10 Dinge, die Sie über ARABELLA wissen sollten

10 Dinge, die Sie über ARABELLA wissen sollten

Eine neue Komödie
Insgesamt 6 Opern hat Richard Strauss auf Texte des österreichischen Dichters Hugo von Hofmannsthal geschrieben. Die erfolgreichste von ihnen war Der Rosenkavalier aus dem Jahr 1911. Die beiden Künstler, die zu ihrer Zeit als Dream Team der europäischen Oper galten, suchten lange nach einem Stoff, der das Zeug zu einem vergleichbaren Publikumserfolg haben könnte. Mit Arabella hofften sie, an den Rosenkavalier anknüpfen zu können. Die Arbeit am Text begann 1927 und endete mit Hofmannsthals plötzlichem Tod im Jahr 1929.

Frauen und Männer
Arabella
ist eine Liebeskomödie mit allen nötigen Inhaltsstoffen: Missverständnissen, Intrigen, Verwechslungen und einem ominösen Schlüssel. Aber wie immer bei Hofmannsthal werden auch tiefere Fragen berührt. Was fühlt man, wenn man jemanden liebt oder nicht liebt? Was fasziniert eine Frau an einem Mann und umgekehrt? Gibt es den oder die „Richtige/n“, und wenn ja, wie erkennt man das? Sind wir alle Egoisten, oder tun wir manchmal wirklich was für andere, ohne an uns zu denken?

Die Familie am Abgrund
Kern der Handlung ist die Familie des Grafen Waldner, die arg in der Klemme steckt. Waldner ist spielsüchtig und hat sich in gewaltige Schulden gestürzt, aus denen es nur einen Ausweg gibt: Arabella, seine ältere Tochter, muss mit einem möglichst reichen Mann verheiratet werden. Bewerber gibt es genug: Drei junge Adlige und ein liebenswerter Loser sind hinter Arabella her. Auf dem großen Fiakerball am Faschingsdienstag soll die Entscheidung fallen. Während Arabella sich ziert, sucht ihre hysterische Mutter Adelaide Rat in esoterischen Ritualen. Und der Vater verzockt still und leise noch das letzte Bargeld.

Eine launische junge Frau
Arabella, die Hauptfigur der Komödie, ist eine selbstbewusste, launische und manchmal auch kindische junge Frau. Dass sie keine Lust auf ihre Verehrer Elemer, Dominik und Lamoral hat, kann man gut verstehen, denn die sind wirklich keine Knüller. Dass sie aber sicher ist, es werde eines Tages „der Richtige“ zur Tür hineinmarschieren und sie vom Fleck weg heiraten, kommt einem ziemlich naiv und pubertär vor. Aber weil wir in der Komödie sind, passiert natürlich genau das.

Ein Foto mit Folgen
In seiner Verzweiflung hat Arabellas völlig abgebrannter Vater Waldner einen Brief an seinen früheren Regiments-Kameraden Mandryka in Slawonien (eine Region im Osten der heutigen Republik Kroatien) geschrieben und ein Foto von Arabella beigelegt, in der Hoffnung, dass der schon bejahrte, aber lebenslustige Freund sich in das Foto verlieben und Arabella heiraten würde. Der alte Mandryka ist jedoch inzwischen gestorben. Der Brief landet bei seinem gleichnamigen Neffen und Erben – und der verliebt sich nun in das Mädchen auf dem Bild und kommt nach Wien, um Arabella zu heiraten und sie mit in seine Heimat zu nehmen.

Der Sinn des Lebens
Obwohl Mandryka nicht sehr geschickt auftritt, ist Arabella von ihm fasziniert. Endlich mal ein echter Mann, der keine umständlichen Komplimente macht, sondern zupackt. Plötzlich erscheint ihr das Leben mit Mandryka als reizvollste Aussicht überhaupt. Mit ihm nach Kroatien gehen, in einem Gutshaus leben, ihn umsorgen und auf die Kinder aufpassen, kurz: wissen, wo es langgeht und was der Sinn des Lebens ist. Arabellas Idee ist zwar nicht sehr originell, für sie aber unwiderstehlich. So kommt es mit dem berühmten Duett „Und du wirst mein Gebieter sein“ schon zu Anfang des 2. Akts zum ersten Happy End des Stücks.

A und O
Weil aber die Oper noch nicht am Beginn des 2. Akts zu Ende sein darf, muss das junge Glück gestört werden. Das Unheil kommt von einer Person, die Arabella eigentlich über alles liebt und nur das Beste für sie will, nämlich ihrer Schwester Zdenka. Da es sich die Familie Waldner nicht leisten kann, das gesellschaftliche Leben für zwei heiratsfähige Mädchen zu organisieren, ist Zdenka als Junge verkleidet und nennt sich Zdenko. Zdenkos bester Freund ist Matteo, der Arabella verzweifelt liebt und ständig damit droht, sich umzubringen, wenn sie ihn abweist. Um das zu verhindern, schreibt Zdenka, die natürlich heimlich in Matteo verliebt ist, mit verstellter Schrift Liebesbriefe von Arabella an Matteo. Der wundert sich sehr, dass die Frau, die ihm so glühende Briefe schreibt, völlig gleichgültig ist, wenn sie sich gegenüberstehen.

Idiotische Idee – funktioniert aber
Als Zdenka merkt, dass die Ehe mit Mandryka Arabellas voller Ernst ist, bekommt sie riesige Angst um Matteo und ist sicher, dass er sich erschießen wird. Also unternimmt sie einen letzten Versuch, ihn zu retten: Sie gibt ihm einen Zimmerschlüssel und behauptet, dass in diesem Zimmer Arabella auf ihn warten und mit ihm schlafen wird. Wer in dem dunklen Zimmer aber wartet, ist Zdenka selbst. Das Dumme ist nur: Mandryka bekommt die Sache mit dem Schlüssel mit und ist überzeugt, dass Arabella ihm schon kurz nach ihrem Kennenlernen untreu wird. Er besäuft sich fürchterlich, wirft sich der Prostituierten Fiakermilli an den Hals und verursacht einen großen Skandal.

Happy End, Teil 2
Zdenka wollte eigentlich Matteo retten und sich dann aus Scham in die Donau stürzen, aber gerade noch rechtzeitig fliegt die ganze Sache auf. So gelingt ihr aberwitziger Plan: Mandryka schämt sich dafür, dass er Arabella grundlos verdächtigt hat, und Matteo erkennt, dass die herzensgute Zdenka für ihn die viel bessere Frau ist als die unerreichbare, kühle Arabella. Mandryka und Arabella vollziehen ihre Verlobung mit einem alten slawonischen Ritual: Sie bringt ihm ein Glas Wasser, er trinkt daraus. Die Verbindung ist besiegelt.

Strauss und die Nazis
Fünf Tage vor seinem Tod schickt Hofmannsthal den fertigen 1. Akt an Strauss. Nach dem Tod seines Librettisten beschließt Strauss, den 2. und 3. Akt so zu vertonen, wie Hofmannsthal sie hinterlassen hat. Einige Jahre später ist die Oper fertig. Am 1. Juli 1933 wird sie in Dresden uraufgeführt. Strauss hat die Partitur dem Dirigenten Fritz Busch gewidmet, der die Uraufführung leiten sollte, aber der ist zu dieser Zeit schon von den Nazis abgesetzt. Der opportunistische Strauss protestiert nicht, lässt die Widmung verschwinden und seinen Freund Clemens Krauss dirigieren. Strauss stellt sich zu Anfang der Nazi-Herrschaft in deren Dienst und findet erst später zu einer gewissen Distanz, achtet aber darauf, es sich nie ganz mit den Machthabern zu verscherzen.

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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