen hat. Er lässt ihm nur einen Ausweg: Mephistopheles löscht die Musik aus dem Gedächtnis der Menschheit und Beethoven erhält im Gegenzug seine Seele zurück. Vergessen oder Verdammnis: der Meister ist verzweifelt. Waren es viele kleine Sünden oder eine große? Doch Fate erwirkt eine Stunde Aufschub für die Entscheidung und bietet ihm an, noch einmal an die Stationen seines Lebens zurückzureisen.

Bonn
Schon bald erkennt der Musiker Johann van Beethoven das Talent seines Sohnes Ludwig. Er erteilt ihm selbst Unterricht, lässt ihn stundenlang üben, träumt von einer Wunderkindkarriere wie sie Mozart beschieden war. Bei Konzertankündigungen macht er den Sohn gerne auch mal zwei Jahre jünger. Bereits mit 14 Jahren wird Ludwig 2. Hoforganist mit einem Jahressold von 150 Gulden.  In vielen anderen Bereichen blieb die Bildung Beethovens jedoch bruchstückhaft. Er entwickelt sich zu einem aufbrausenden jungen Mann, ungeduldig und misstrauisch. Häufig verhält er sich grob gegenüber seinen Mitmenschen, doch meist bereut er sein Verhalten und ist um Versöhnung bemüht.

Die erste Reise nach Wien
Auf Fürsprache seines Lehrers und Förderers Christian Gottlob Neefe reist der 17-jährige Beethoven nach Wien.  Hier trifft er mit Mozart zusammen und nimmt wahrscheinlich auch Unterricht bei ihm. Mozart ist gerade intensiv mit seiner Oper „Don Giovanni“beschäftigt, hat familiäre und finanzielle Probleme und sieht sich nicht in der Lage, Beethoven als Meisterschüler anzunehmen, obwohl er von ihm begeistert ist. Vorzeitig muss Beethoven allerdings seine Aufenthalt abbrechen und wegen der schweren Erkrankung seiner Mutter nach Bonn zurückkehren.

Verantwortung übernehmen
Kurz nach seiner Rückkehr nach Bonn stirbt die Mutter. Der Vater trinkt mittlerweile so stark, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Beethoven erhält eine Anstellung als Bratschist im neu eröffneten Opernhaus in Bonn und übernimmt mit nur 19 Jahren den Familienvorsitz und wird Vormund seiner beiden jüngeren Brüder. Seine übrigen 4 Geschwister waren bereits im frühen Kindesalter gestorben, so auch ein älterer Bruder, der ebenfalls auf den Namen Ludwig getauft war, aber schon wenige Tage nach der Geburt starb.

Taubheit
Krankheiten plagten Ludwig van Beethoven von frühester Jugend an. Er erkrankte an Pocken, die Armut der Kindheit hinterließ ihre Spuren, nächtliches Arbeiten bei Kerzenlicht schadete seinen Augen und zwang ihn früh, Brillen zu tragen. Bereits mit 23 Jahren stellt er erste Anzeichen von Gehörverlust fest. Er meidet zunehmend die Gesellschaft anderer, will seine Schwerhörigkeit nicht eingestehen. Diese nimmt rapide zu und führt 18 Jahre später zur fast völligen Taubheit. „Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung“

Liebe zur Natur
Als Ausgleich suchte Beethoven Erholung in der Umgebung von Wien auf dem Lande. Er liebte die Natur wie die Musik, fand in ihr Harmonie und Inspiration. „Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern Felsen wandeln zu können. Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. Geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht“, schrieb er an Therese Malfatti.

Sehnsuchtsort Wien
Beethoven bricht zu einer zweiten Wienreise auf, um dort Meisterschüler des Komponisten Haydn zu werden, den er in Bonn kennengelernt hat. Diese zweite Reise führt dazu, dass er sich dauerhaft in Wien niederlässt und nie wieder nach Bonn zurückkehrt. Obwohl niemals verheiratet, gibt es mehrere wichtige Frauen in seinem Leben. Therese ist eine von ihnen.

You can live your life in a thousand ways
But it all comes down to that single day
When you realize what you regret,
What you can’t reclaim, but you can’t forget.

This article was written by
Heike Buderus

Heike Buderus studierte Anglistik und Russistik an der Ruhr-Universität Bochum sowie Germanistik und Neugriechisch an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach ihrem Referendariatsdienst wurde sie 1986 Theaterpädagogin für das Schauspiel und KJT am Landestheater Castrop-Rauxel. Zusammen mit Kollegen an den Theatern in NRW rief sie einen ersten Zusammenschluss von Theaterpädagogen auf Landesebene ins Leben. Seit 1999 ist sie als Theaterpädagogin für das Musiktheater und Ballett am Theater Dortmund zuständig. Neben der theaterpädagogischen Begleitung von Produktionen durch Vor- und Nachbereitungen, realisierte sie zahlreiche theaterpädagogische Projekte für die Oper und das Ballett so u.a. Feuervogel, Feuerspuren und Heldenbilder in Zusammenarbeit mit dem Museum Ostwall, Frühzünder und Spätblüher und Operazzi in der Kinderoper. Hier setzte sie sich u.a. für ein kontinuierliches Angebot von Musiktheater für ein junges Publikum ein und übernahm die Dramaturgie für diverse Kinderoperproduktionen für und mit Kindern und Jugendlichen. Heike Buderus ist Gründungsmitglied des Bundesverbandes der Theaterpädagogen und lehrt am Institut für Musik und Didaktik an der Universität Dortmund.

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