Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen

Der dänische Nationaldichter Hans Christian Andersen ist für seine Märchen weltweit bekannt. Die Geschichten von „Der Prinzessin auf der Erbse“, dem „Mädchen mit den Schwefelhölzern“, „Der kleinen Meerjungfrau“ oder dem „Hässlichen Entlein“ werden von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen geschätzt; und auch die Literaturwissenschaft ist mittlerweile soweit, den literarischen Wert von Andersens Texten anzuerkennen. Das war lange nicht so; denn Andersen hatte nicht nur einen unkonventionellen Stil, sondern er hatte auch keinen bildungsbürgerlichen Hintergrund. Das bekam er zeit seines Lebens zu spüren.

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 auf der dänischen Insel Fyn geboren. Seine Eltern waren arm, das Schuhmachergeschäft des Vaters lief schlecht, die Mutter war eine Alkoholikerin. Nach dem frühen Tod des Vaters entfloh Andersen mit 14 Jahren der Armut und kam nach Kopenhagen, wo er sich nicht gerade erfolgreich als Schauspieler versuchte. Aber immerhin fand er in dem Theaterdirektor Jonas Collin einen Unterstützer und eine Art Ersatzfamilie.
Schon als Kind hatte Andersen geschrieben, sein Talent war sogar dem König aufgefallen, der seine Schulbildung finanzierte. AlHas junger Erwachsener veröffentlichte er mit wachsendem Erfolg Gedichte, Theaterstücke, Erzählungen. Seine insgesamt 168 Märchen wurden ab 1835 in acht Bänden veröffentlicht.

Viele von Andersens Märchen erzählen von Armut, Ausgrenzung und Tod, es sind Geschichten aus dem Milieu seiner Herkunft. Im Gegensatz zu den Grimmschen Märchen, in denen das Geschehen sehr gradlinig, fast grob erzählt wird, beschwören die Texte von Andersen eine dichte Atmosphäre herauf, der man sich kaum entziehen kann. Seine Figuren werden durch direkte Rede lebendig, man leidet mit ihnen und kann sich identifizieren. Ob arm oder reich – immer plädiert Andersen für den Wert des einzelnen, die Selbsterkenntnis, den Mut, für sich und andere einzustehen: Das vermeintlich hässliche Entlein entwickelt sich zum Schwan, das Kind traut sich, dem Kaiser die Wahrheit über seine Kleider ins Gesicht zu sagen, Gerda macht sich entschlossen in den Norden zur Schneekönigin auf, um Kay zu retten.

Trotz seiner literarischen Erfolge hat Andersen im privaten Leben nie die Anerkennung erfahren, die er sich gewünscht hatte: Nach einer unglücklichen Jugendliebeblieb er Junggeselle; in gutbürgerlichen oder gar adligen Kreisen wurde er mehr geduldet als auf Augenhöhe empfangen – so empfand es zumindest er selbst. Immer wieder floh er aus seiner dänischen Heimat, er reiste leidenschaftlich gern und besuchte rund 30 Länder.
Am 4. August 1875 starb Andersen in Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt hat ihm mit der Skulptur der kleinen Meerjungfrau an der Uferpromenade ein Denkmal gesetzt, das heute ein Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Neben dem Schreiben hatte Andersen noch eine zweite Leidenschaft: Den Scherenschnitt. Überall nahm er sie mit: Schere und Papier und fertigte bei jeder Gelegenheit kunstvolle, bisweilen skurrile Szenerien aus Papier an.

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Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

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