Die Abenteuer des Pekka Piffpaff

Die Abenteuer des Pekka Piffpaff

Ein Ausflug der Jungen Oper zu digitalen Ufern

Am 11. März 2020 bekamen wir, das Team der Jungen Oper, in einer Vollversammlung des Theater Dortmund schwerwiegende Nachrichten: vorerst keine Aufführungen, keine Proben mit Kindern und Jugendlichen, keine Vermittlungsformate. Zu einem Zeitpunkt, an dem wir Fahrt aufnehmen wollten, da das Beyond Opera-Festival vor der Tür stand und mit ihm die Höhepunkte unserer Spielzeit, nahm uns Corona den Wind aus den Segeln. Auf alle Produktionen und Formate, die im Rahmen dieses Festivals stattfinden sollten, hatten wir Monate hingearbeitet. Nun war alles verpufft.

Nach dem anfänglichen Schock stellte sich die Frage, wie wir weitermachen sollten. Wie konnten wir Kindern und Jugendlichen das Musiktheater näherbringen, wenn sie nicht zu uns kommen und wir nicht zu ihnen fahren konnten? 

Die Antwort war, wie so oft in den letzten Monaten, folgende: auf dem digitalen Weg. Unser Ensemble-Mitglied Anna Lucia Struck hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, Geschichten für Kinder zu schreiben. In der Hauptrolle ein unerschrockener Siebenjähriger, der mithilfe seiner Fantasie an die entlegensten Orte reist und dort Abenteuer erlebt. Immer dabei ist seine beste Freundin, die einen besonderen Spürsinn besitzt und später Detektivin werden möchte. Kinder, die in ihrer Fantasie spannende Abenteuer erleben? Was könnte besser in eine Zeit passen, in der viele Kinder dazu gezwungen waren, zu Hause zu bleiben. Wir waren sofort Feuer und Flamme und entschieden uns, ein Hörspiel zu produzieren. Aber wie sollte man die Musik integrieren? Und welche? Denn dass Musik ein wesentlicher Bestandteil sein musste, war uns allen klar. Auch dafür hatte Anna Lucia Struck eine Lösung: Ihr Vater Günter Struck, ein Musiklehrer an der Dortmunder Anne-Frank-Gesamtschule, war auch zum Home-Office verdammt und komponierte in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne. Er konnte uns zu jeder Figur passende Melodien schreiben, die dann von den Sänger:innen des Ensembles mit passenden Texten versehen wurden.

So machten wir uns an die erste Folge. Doch diese bereitete uns nicht nur Freude, sondern auch allerhand Probleme. Denn ein Hörspiel hatte noch keiner von uns produziert. Treffen konnten wir uns auch nicht, alle mussten von zu Hause aus arbeiten.

Die erste Herausforderung war es also, die Sprechstimmen so klingen zu lassen, als wären alle Darsteller:innen am selben Ort. Mit unterschiedlichen Aufnahmegeräten in verschiedenen Räumen keine leichte Aufgabe.

Dann mussten die Gesangsaufnahmen aufeinander abgestimmt werden, damit auch hier der Eindruck erweckt wurde, die Sänger:innen hätten sich um ein Klavier versammelt und gemeinsam musiziert. Darauf achtete vor allem der musikalische Leiter der Jungen Oper Christoph JK Müller. Er spielte die Klavierbegleitungen ein und gab den Sänger:innen nach jeder Aufnahmerunde Feedback und entschied, welche Aufnahmen letztendlich verwendet wurden. 

Am Ende mussten alle Sprach-, Klavier-, Gesangsaufnahmen und Hintergrundgeräusche (ein Highlight der ersten Folge: Bariton Marcelo de Souza Felix als Huhn) wie ein großes Puzzle zusammengesetzt werden. Für die erste Folge benötigten wir zwei Wochen, da wir immer wieder Dinge verwarfen, neu schrieben, neu aufnahmen und umstellten.

Ab dann ging es wesentlich schneller. Im Wochentakt wurden neue Folgen geschrieben und aufgenommen. Zwei Tage lang wurde in der Regel am Text gefeilt, ein Tag an den Sprachaufnahmen, ein Tag an den Songs und ein Tag am Zusammenschneiden der unterschiedlichen Audio-Dateien.

Beteiligt waren an dieser Produktion zwei Dramaturg:innen, ein Musiktheatervermittler, ein Komponist, der musikalische Leiter und die drei Sänger:innen. Als großes Glück erwies sich außerdem, dass der Schauspieler und Sprecher Daniel Fritz als Erzähler mitwirkte und mit seiner sonoren Stimme durch die Abenteuer führte. Über einen Zeitraum von zwei Monaten produzierte unser neunköpfiges Team so sieben Folgen zwischen 15 und 24 Minuten.

Da auch unsere Kolleg:innen aus dem Kinder- und Jugendtheater und von den Dortmunder Philharmonikern ihr junges Publikum in Form eines Podcasts erreichen wollten, schlossen wir uns kurzerhand zusammen und veröffentlichten die Folgen aller drei Sparten unter dem Titel „Junges Theater Dortmund“. Unter Spotify, Podcast.de oder Deezer konnten und können unsere Folgen abgerufen werden – und das nicht nur in Dortmund, sondern deutschlandweit. So kam auch das durchgehend positive Feedback aus allen Himmelsrichtungen: Videos von Kindern, die den Titelsong mitsangen, Fragen nach der nächsten Folge oder Fragen, wann Die Abenteuer des Pekka Piffpaff denn im Kino zu sehen sei.

Das Experiment war geglückt und mit dem Ende der Spielzeit beendeten wir auch den Podcast nach seiner siebten Folge.

Zur ersten Folge geht es hier:

https://www.podcast.de/episode/446207601/Die+Abenteuer+des+Pekka+Piffpaff+-+Folge+1+-+Seltsamer+Besuch+im+Baumhaus/

Mit der neuen Spielzeit hoffen wir nun darauf, auch wieder live Kindern den Zugang zu Musik und Theater zu ermöglichen. Die Schulen öffnen wieder, die Kitas gehen zurück in den Regelbetrieb und auch wir als Junge Oper möchten wieder analog tätig werden. Die Abenteuer des Pekka Piffpaff sollen uns dabei weiterhin begleiten. Zwar gibt es, gerade was Gesang angeht, noch erhebliche Einschränkungen, aber auch unter der Einhaltung dieser ist Musiktheater möglich. So kann es zwar vorerst keine szenische Umsetzung der Folgen geben, eine halbszenische Lesung mit Musikeinlagen, die Open Air stattfindet, ist allerdings möglich. In den noch verbleibenden warmen Tagen wollen wir deshalb von Kita zu Kita ziehen und Kinder live mit den spannenden Abenteuern und eingängigen Melodien von Pekka und Calli begeistern. Die Folgen finden Sie bei Spotify, Podcast.de & Co unter dem Stichwort „Junges Theater Dortmund“. Bei Interesse am mobilen Format des Podcasts wenden Sie sich bitte an jungeoper@theaterdo.de

Titelbild © Julian Baumann

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