Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai

Kennen Sie Posillipo? Heute ist der Ort ein Stadtteil von Neapel, malerisch in den Hügeln am Golf gelegen, doch als Gaetano Donizetti seine Liedersammlung Nuits d’été à Pausilippe komponierte, hatte die große Stadt noch nicht ihre Krallen nach dem Örtchen ausgestreckt. Die Lieder des großen Opernkomponisten beschwören die Sehnsucht nach der Leichtigkeit einer Sommernacht am Meer, nach Sonne, Wein und Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit.
Um Frühling und Sommer kreist das letzte Liederfoyer dieser Spielzeit. „Im wunderschönen Monat Mai“ – das ist die erste Zeile eines Gedichts von Heinrich Heine. Nicht nur Robert Schumann hat daraus eines seiner bekanntesten Lieder gemacht, auch Fanny Hensel hat diesen Text vertont, die geniale, oft nicht genug gewürdigte Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beide Lieder werden in einer interessanten Gegenüberstellung zu hören sein.
Johannes Brahms hatte zum Thema Mai einiges zu sagen; bei ihm wird auch die Walpurgisnacht besungen, mit der der Monat beginnt. Und wo der Frühling regiert, ist auch die Liebe nicht weit, mit der sich der hartnäckige Junggeselle Brahms allerdings lieber komponierend als aktiv beschäftigt hat.
Noch weitere Komponisten des 19. Jahrhunderts steuern Duette zu diesem Frühlingsnachmittag bei: Gioachino Rossini entführt uns nach Venedig und zu einem Fischzug, Francesco Paolo Tosti erinnert sich an den April, und Hugo Wolf vertont Mörikes berühmtes Frühlingsgedicht „Frühling lässt sein blaues Band“. Keiko Matsumoto (Sopran), Natascha Valentin (Mezzosopran) und der frühere Dortmunder Chordirektor Granville Walker am Klavier entführen die Zuhörerinnen und Zuhörer in ein Traumland, das in Italien oder Deutschland liegen mag, auf jeden Fall aber in der Frühlings-Fantasie eines jeden von uns.

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Georg Holzer

Hier sieht man ihn an des Dramaturgen Lieblingsplatz: dem Schreibtisch. Georg Holzer ist mit seiner umfassenden Bildung, seinen klugen Ideen und seinen Formulierungskünsten so etwas wie der „Think Tank“ der Oper Dortmund. Wer einmal eine seiner übrigens brillanten Einführungen gehört hat, weiß: Georg Holzer kommt aus Bayern. Studiert hat er dann aber in Berlin, Poitiers und Florenz, bis er als Dramaturgie- und Regieassistent sein erstes Theaterengagement an den traditionsreichen Münchner Kammerspielen antrat. Heute ist er Chefdramaturg der Oper Dortmund. Überdies ist er auch ein gefragter Übersetzer, nicht nur der Übertitel der Oper Dortmund, sondern auch diverser Theaterstücke und insbesondere französischer Lyrik. Den nötigen Ausgleich zu so viel Kopfarbeit findet er bei ausgedehnten Jogging-Runden durch Dortmunds Parks.

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