10 Dinge, die Sie über HAIRSPRAY wissen sollten

10 Dinge, die Sie über HAIRSPRAY wissen sollten

Der Film
1980 erlangte John Waters mit seinem Film „Hairspray” unerwartet einen Publikumserfolg. Waters war eigentlich bekannt als „Pope of Trash“, als Regisseur von schrillen Filmen mit abseitigem Humor, die im Mitternachtskino liefen. Doch „Hairspray“ sprach ein größeres Publikum an, welchem die Mischung aus Tanz, Zeitgeschichte, guter Laune und Happy End gefiel.

Worum geht’s
Baltimore, 1962. Die „Corny Collins Show“ des lokalen Fernsehsenders ist das Zentrum von Tracy Turnblads Welt. Jeden Nachmittag präsentieren hier die „Nicest Kids in Town“ die neueste Musik und die aktuellsten Tanzschritte. Einmal mit dabei zu sein, einmal neben ihrem Schwarm Link Larkin tanzen zu dürfen, das ist Tracys großer Traum. Doch dafür scheint sie zu füllig und zu unangepasst zu sein – nicht nur wegen ihrer hochtoupierten Jackie-Kennedy-Frisur. Als sie jedoch beim Nachsitzen die coolen Tanzschritte der schwarzen Mitschüler kennenlernt, ist ihre Chance gekommen. Keine Chance bekommen dagegen ihre schwarzen Freunde, denn die Rassentrennung ist gelebter Alltag. Doch Tracy gibt sich damit nicht zufrieden.

Das Musical
Die Uraufführung des Musicals fand am 18. Juli 2002 am Broadway statt, es folgten knapp 2700 Vorstellungen. Im folgenden Jahr wurde das Musical für 13 Tonys nominiert, 8 hat es erhalten, darunter Bestes Musical, Bestes Buch und Beste Musik. Die Erstaufführung am Londoner Westend fand 2007 statt, die deutschsprachige Erstaufführung 2008 in St. Gallen. In Deutschland lief „Hairspray“ zum ersten Mal im Musicaldome in Köln (2009).

Der Hintergrund
Angesichts der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA wuchsen in den 50er Jahren die Spannungen in der Bevölkerung an, immer mehr Schwarze forderten öffentlich und lautstark ihre Rechte ein. Als es im August 1963 zum legendären Marsch auf Washington kam, konnte die Politik nicht mehr länger wegsehen. 200000 Menschen demonstrierten friedlich für das Ende der Rassentrennung, Martin Luther King hielt seine legendäre Rede „I have a Dream“. Ein Jahr später wurde der „Civil Rights Act“ von Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet. Damit war die Rassentrennung in den USA offiziell abgeschafft, Zuwiderhandlungen sollten fortan von der Justiz geahndet werden. So sah die Gesetzeslage aus, die Durchsetzung im Alltag gelang allerdings nur allmählich. Der Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.

Die Corny-Collins-Show
Während in der BRD gerade Mal das Zweite Deutsche Fernsehen geplant und „Zum blauen Bock“ zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, lockten die lokalen TV-Stationen in den USA Kids und Teenager mit Musik- und Tanzsendungen vor den Fernseher. In Baltimore wurde sie von Winston „Buddy“ Deane moderiert – sechs Tage in der Woche, 2 ½ h, sieben Jahre. Die Buddy-Deane-Show war für John Waters, der selbst als Teenager vor dem Fernseher gesessen hatte, das Vorbild für „Hairspray“.
Deane hatte ein gutes Gespür für musikalische Trends und prahlte gern damit, dass alle Rockstars seiner Zeit – außer Elvis – zu Gast in seiner Show waren. Zum anderen gründete sein Erfolg auf dem so genannten Komitee, einer Gruppe von Jugendlichen, die in der Show den Teenagern vor den Fernsehern die neuesten Tanzschritte präsentierten. Sie stammten ebenso wie die Zuschauer aus Baltimore und waren die eigentlichen Stars der Show.

Black Monday
Die Komiteemitglieder waren wie in allen vergleichbaren Shows nur weiße Jugendliche. Zwar traten auch Schwarze in der Show auf, aber dafür gab es einen speziellen Tag: Ein Montag, einmal im Monat. Offiziell hieß der Tag „Special Guest Day“, genannt wurde er „Black Monday“.

Rockrolle
Neben Tracys Geschichte wird auch die Geschichte ihrer Mutter Edna erzählt, eine übergewichtige Hausfrau, die sich wegen ihrer Figur seit Jahren nicht mehr aus der Wohnung traut. Traditionell wird die Rolle von einem Mann gespielt. John Waters besetzte sie mit der Dragqueen Divine alias Harris Glen Milstead. Bei der Uraufführung des Musicals am Broadway wurde Harvey Fierstein mit der Rolle betraut. John Travolta übernahm die Rolle in der Verfilmung des Musicals. Bei der Deutschsprachigen Erstaufführung von „Hairspray“ in St. Gallen spielte Ralf Morgenstern die Edna, bei der Deutschen Erstaufführung in Köln war es Uwe Ochsenknecht. In Dortmund übernimmt Ks. Hannes Brock die Partie.

Miss Baltimore Crabs?
Velma von Tussle, die biestige Produzentin der Corny-Collins-Show, schwärmt von den guten alten Zeiten, in denen sie zur „Miss Baltimore Crabs“ gewählt worden ist. Zur Krabbenköngin? In Baltimore völlig normal: Blaukrabben gab es früher nur am Westatlantik, die Krabbenwirtschaft war ein wichtiges Standbein der Stadt. Nach wie vor sind sie Exportartikel und eine typische Speise Baltimores. Die Krabbe wird als Markenzeichen der Stadt vermarktet, mit zahlreichen Krabbenrestaurants in den Touristenvierteln und entsprechenden Merchandise Artikeln.

50000 Knoten
Für die Dortmunder Chefmaskenbildnerin Monika Knauer und ihre Mitarbeiterinnen stand „Hairspray“ schon lange auf ihrer Wunschliste. Sie haben bei dieser Produktion alle Hände voll zu tun, schließlich tragen die meisten Darsteller mindestens zwei Perücken in der Show. Für die Anfertigung einer Perücke werden ca. 40 Stunden und 200g Haar benötigt. Jedes einzelne Haar wird auf das netzartige Kopfteil, die Montur, geknüpft. Bei einer Perücke für die Hauptfigur Tracy Turnblad sind das ca. 50000 Knoten. Danach wird die Perücke frisiert, toupiert und mit viel Haarspray fixiert.

“A new world, new rhythms, new sound”
Für jede Musiknummer in dem Musical, so der Komponist Shaiman, gibt es ein Vorbild aus den 60er Jahren: Pate für die Dynamites standen die Supremes, eine Soul-Pop-Girlgroup um Diana Ross. Überhaupt klingt vieles nach Motown, einem Plattenlabel, das 1959 gegründet wurde und insbesondere die Musik schwarzer Künstler in sein Programm aufnahm. Zum ersten Mal in der US-amerikanischen Popgeschichte waren schwarze Musiker in den Charts erfolgreicher als die weißen Kollegen. R&B, Pop und Soul waren die prägenden Stilrichtungen. Im Musical ist es Seaweed, der mit seinem funky Groove die modernste Musik bekommen hat, Funk entstand erst Ende der 60er.

This article was written by
Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

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