Wir sind Titania!

Wir sind Titania!

Ein Interview mit den Tänzerinnen Anika Meergans, Sophia Mintz und Claudia Pellarin

Assoziation 1
Titania ist mit 1578 km Durchmesser der größte Mond des Uranus. 1787 entdeckte der Astronom Wilhelm Herschel  die Monde um den Uranus und benannte sie nach Figuren aus Shakespeares „Sommernachtstraum“. Das Drama verfasste Shakespeare um 1600 und in einem der Handlungsstränge geht es um die Ehestreitigkeiten der Elfenkönigin Titania und ihres Gatten Oberon.

Assoziation 2
Das chemische Element Titan wurde Ende des 18. Jahrhunderts von William Gregor im Titaneisen entdeckt und nach dem griechischen Göttergeschlecht der Titanen benannt. Weiß-metallisch glänzend ist das Leichtmetall vielseitig verwendbar, zeichnet sich durch seine hohe Dehnbarkeit aus und ist korrosions- und temperaturbeständig. Bis heute umgibt es das Flair des Teuren und Exotischen.

Was uns unterscheidet
Wir hätten nie erwartet, dass wir so ein enges Team werden. Schließlich kommen wir aus so verschiedenen Umfeldern und hätten diese Frauen in anderen Zusammenhängen wahrscheinlich nie kennengelernt. Altersmäßig sind wir eher im Mittelfeld, aber wir tanzen zusammen mit viel Jüngeren und erheblich Älteren und verstehen uns prima. Wir haben acht verschiedene Muttersprachen und ganz unterschiedliche Vorerfahrungen im Tanz, einige kommen eher aus dem klassischen Bereich, andere aus dem Hip-Hop und wieder andere lieben einfach den Tanz, ohne selber regelmäßig aktiv getanzt zu haben.

Was uns zusammenbringt
Die Liebe zum Tanz ist definitiv unsere stärkste Bindung – aber fast ebenso wichtig war uns das Thema „Frau“. Wir haben uns oft über unsere Erfahrungen unterhalten, und da kam so viel Input zusammen, weil es eben keine „Kaffekränzchen“-Gespräche waren, sondern ein echter Austausch, das Erfahren von neuen Dingen. Allein der gelebte Alltag ist so unterschiedlich.  Die Gespräche gingen dann natürlich auch nach den Proben noch weiter.

Unsere Proben
Es war ungewohnt und toll, dass wir keine vorgegebenen Schrittkombinationen auswendig lernen mussten. Wir haben die einzelnen Stücke aus Alltagssituationen und Alltagstätigkeiten selbst entwickelt und Justo Moret hat sie dann in Tanz übersetzt. Zuschauer werden die Ausgangsbewegungen bestimmt nicht mehr erkennen, aber für uns sind sie immer noch vorhanden und erleichtern auch das Erinnern. Wir waren während der gesamten Proben sehr gefordert. Oft war es für den Kopf anstrengender als für den Körper. Wichtig war aber, dass alle zur Entstehung des Stücks beigetragen haben. Daraus ist das Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Einige von uns hatten schon in der Produktion „Luna“ mitgetanzt und kannten die Arbeitsweise von Justo Moret. Für andere war sie vollkommen unerwartet. Aber für uns alle hat sich ein bedingungsloses Vertrauen in seine Art zu choreographieren entwickelt. Er hat jede gefordert, aber wir hatten nie Angst, es nicht zu schaffen oder nicht gut genug zu sein. Jetzt können wir uns mit fast jedem Schritt identifizieren.

Mehr als „nur tanzen“
Wir haben in diesem Projekt wahrscheinlich jede neue Seiten an sich entdeckt. Bei den Proben konnten nicht immer alle komplett dabei sein, schließlich arbeiten, studieren die meisten von uns oder haben eine Familie, um die sie sich kümmern müssen. Wir haben uns gegenseitig auf den neuesten Stand gebracht, haben untereinander die neuen Kombinationen geprobt. Wir haben Geduld und Respekt gelernt, wenn eine von uns noch nicht so weit war. Wir haben gelernt, uns „hinten anzustellen“, wenn es um eine Gruppenchoreographie ging. Der Ausdruck der Gruppe ist uns wichtiger geworden als unser eigenes Bild. Das war für einige von uns eine ganz neue Perspektive. Jetzt, vor der Aufführung wissen wir: zusammen sind wir stark!

This article was written by
Heike Buderus

Heike Buderus studierte Anglistik und Russistik an der Ruhr-Universität Bochum sowie Germanistik und Neugriechisch an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach ihrem Referendariatsdienst wurde sie 1986 Theaterpädagogin für das Schauspiel und KJT am Landestheater Castrop-Rauxel. Zusammen mit Kollegen an den Theatern in NRW rief sie einen ersten Zusammenschluss von Theaterpädagogen auf Landesebene ins Leben. Seit 1999 ist sie als Theaterpädagogin für das Musiktheater und Ballett am Theater Dortmund zuständig. Neben der theaterpädagogischen Begleitung von Produktionen durch Vor- und Nachbereitungen, realisierte sie zahlreiche theaterpädagogische Projekte für die Oper und das Ballett so u.a. Feuervogel, Feuerspuren und Heldenbilder in Zusammenarbeit mit dem Museum Ostwall, Frühzünder und Spätblüher und Operazzi in der Kinderoper. Hier setzte sie sich u.a. für ein kontinuierliches Angebot von Musiktheater für ein junges Publikum ein und übernahm die Dramaturgie für diverse Kinderoperproduktionen für und mit Kindern und Jugendlichen. Heike Buderus ist Gründungsmitglied des Bundesverbandes der Theaterpädagogen und lehrt am Institut für Musik und Didaktik an der Universität Dortmund.

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