Mord im Orient-Express – das erste Kriminalballett der Tanzgeschichte

Mord im Orient-Express – das erste Kriminalballett der Tanzgeschichte

Ein Toter in einem Luxuszug irgendwo auf der Strecke zwischen Paris und Istanbul. 1934 machte Agatha Christie, die britische „Queen of Crime“, den legendären „Orient-Express“ zum Schauplatz ihres vielleicht hintergründigsten Romans. Vor dem Background der aufsehenerregenden Entführung des Kindes von Atlantik-Flieger Charles Lindbergh zwei Jahre zuvor lässt die britische „Queen of Crime“ den Orient-Express auf offener Strecke halten. Heftige Schneeverwehungen hindern ihn an der Weiterfahrt. Da wird ein toter Passagier aufgefunden. Todesursache: Zwölf Messerstiche. Eine Hinrichtung! Der belgische Detektiv Hercule Poirot beginnt unter den Mitreisenden zu ermitteln. Dabei stellt sich heraus, dass sich zwölf Personen im Zug befinden, die alle in Verbindung zur reichen Familie Armstrong standen. Deren Tochter Daisy wurde vor vielen Jahren entführt und ermordet…

2017 dient der Roman erstmals als Vorlage für eine Tanzkreation. Demis Volpi, ehemaliger Hauschoreograph des Stuttgart Ballett und einer der gefragtesten Jungchoreografen weltweit, entwarf gemeinsam mit drei weiteren Choreografen (Craig Davidson, Xenia Wiest und Juanjo Arques) für das vor vier Jahren von Xin Peng Wang ins Leben gerufene NRW Juniorballett das erste Kriminalballett der Tanzgeschichte. Seit seiner Uraufführung im Oktober 2017 in Ludwigsburg tourte das Ballett in vielen Städten Deutschlands und sorgte für voller Häuser. „Man konnte eineinhalb Stunden lang die berühmte Stecknadel fallen hören“, urteilt die Presse und lobt den packenden Thrill dieser Produktion. Das NRW Juniorballett ist zu einem Botschafter des zukunftsweisenden Tanzes in Deutschland geworden. Am 14. April hält der Orient-Express nun in Dortmund.
„Für mich ist dieser Erfolg eine große Freude“, bekennt Dortmunds Ballettdirektor. „Tanz braucht Zukunft. Und Erfahrung. Nicht zuletzt Selbsterfahrung. Dortmund ist für viele junge Künstlerinnen und Künstler ein Ort, wo sie sich das notwendige Rüstzeug für ihre Weltkarriere erwerben können. Zahlreiche Mitglieder früherer Jahrgänge sind mittlerweile bei renommierten Ensembles auf der ganzen Welt engagiert. Die Tanzstadt Dortmund ist zu einer Kaderschmiede der Tanzwelt geworden.“

 

This article was written by
Christian Baier

Christian Baier, geboren in Wien. Musiktheaterdramaturg und Schriftsteller. Nach seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Österreichischen Musikzeitschrift war er Chefdramaturg der Wiener Festwochen, der Wuppertaler Bühnen und des Theater Dortmund sowie Künstlerischer Produktionsleiter in der Intendanz der Deutschen Oper Berlin. Daneben zahlreiche Gastdramaturgien, u.a. Semperoper Dresden, Theater an der Wien, Landestheater Linz, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und Hong Kong Ballett. Seit 2006 arbeitet er mit Xin Peng Wang zusammen. Seit 2011 ist er Chefdramaturg des Ballett Dortmund, seit 2013 Künstlerischer Leiter der Internationalen Gluck Opern Festspiele.

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