The Grigolatis

The Grigolatis

„Die Einlage des Grigolatischen Luftballetts ist eine so ausgezeichnete Nummer, dass der stürmische Beifall, der ihr folgt, wohl zu begreifen ist“, schwärmte das Berliner Tageblatt nach der Uraufführung. „The Grigolatis“ waren in dieser Zeit eine Attraktion. Namensgeberin dieser Truppe war Preciosa Grigolatis (*1863), die 1884 von Preußen in die USA ausgewandert ist. Ihr Mann Friedrich Zschiegner hatte schon 1881 ein Patent angemeldet für „Neuerungen an Apparaten zum Bewegen und Heben von Personen und Gegenständen für Theaterzwecke“.
Mit Hilfe seiner Erfindungen baute er eine Luftballetttruppe auf, bei der die Damen (und einige wenige Herren) über die Bühne zu fliegen schienen. 1893 wollte er seine Attraktion auf der Weltausstellung in Chicago präsentieren, der Produzent ging jedoch bereits vor Beginn der Messe bankrott. Also übernahm Zschiegner auch das Management der Truppe und das mit großem Erfolg: 1904 gab es weltweit bereits drei Kompagnien dieses Namens – in Paris, St. Petersburg und den USA –, die bei ihren Gastauftritten regelmäßig das Publikum mit ihrer verblüffenden Show beglückten.

Das “griechische Korsett”
Die Luft-Tänzerinnen tragen ein so genanntes „Griechisches Korsett”. Es wirkt so schwer und umständlich, dass man sich fragt, wie man damit überhaupt in die Luft gehen kann. Das Korsett wird aus Leder und Stahl gefertigt. An einem eisernen Haken am Rücken ist ein Stahlseil befestigt, das mit Seide umwickelt ist, damit es das Bühnenlicht nicht reflektiert und dadurch sichtbar wird. Die Seile durchlaufen eine komplizierte Anordnung von Winden und Trommeln, wodurch das Gewicht auf mehrere Seile pro Tänzerin verteilt wird. Jedes Seil wird von einem Techniker hinter der Bühne betreut, gemeinsam kontrollieren diese Seilmänner Höhe und Position der Tänzer.

Präzisionsarbeit
Die Luft-Choreographie ist Präzisionsarbeit nicht nur der Tänzerinnen auf bzw. über der Bühne, sondern auch dieser Männer. Es sind vielfach ehemalige deutsche Soldaten – so will es zumindest eine zeitgenössische amerikanische Zeitung wissen –, denn sie sind Disziplin und militärische Gründlichkeit gewohnt. Ebenso wie die Tänzerinnen, die ein hartes Trainings-, Proben- und Vorstellungspensum absolvieren müssen.
Der Erfinder des Luftballetts, Friedrich Zschiegner, soll selbst einmal Direktor des Apollo-Theaters gewesen sein. Ob seine Verbindungen dafür gesorgt haben, dass die Grigolatis auch bei „Frau Luna“ mitgewirkt haben, ist nicht mehr herauszufinden.

Sol’Air Luftartistik
Die beiden Luftakrobatinnen in der Dortmunder Produktion – Sylvia idelberfer und Petra Tobies von der Sol’Air Luftartistik Company – werden nicht in Korsetts gezwängt. Sie tanzen an Tüchern und verzaubern mit ihrem “Ballett” den Auftritt der Frau Luna. Und Emily Newton lässt es sich natürlich nicht nehmen, ebenfalls mitzutanzen.

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Wiebke Hetmanek

Sie ist eine der wenigen Dramaturginnen Deutschlands, die sich nicht nur der Oper verschrieben hat, sondern ein spezielles Faible für die so genannte leichte Muse hat: Wiebke Hetmanek nimmt Operette und Musical verdammt ernst – und liebt sie leidenschaftlich. Nach „Funny Girl“ folgt nun mit „Roxy und ihr Wunderteam“ ihre zweite Ausgrabung am Theater Dortmund. Geboren in Kiel, studierte Wiebke Hetmanek Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln. Erste Station ihrer beruflichen Laufbahn war die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, es folgte das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, und seit 2011 die Oper Dortmund. Wiebke Hetmanek ist außerdem die sehr erfolgreiche Autorin der Kinderopern „Der kleine Barbier oder Eine haarige Angelegenheit“, „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht“ sowie „Ritter Eisenfraß“.

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