Oper trifft Schauspiel – Lieder aus 1000 Jahren

Oper trifft Schauspiel – Lieder aus 1000 Jahren

Ein solches Programm dürften auch eingefleischte Liedgesang-Fans noch nicht erlebt haben: Der älteste aufgeführte Gesang stammt von Hildegard von Bingen, die im Jahr 1098 geboren wurde, der jüngste, „Zombie“ von den Cranberries, entstand 1994. Außerdem gibt es eine überaus inspirierende Begegnung einer Opernsängerin – der Mezzosopranistin Almerija Delic –, eines Komponisten, Songwriters und Allround-Musikers – Tommy Finke, der zurzeit musikalischer Leiter des Dortmunder Schauspiels ist – und eines Opern-Pianisten – Bernhard Stengel vom Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, der kurzfristig für den erkrankten Dortmunder Kapellmeister Ingo Martin Stadtmüller einspringen wird.
Gleich am Anfang des Liederfoyers am kommenden Samstag (27.1.) steht ein Madrigal von Hildegard von Bingen, das bruchlos in den Chart-Hit „Take on me“ der Gruppe a-ha aus dem Jahr 1985 übergeht. Und so geht es weiter: Zwischen Leonard Bernstein, der ein Kochrezept vertont hat, und Gustav Mahler mit seinen berühmten Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ mag man eine Geistesverwandtschaft entdecken; bei Komponisten wie Henry Purcell (16. Jahrhundert) und Aribert Reimann (unser Zeitgenosse) wird das schon schwieriger. Für Almerija Delic aber ziehen sich die unterschiedlichen Pole an: „Die Reihenfolge der Stücke macht eine thematische Entwicklung hörbar, wodurch eine ganz besondere Dramaturgie entsteht, die zwischen musikalischen Gegensätzen immer neue Beziehungen entstehen lässt. Es wird jedenfalls spannend!“
Almerija und Tommy haben sich schon während ihres Studiums an der Folkwang Universität Essen kennen gelernt. Nun haben die beiden ihre Wege ans Theater Dortmund geführt. Höchste Zeit also für eine gemeinsame Unternehmung! Eines lässt sich jetzt schon sagen: Jeder der aufgeführten Komponisten hat mit seinen Liedern kleine Schätze geschaffen, zusammen geben sie ein Bild von fast 900 Jahren Liedkomposition. Ob alte bis uralte Musik wie bei Purcell und Hildegard, blühende Romantik bei Mahler und Zemlinsky, Antiromantik bei Hanns Eisler und Maurice Ravel, Chanson- und Musical-Anklängen bei Leonard Bernstein und Kurt Weill, Neue Musik bei Aribert Reimann und Luciano Berio oder Popmusik von a-ha, den Cranberries, John Lennon und Leonard Cohen – hier wird wirklich für jedes Ohr etwas geboten. Für Liederfreunde ein Pflichttermin: Samstag, 27.1., 16 Uhr im Opernfoyer!

 

This article was written by
Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.