10 Dinge, die Sie über Berlin Skandalös wissen sollten

10 Dinge, die Sie über Berlin Skandalös wissen sollten

In dieser Spielzeit hat sich Gil Mehmert eine ganz besondere Show für die Oper Dortmund ausgedacht, die in dieser Form wohl einzigartig auf einer großen Opernbühne sein dürfte: Ein wilder Ritt durch die 20er Jahre, bei dem in kurzer Zeit so ziemlich alles geboten wird, was man sich vorstellen kann. Als Musical-affiner Regisseur mit einem ausgezeichneten Gespür für Tempo und Timing hat er teils bekannte, teils wirklich kuriose Raritäten aus den 20er Jahren ausgegraben und diese originalen Lieder und Texte eng miteinander verzahnt. Dabei herausgekommen ist eine turbulente, komische, berührende, laszive und zutiefst skandalöse Revue, die allerbeste Unterhaltung garantiert. Dieser Abend kann problemlos für sich stehen und bedarf keiner weiteren Vorbereitung. Wer trotzdem Lust hat, ein wenig tiefer in die ziemlich unkonventionellen Berliner 20er Jahre einzutauchen, ist an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen!

1) Die Revue – Eine Show voller Kontraste

Revue am Theater des Westens (1927) © janwillemsen/flickr

Der österreichische Kabarettist Fritz Grünbaum beschrieb das Wesen des Genres 1925 im Programmheft zu der Revue Rund um den Mittelpunkt so: „Was ist eine Revue?: Revue ist …, wenn es keine Handlung gibt …, wenn die Ausstattung eine Milliarde kostet … Was sollte aber die Revue sein? Eine geistreiche Aneinanderreihung unzusammenhängender, Auge, Ohr und Vernunft befriedigender Szenen, die unseren Alltag verspotten, nebenher pikante Soubretten, süßen Tänzerinnen, smarten Theater-Don-Juans und schlagkräftigen Komikern Gelegenheit geben, mit Laune, Schneid, Rhythmus und schmissigem Unsinn die Trübsal unserer Tage uns aus dem Gehirn zu blasen.“

Das mittlerweile schon längst eingedeutschte Wort „Revue“ stammt aus dem Französischen und leitet sich von dem Nomen „la revue“ ab. Dabei hat es gleich vier verschiedene Bedeutungen, was seine Definition nicht unbedingt leichter macht: 1) allgemein eine Rundschau, 2) im Militärjargon eine Truppenbesichtigung, 3) eine Bühnenschau im Theater und 4) ein Zeitschriftentitel im Journalismus. Die Redewendung „etwas Revue passieren lassen“ ist ja eine alltägliche Floskel geworden, und eine solche Rundschau, ein Überblick ist eine gute Grundlage für die Erklärung des Begriffs und noch viel mehr des Genres. Darin liegt nämlich auch dessen Ursprung begründet, denn die erste Revueform war die Revue de Fin d´Année, also eine unterhaltsame, satirische Jahresabschlussrevue. Was dabei wesentlich war, war eine Potpourri-mäßige Aneinanderreihung von zumeist in sich geschlossenen Einzelszenen. Deren theatralischer Ursprung stammte aus den verschiedensten Bereichen, u. a. der Feerie, dem Ausstattungsstück, der Posse, dem Cabaret, der Music-Hall, dem Varieté und der Operette. Damit zwischen den einzelnen Nummern ein gewisser Zusammenhang hergestellt werden kann, wird in der Dramaturgie eines solchen Abends meist auf die Figur des Conférencier zurückgegriffen, die für den roten Faden zuständig ist. Dieses Potpourri-mäßige ist jedoch nicht negativ zu verstehen, es bietet tatsächlich auch einen besonderen Reiz, den der Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt 1926 in der Zeitschrift Die Bühne beschrieb: „Was der Revue Einheit und Struktur verleiht, ist der Kontrast, das Gegeneinander und Nebeneinander sensualer Effekte, die Wechselwirkung heterogener Reizeindrücke.“ Dieses relativ schnell zu produzierende Konstrukt war ideal für das immer schneller wachsende Vergnügungsbedürfnis der Großstädter*innen. Mit der wachsenden Prosperität und dem immer größer werdenden Arbeitsmarkt wuchs auch die Lust an oberflächlicher Zerstreuung – dafür war die Revue ein optimales Mittel.

In Berlin war es zu Beginn insbesondere das Metropoltheater in der Behrenstraße, das unter der Leitung seines Direktors Richard Schultz durch die Hand des Hausautors Julius Freund und der Komponisten Viktor Holländer, Paul Lincke und Rudolf Nelsen zwischen den Jahren 1903 und 1914 zehn aktuelle Revuen herausbrachte. Diese Shows hatten ulkige Titel wie Neuestes, Allerneuestes (1903), Donnerwetter, tadellos (1908) oder auch Chauffeur, inʼs Metropol! (1912). Später waren es dann vor allem die sogenannten Haller-Revuen, die ab 1923/24 von Hermann Haller, dem neuen Pächter des Theaters im Admiralspalast, produziert wurden. In dem Gebäude in der Friedrichstraße war bereits 1922 ein Revuetheater errichtet worden, das 2.250 Personen fassen konnte und das ganze Jahr über betrieben wurde. Hier waren für die Texte u. a. Hermann Haller, Willi Wolff und Rideamus (Fritz Oliven) zuständig, für die Musik bis 1928 Walter Kollo. Die Stücke liefen unter assoziierfreudigen Titel wie Drunter und Drüber (1923/24), An und Aus (1926/27) oder Schön und Schick (1928/29). Die großen Stars der Haller-Revuen waren die 16-köpfigen „Original Lawrence-Tiller-Girls“, eine amerikanische Tanzgruppe, die mit Bubikopf und viel nackter Haut eine neue Körperlichkeit kultivierte – bis heute assoziiert man die Revue wohl am meisten mit einer langen Reihe halbnackter Frauen, evtl. mit Federpuschel auf dem Kopf.

Ihre Konkurrenzgruppe waren die „John-Tiller-Girls“, die ab 1924 in den Charell-Revuen im Großen Schauspielhaus auftraten. Als Zögling des berühmten Theatermachers Max Reinhardt hatte er als Stage Manager in New York viel über das aktuelle Unterhaltungstheater gelernt und nach seiner Rückkehr die Leitung des prestigeträchtigen Berliner Theaters übernommen. Das zwischen Schiffbauerdamm und Reinhardtstraße gelegene Theater, auf dessen Platz heute der Friedrichstadtpalast steht, konnte sage und schreibe 5.600 Zuschauer*innen fassen und hatte aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur den Spitznamen „Tropfsteinhöhle“. Charells Revuen wie An Alle (1924) oder Von Mund zu Mund (1926) wurden aufgrund ihrer bombastischen Ausstattungen zu großen Publikumserfolgen und setzten die Messlatte hoch. Später ging der erfolgreiche Produzent dazu über, beliebte Operettenklassiker zu modernen Revue-Shows umzugestalten: Den Endpunkt bildete das von Ralph Benatzky u. a. eigens dafür komponierte Im weißen Rössl (1930).

So rasant der Aufstieg und so glänzend ihr Höhepunkt war, so schnell ging die Erfolgsgeschichte der Revue wieder zu Ende. Es waren vor allem die Jahre zwischen 1920 und 1930, in denen sie das Bühnengeschehen bestimmte. Zum einen war es das Aufkommen der neuen Medien Rundfunk und Film, die die Faszination der Massen bündelten. Ebenso mag es eine gewisse Übersättigung der Zuschauer*innen gegeben haben, die sich von den temporeichen Revuen immer mehr den Revueoperetten hinwandten, sodass es schließlich zu einem Revival der klassischen Operette kam. Deren „Zuckergusshandlung“ (F.-P. Kothes) stellte keinerlei Anforderungen an die eigene Fantasie und verführte nicht zu einer „von falsche[r] Logik gebändigte[n] Gedankenflucht“ (T. W. Adorno: Leichte Musik). Bis heute steht jedoch der Friedrichstadtpalast in der Tradition seines Vorgängers, des Großen Schauspielhauses, und bewahrt so ein Stück Berliner Bühnengeschichte.

2) Jeder einmal (in) Berlin!


Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin (Hg.); Karl Charal (Künstler): Plakat Herbst der Technik. Jeder einmal in Berlin, Berlin 1928 © Stiftung Stadtmuseum Berlin; Reproduktion: Christel Lehmann, Berlin

„Jeder einmal (in) Berlin!“ war der reißerische Slogan in Form des Brandenburger Tors, mit dem das aufkommende Stadtmarketing ab 1929 darum bemüht war, den Folgen der Weltwirtschaftskrise in Berlin durch Tourismus entgegen zu wirken. Man veröffentlichte sogar einen eigenen Stadtführer mit dem Titel ‚Jeder Einmal in Berlin.‘ Offizieller Führer für Berlin und Umgebung, um den Menschen ein besonderes Bild von Berlin zu bieten. Adolf Schick, der Direktor des Tourismusbüros, fand darin große Worte: Berlin, die Weltstadt der Ordnung und Schönheit, die Stadt der Arbeit, die aktivste Weltstadt des Kontinents, das europäische Zentrum der Wirtschaft und des Transports, die Stadt der Musik und des Theaters, die große Stadt des Sports und die Metropole mit der allerschönsten Umgebung.

Doch das Gold dieser Ära war mittlerweile bereits an vielen Stellen abgebröckelt, in der Stadt wurden 664 Konkurse angemeldet und es gab 450.000 Arbeitslose. Es kam zu Demonstrationen und gewalttätigen Unruhen. Allerdings waren die Errungenschaften, die seit den 1920er Jahren erzielt worden waren, tatsächlich mehr als beeindruckend und durchaus eine Reise wert.

Der rasante Aufstieg der Stadt begann im Oktober 1920 mit der Gründung von Groß-Berlin, denn so wurde über Nacht eine neue Metropole geschaffen, die nach London und New York die drittgrößte der Welt war. Acht bisher selbstständige Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke wurden zu einer Stadt vereint, wodurch sich die Berliner Bevölkerung auf rund 3,8 Millionen Menschen verdoppelte. Statt 65,72 qkm (Alt-Berlin) umfasste das Stadtgebiet nun 878,1 qkm und machte Berlin 1920 auf diese Weise nach Los Angeles zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt.

Dies hatte natürlich wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen, denn eine solche Stadt benötigte eine besondere Infrastruktur. So konnte man 1921 nach acht Jahren Bauzeit die erste Autobahn der Welt in Betrieb nehmen. Sie befand sich im Grunewald und hatte den Namen „Automobil-Verkehrs- und Übungsstrecke“ – und über die AVUS kann man noch heute, 100 Jahre später, in die Hauptstadt einfahren. Im Oktober 1923 wurde trotz der massiv um sich greifenden Inflation (ein Kilo Roggenbrot kostete 3,6 Millionen Mark, eine Straßenbahnfahrt 150.000 Mark) der Flughafen Tempelhof eröffnet. Ein Jahr später veranstaltete man die 1. Große Deutsche Funkausstellung und legte den Grundstein für den Funkturm, der noch heute auf dem Messegelände steht. 1928 war das kulturelle Leben auf einem Höhepunkt, in Berlin erschienen 147 Tages- sowie Wochenzeitungen und auf der fünften Großen Deutschen Funkausstellung wurde erstmals das Fernsehen öffentlich vorgeführt.

So wurde Berlin sukzessive zu dem Sehnsuchtsort, der er für viele bis heute ist. Und auch ohne Werbeparole des Stadtmarketings war sicher jede*r schon einmal in Berlin!

3) Die erste Boygroup Deutschlands: Die Comedian Harmonists

Die Comedian Harmonists um 1930 © public domain

In den 1920er Jahren formierte sich in Amerika das Vokalensemble The Revelers (dt. „die Nachtschwärmer“): Vier Sänger mit Klavierbegleitung, wobei der Pianist gelegentlich auch mitsang. Schnell wurden sie beliebt und veröffentlichten ihre Lieder unter verschiedenen Bandnamen bei verschiedenen Labels, bei Victor, Columbia (The Singing Sophomores) und Brunswick Records (The Merrymakers). Mit ihrer zweiten Platte Dinah / I’m Gonna Charleston Back to Charleston (1926) wuchs der Ruhm und ihre Aufnahmen wurden auch in Deutschland veröffentlicht. So ist es also gut möglich, dass der 21-jährige Harry Frommermann und sein langjähriger Freund Theodor Steiner diese Musik kannten, als sie 1927 auf die Idee kamen, eine Gesangsgruppe zu gründen. Vielleicht sogar in Anlehnung an einen der Namen der amerikanischen Kollegen überlegte er sich „Melodiemakers“ und begann damit, Stücke für das noch gar nicht bestehende Ensemble zu komponieren. Um die Truppe zusammenzubekommen, schaltete Frommermann im Berliner Lokalanzeiger eine Anzeige, in der er zu einem Vorsingen einlud. Dadurch fanden sich Robert Biberti, Louis Kaliger sowie Victor Colani, und gemeinsam bestritten sie am 16. Januar 1928 um 15.00 Uhr die erste Probe in der kleinen Atelier-Wohnung des Ensemblegründers. Ihr Gesangsstil, der auf Close-Harmony-Effekten beruhte, zeichnete sich dadurch aus, dass sie meist A-cappella, also ohne Instrumentalbegleitung sangen. Einzige Ausnahme war das Klavier – alle anderen Effekte wurden mit dem eigenen Mund erzeugt. Die ersten Monate waren eher durchwachsen, mit den vorwiegend englisch gesungenen Songs verdienten die Künstler kein Geld. Nach kurzer Zeit kam es nochmals zu einem Besetzungswechsel, die Formation bestand schließlich aus Ari Leschnikoff, Walter Nussbaum (der später durch Erich A. Collin ersetzt wurde), Roman Cycowski, Robert Biberti, Erwin Bootz und natürlich Harry Frommermann. Im August 1928 erhielten sie endlich ein erstes Bühnen-Engagement: Erik Charell machte sie zu einem Act in seiner Revue Casanova, die am Großen Schauspielhaus zu sehen war. Der erfolgreiche Theatermann war es auch, der gemeinsam mit den Librettisten Rudolph Schanzer und Ernst Welisch den einschlägigen Namen Comedian Harmonists entwickelte. Durch die Revue und mit ihren ersten Plattenaufnahmen wuchs der Bekanntheitsgrad der Gruppe, die darauffolgenden Jahre brachten Gastspiele außerhalb Berlins. Ab 1930 spielte das Ensemble in Filmproduktionen mit, eine der bekanntesten war Die Drei von der Tankstelle mit Willy Fritsch, Lilian Harvey, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis und Olga Tschechowa. In den kommenden Jahren wuchs der Ruhm und auch die (internationalen) Auftritte waren zahlreich und lukrativ. Dies konnte jedoch nichts daran ändern, dass im Februar 1932 die ersten antisemitischen Äußerungen gegen die Gruppe laut wurden. 1933 verbot der „Kampfbund für deutsche Kultur“ einige Konzerte und es kamen Fragen nach der Zusammensetzung des Ensembles auf. Man schlug ihnen vor, sich einen deutschen Namen zuzulegen. Nach dem „Judenboykott“ vom 1. April sagten die Comedian Harmonists auch selbst einige Vorstellungen ab. Um weiter auftreten zu können, mussten alle Künstler die Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer beantragen – bekamen sie aber nicht. Die Vorwürfe gegen die teilweise jazzige Musik und vor allem auch die nichtarischen Ensemblemitglieder nahmen zu und immer mehr Konzerte wurden abgesagt. Am 25. März 1934 fand das letzte Konzert in Deutschland statt, die darauf folgenden Auftritte in New York bildeten den krönenden Höhepunkt der Comedian Harmonists. Ein Teil der Gruppe schlug vor, in Amerika zu bleiben, man konnte sich jedoch darauf nicht einigen; es fanden noch einige Konzerttourneen außerhalb Deutschlands statt. Das wirklich letzte Konzert des Ensembles ging im Januar 1935 in Fredrikstad (Norwegen) über die Bühne. Die Reichsmusikkammer willigte ein, die arischen Mitglieder in ihre Reihen aufzunehmen und erlaubte ihnen weitere Auftritte, sofern sie sich einen neuen, deutschen Bandnamen zulegten. Anfänglich gab es die Überlegung, mit der gewohnten Besetzung zumindest noch im Ausland zu touren und für die restriktiven deutschen Auftritte eine angepasste Gruppe zusammenzustellen. Zu diesem Zweck wurden das Meistersextett sowie die ins österreichische Exil ausgewanderten Comedy Harmonists ins Leben gerufen, beide Formationen bestanden zwischen 1935 und 1941. Die ursprünglichen Comedian Harmonists sollten sich jedoch teilweise nie wiedersehen, geschweige denn miteinander singen – ein plötzliches und erschreckend ruhmloses Ende für eine wahrhafte Erfolgsgruppe. Mit Liedern wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da!“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Irgendwo auf der Welt“ gehört ihre Musik jedoch bis heute zum allgemeinen Kulturgut.

4) Auf inʼs Kintopp

Fotografie der Ufa-Lichtspiele, Berlin 1924 © Hans Schliepmann (public domain)

In den 1920er Jahren war die noch junge Kunst des Kinofilms eine außergewöhnliche Attraktion. Schon am 25. April 1896 wurde Unter den Linden 21 das erste deutsche Kino eröffnet, und schnell verbreitete sich dieser Trend. Anfangs waren das oft nur kleine Kisten im Hinterzimmer von Kiezkneipen, die einen Kinematograf (aus dem Französischen: cinématographe) verwendeten, um die damals noch stummen Schwarz-Weiß-Filme abspielen zu können. Das Gerät war bereits 1895 von der Lumière-Gesellschaft entwickelt worden und war Kopiergerät und Filmprojektor in einem. Schnell entwickelte sich im Berliner Jargon der umgangssprachliche Begriff „Ki(e)ntop“, der gleichermaßen für das Kino im Allgemeinen als auch für die Kamera im speziellen verwendet wurde. So ganz klar ist es nicht, wie er zustande kam und wovon er sich tatsächlich ableitete. Laut dem Onlinelexikon Meyers soll es eine Abkürzung für den bereits erwähnten Kinematograf gewesen sein. Gewiss ist jedoch, dass er mit der Zeit auch über die Grenzen Berlins verwendet wurde und bis in die 1960er Jahre geläufig war – wahlweise als Bezeichnung für einen guten Film oder das Kinogebäude. Doch nicht alle profitierten davon; so war im Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie aus dem Jahr 1910 zu lesen: „Das Volk hat das Kinematographentheater mit dem drastischen Namen ‚Kientopp‘ belegt. Dadurch litt der Besuch der Theater, denn das bessere Publikum wollte nicht in einen ‚Kientopp‘ gehen. Erst nachdem man diesem vom Volksmund mit dem drastischen Namen ‚Kientopp‘ bezeichneten Theater den Namen ‚Lichtspiele‘ gegeben und vielfach für eine vornehmere Ausstattung gesorgt hatte, hob sich in unerwarteter Weise auch der Besuch durch das bessere und wohlhabende Publikum, und jetzt dürfte der Siegeszug der Photographie nach dieser Richtung hin wohl nicht mehr aufzuhalten sein.“ Neben dem Begriff der Lichtspiele wählten einige Institutionen den werbewirksamen Titel „Filmpalast“, um das elegante Publikum anzulocken. Und anfänglich hatte das Kino ja auch tatsächliche Parallelen zum Theater: Bevor 1927 der erste Tonfilm in Amerika in die Kinos kam, wurden die Film von einem Klavier oder einem Orchester (je nach Größe des Kinos) begleitet und hatten so noch einen gewissen Live-Charakter. Als Sehnsuchtsorte standen sie dabei den Theatern in nichts nach.

5) Ein Tanzpartner auf Bestellung

Tanztee im Esplanade-Hotel in Berlin © Bundesarchiv-Bild183-K0623-0502-001 (Wikimedia)
ADN-Zentralbild/ Archiv Berlin 1926 Im Garten des Berliner Hotels “Esplanada” spielt zum 5 Uhr-Tee eine Jazzband. 17187-26

„Schöner Gigolo, armer Gigolo“, singt in Berlin Skandalös die Diva wehmutsvoll den alten Schlager von Julius Brammer (Text) und Leonello Casucci (Musik). Damit wurde einer ganz besonderen Serviceleistung gehuldigt, die heute – zumindest offiziell – kaum mehr zu finden ist: der Eintänzer. Vor allem in der Zeit zwischen den Kriegen, in der u. a. ein Männer-Mangel herrschte, gab es den Beruf des Eintänzers. Diese jungen Männer waren meist aus der Armee entlassene Offiziere, die von Tanzschulen oder Lokalen aufgrund ihrer guten Umgangsformen und ihres charmanten Auftretens als Tänzer engagiert wurden. Sie waren dazu da, die weiblichen Gäste zum Tanz aufzufordern und ihnen so die Teilnahme an einem Tanzkurs oder aber einen angenehmen und möglichst langen Abend zu bereiten. Der Reiz für die Damen war ein unterschiedlicher: Die eine war froh darüber, nicht am Rand der Tanzfläche versauern zu müssen; der anderen gefiel es vielleicht besonders gut, einen ihr bis dato gesellschaftlich übergeordneten Mann für eine Dienstleistung zu bezahlen. Außerdem war dies ein weiterer Schritt in Richtung Emanzipation. Dabei war der Beruf gar nicht unbedingt ein schlechter; auch der später berühmte Regisseur Billy Wilder ging eine Zeitlang dieser Tätigkeit nach und veröffentlichte in der BZ am Mittag gar seine Fortsetzungsreportage „Herr Ober, bitte einen Tänzer. Aus dem Leben eines Eintänzers“. Vereinzelt gibt es sogar heute noch Eintänzer, vermutlich am häufigsten auf luxuriösen Kreuzfahrtschiffen, aber auch im heutigen Berlin lässt eine Agentur dieses Angebot der Goldenen 20er wieder auferstehen – natürlich diskret und professionell.

Getanzt wurde dabei gerne beim 5 Uhr-Tanztee, der von vielen großen Hotels regelmäßig angeboten wurde. Diese Tradition kam aus England, dort tanzte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts in privater nachmittäglicher Gesellschaft den sogenannten Tea dance. Neben Tanz und Häppchen bot sich so die zwanglose Möglichkeit, Gleichaltrige des anderen Geschlechts kennenzulernen. In den 20er Jahren erlebte dieses Veranstaltungsformat seinen Höhepunkt, es wurden Tango getanzt und – bei den später stattfindenden Veranstaltungen – Cocktails getrunken. Beim Tanz am Sonntagnachmittag blieb man traditionell beim namensgebenden Tee.

6) Papa Hirschfeld – Der „Einstein des Sex“

Magnus Hirschfeld @public domain

Mit der neuen Aufgeschlossenheit wandelte sich auch der allgemeine Umgang mit der Sexualität. Allen voran schritt als Mitbegründer der Sexualwissenschaft der berühmt-berüchtigte Berliner Forscher Dr. Magnus Hirschfeld. Wahlweise „Papa“ Hirschfeld oder „Der Einstein des Sex“ genannt, verkörperte er in Berlin ein absolut freigeistiges Gedankengut. Neben seinem internationalen Engagement für die Sexualwissenschaft setzte sich der Mediziner für Frauen und sexuelle Minderheiten ein, sowohl als Autor, Rechtsexperte wie auch in der Politik. Dabei schuf er neue Maßstäbe, von denen viele Menschen bis heute profitieren: Er war einer der Erfinder der Eheberatung („Glückliche Ehen werden nicht im Himmel, sondern im Laboratorium geschlossen.“), künstlichen Befruchtung, chirurgischen Geschlechtsumwandlung sowie Vorreiter und Verteidiger der Schwulenbewegung und Rechte Homosexueller. Zu diesem Zweck gründete er bereits 1897 das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee“. Dank seines Einflusses wirkte er 1916 an dem ausgesprochen fortschrittlichen preußischen Gesundheits- und Wohlfahrtsprogramm mit und war Vorsitzender der „Weltliga für Sexualreform“. Mit seinen Ansätzen stellte er die bisher geltenden Regeln – zurecht – in Frage. So war es für ihn ganz klar „unwissenschaftlich“, die Menschen in lediglich zwei Geschlechter, Frau und Mann, aufzuteilen. Nach seiner Auffassung gab es zahlreiche sexuelle und geschlechtliche Möglichkeiten, wofür er die unterschiedliche Verteilung von männlichen und weiblichen Hormonen innerhalb eines Menschen verantwortlich machte: Hermaphroditen, Androgyne, Transvestiten und Homosexuelle. Am Ende seiner Laufbahn hatte er ermittelt, dass Anzeichen für diese Zwischenstufen bei circa 15 bis 20% der Bevölkerung nachzuweisen waren. Zum Teil basierte diese Erkenntnis auch auf der Auswertung seines „Psychobiologischen Fragebogens“, dessen 140 Fragen, die von Details des Familienhintergrunds bis hin zu den geheimsten erotischen Wünschen reichten, von 18.000 Berliner*innen beantwortet worden waren. 1919 eröffnete Magnus Hirschfeld sein Institut für Sexualwissenschaften, über dessen Eingang die Inschrift „Amori et dolori sacrum“ („der Liebe und dem Leid geweiht“) prangte. Das Angebot war umfangreich: Es gab Beratungs- und Studienräume sowie dazugehörige Kliniken und Laboratorien, Vortragssäle, eine Bibliothek und als Krönung des Ganzen ein Museum der Sexualpathologie und der erotischen Folklore. Als vermutlich kurioseste Sehenswürdigkeit von Berlin lockte das Institut auch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, zu den bekanntesten Besuchern zählten George Gershwin und Christopher Isherwood, der dort sogar eine Zeitlang arbeitete. In diesem Institut fanden die ersten Ehevermittlungen Deutschlands statt und es war ein Forum für Juristen und Regierungsbeamte, die das Gesetz gegen Homosexualität aufheben und das Recht auf Abtreibung erhalten wollten. Da die Nationalsozialisten die Bedeutung vieler Errungenschaften Hirschfelds nicht leugnen konnten – sie beanspruchten sogar seine patentierten Präparate zur Potenzsteigerung für sich und verkauften die Lizenzrechte in die Schweiz –,versuchten sie 1923 seine Ermordung. Mit der Machtergreifung Hitlers ging jedoch auch die Auflösung des Instituts einher und der Doktor musste Deutschland verlassen. Nur zwei Jahre später starb er 1935 im Kreise seiner zwei Geliebten an seinem 65. Geburtstag im südfranzösischen Exil in Nizza.

7) Sechs Tage im Kreis

Sechstagerennen im Zoologischen Garten (1909) © janwillemsen/flickr

Ein sportliches aber vor allem auch gesellschaftliches Großereignis waren die regelmäßig stattfindenden Sechstagerennen, bei denen – zumindest noch in den 20er Jahren – die teilnehmenden Radsportteams tatsächlich insgesamt sechs Tage lang 24 Stunden am Tag abwechselnd Fahrrad fuhren. Seinen Ursprung hatte der Wettbewerb in New York, dort wurde die „Six Days“ seit 1896 im Madison Square Garden veranstaltet. In Berlin führte man das Mega-Event erstmals im März 1909 durch, und zwar in dem 150 m langen Lattenoval der Ausstellungshallen am Zoo. 15 Teams nahmen teil und fuhren 144 Stunden lang 3865,7 km im Kreis – die ersten Sieger waren die beiden Amerikaner Jimmy Moran und Floyd MacFarland. Da sich die Veranstaltung eines immensen Zuspruchs erfreute, fand nur wenige Monate später direkt das nächste Rennen statt. 1911 zog man in den frisch erbauten Berliner Sportpalast und erfreute sich dort meist zweimal im Jahr an dem tagelangen Spaß. Dabei ging es nicht nur um die irrwitzigen Radfahrer, sondern mindestens ebenso um das aufregende Drumherum. Berühmte Künstler*innen und Sportler*innen waren zugegen, gaben den Startschuss und feierten selbst gleich mit. Die Haderlumpen und –lumpinnen der Stadt machten sich die lange Veranstaltungsdauer zunutze, um entweder unter dem Deckmantel des Sportinteresses den unterhaltsamen Rahmenveranstaltungen zu frönen, oder aber die Abwesenheit des sportbegeisterten Partners oder der sportbegeisterten Partnerin für etwaige eigene Ausflüge zu nutzen. Der Journalist und Reporter Egon Erwin Kisch beschreibt dies ausführlich in seiner Reportage über das Sechstagerennen 1925: „In Berliner Sportkreisen ist es bekannt, dass sogar die unglücklichen Ehen durch die Institution der Six Days gemildert sind. Der Pantoffelheld kann sechs Tage und sechs Nächte von daheim fortbleiben, unkontrolliert und ohne eine Gardinenpredigt fürchten zu müssen. Selbst der eifersüchtigste Gatte lässt seine Frau ein halbes Dutzend Tage und Nächte unbeargwöhnt und unbewacht; sie kann gehen, wohin sie will, rechts, links, rechts, links, ruhig bei ihrem Freunde essen, trinken und schlafen, denn der Gatte ist mit Leib und Seele beim Sechstagerennen.“ Der vollständige Artikel kann online nachgelesen werden (siehe Quelle 7 am Ende dieser Seite)!

8) Kunst trifft Technik

„Shure Brothers“-Mikrofon (Symbolbild) © public domain

Um die Jahrhundertwende war der Radioapparat das modernste Medium der Zeit und seine Entwicklung wurde mit großem Ehrgeiz vorangetrieben. 1906 konnte man erstmals Sprache und Musik übertragen, 1909 nahm der erste Nachrichten-Sender seine Arbeit auf. 1916 sendete man das erste Hörfunkprogramm, 1919 wurde die erste kommerzielle Radiostation gegründet und zehn Jahre später gab es schließlich mit Radio Moskau die erste internationale Radiostation.

Auch in Deutschland machte sich die neue Technik breit, vor allem in Form von Poulsens Lichtbogensendetechnik, die in Abgrenzung zu der bereits bekannten Funktelephonie als Radiotelephonie bezeichnet wurde (dies ist vergleichbar zu den heute geläufigen Begriffen Hör- und Sprechfunk). Im Jahre 1906 war es eine Sensation, als der Berliner Physiker Ernst Walter Ruhmer ein „Telefongespräch“ via Funktelephonie über eine Entfernung von drei Kilometern führte! Ab 1910 konnte die Firma C. Lorenz bei Eberswalde mit ihrem Vieltonsender erstmals Töne und 1919 die erste programmartige Hörfunkausstrahlung Deutschlands senden. Als Konzert mit dem Titel An alle wurde dieses Programm einige Jahre lang beibehalten. Im gleichen Jahr gingen die ersten Sendungen mit Musik und Sprache im deutschsprachigen Raum on air, am 8. Juni 1919 konnten man sogar schon die erste Übertragung aus der Berliner Staatsoper bringen. So, wie die Radiowellen das Land fluteten, fluteten die Radioapparate die Wohnungen der Menschen. Jeder wollte am Puls der Zeit sein und dank der Radiosendungen auf dem neuesten Stand.

Plötzlich war es möglich, Musik aus anderen Ländern, vor allem dem so weit entfernten Amerika zu empfangen! Auf diese Weise schwappte der dort sehr angesagte Jazz auf den Kontinent und beeinflusste nicht nur die deutschen Komponist*innen, sondern brachte auch neue Songs und Stilistiken mit. Das sogenannte Crooning war ein neuer Gesangsstil, der ebenfalls eng mit einem technischen Fortschritt zusammenhing: In den 1920er Jahren entwickelte sich neben dem Radio auch die Mikrofontechnik weiter, nachdem man zuvor schlichte Schalltrichter mit innenliegenden Membranen verwendete, die rein mechanisch funktionierten und in die man deswegen ziemlich laut hineinsingen musste. Als schließlich das elektromechanisch betriebene Kohlemikrofon erfunden wurde, konnten die (vorwiegend männlichen) Sänger auf einen größeren Interpretationsspielraum zurückgreifen, der Gesang wurde leiser, intimer und wärmer. Es lag eine größere Erotik in der Stimme und so wurde dieser Gesangsstil anfangs auch mit sexuellen Assoziationen beladen. Berühmte Crooner sind Bing Crosby, Frank Sinatra und Charles Aznavour. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Schottischen und leitet sich von dem Wort croyne (lautes, tiefes Getöse) ab.

Es ist interessant, wie diese Musik damals von den Hörer*innen wahrgenommen wurde; ein Kulturkritiker der Londoner Times beschrieb 1936 seinen Eindruck: „Während sich die Zweisamkeit der Geschlechter über die Jahrtausende nicht ändert, hat das populäre Liebeslied seltsamerweise seinen Ton geändert. Das alte Liebeslied war selbstbewusst und stark, selbst, wenn es höchst zart war; der moderne Crooner umwirbt [die Geliebte dagegen] mit einem Impuls des Selbstmitleids.“ Das ist vielleicht eine etwas uncharmante Beschreibung dafür, dass die Sänger die kräftige, an der Bühne orientierte Belt-Stimme vernachlässigten und nun in einem entspanntem, freundlichen Gesprächstonfall daherkam. Oder, wie es Michael Pitts und Frank Hoffmann in ihrem Buch The Rise of the Crooners erläutern, „an everyday, casual, off-the-street and into-your-living room voice“. Diese „Wohnzimmer-Atmosphäre“ ist auch die besondere Errungenschaft der Crooner, denn sie verändert die Beziehung zwischen Interpret und Hörer*in: Diese Musik ist für den privaten Raum konzipiert und erweckt den Eindruck, als würde der Sänger nur für den*die einzelne*n Hörer*in singen – eine aufregende neue Erfahrung! Durch die massenmediale Verbreitung im Radio stieg der Beliebtheitsgrad der Crooner rasant an und machte sie zu den ersten nationalen Superstars der Popmusik.

In Berlin Skandalös gibt es mit David Jakobs, Alexander Klaws, Mark Seibert und Anton Zetterholm gleich vier Musicalstars, die für das Dortmunder Publikum abwechselnd in die Rolle des Crooners schlüpfen. Jeder von ihnen hat zwei individuelle Nummern, die nur er singt – wer also das volle Programm erleben möchte, muss sich die Produktion viermal ansehen!

9) Ein dubioser Mann: Erik Jan Hanussen

Erik Jan Hanussen © public domain

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der letzten Jahre der Weimarer Republik war ein obskurer Mann, der es außerordentlich verstand, die Menschen zu manipulieren: Der sogenannte „Magister ludi“ des Sex Erik Jan Hanussen. Er verkörperte eine gefährliche Mischung aus okkulter Effekthascherei, lasterhafter Erotik, persönlichem Charisma und faschistischer Ideologie, die er als gefeierter Bühnenmagier für seine Zwecke zu nutzen wusste. Der Mann, den die kommunistischen Journalisten ketzerisch als „der Volksverdummer“ verunglimpfte, wurde als Herschel Chajm Steinschneider in eine der unteren Mittelschicht angehörenden Familie hineingeboren. Er verließ seine Heimatstadt Wien, um als Handelsreisender und Wanderbühnenschausteller durch die Welt zu ziehen. Auf seinen zahlreichen Stationen eignete er sich die kuriosesten Fähigkeiten an, indem er u. a. als Taschenspieler, Klatschreporter, Varietékünstler und Medium sein Geld verdiente. Ebenso kundig war er in der Kunst des animalischen Magnetismus (ein Heilverfahren, bei dem Magnete verwendet wurden) sowie in der des erotischen Spektakels. Als Wahrsager und Wundertäter wurde er schließlich berühmt, so führte er Anfang der 20er Jahre einige kräftige, hypnotisierte Frauen vor, die nach seiner Hypnose Stahlstangen verbiegen und schwere Wägen mit Hilfe einer Kandare ziehen konnten. Ebenso konnte man ihnen schwere Ambosse auf den Bauch stellen, oder Vorschlaghämmer auf Holzbrettern schlagen, die auf ihren Brüsten lagen – alles ziemlich abstrus. Und allzu lange kam er damit auch nicht durch, 1928 verhaftete man ihn in Teplitz-Schönau in Böhmen. Man warf ihm vor, unschuldige Hausfrauen mit Hypnose verführt und seherische Zeitreisen vorgetäuscht zu haben – über zwei Jahre erstreckte sich das Gerichtsverfahren gegen ihn, das in Leitmeritz (Tschechien) stattfand. Doch Hanussen konnte tatsächlich seine übersinnlichen Fähigkeiten und intuitiven Ahnungen so glaubwürdig vor Gericht darlegen, dass er am Ende freigesprochen wurde. Innerhalb dieser zwei Jahre lernte er Dr. Leopold Thoma kennen, Leiter der psychologischen Abteilung der Wiener Polizei und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der „erotischen Beeinflussbarkeit“. Die beiden taten sich zusammen und eroberten gemeinsam Berlin – Hanussen freute sich darüber, dass er nun sogar einen staatlich anerkannten Wissenschaftler an seiner Seite hatte. In der deutschen Hauptstadt machte sich der Magier schnell einen Namen, er verkaufte erotische Cremes in den Foyers der Varietétheater und entwarf sogar gewagte Kleider, die er auf die Sternzeichen seiner Anhängerinnen abstimmte. Um seinen dekadenten Kult zu steigern, veröffentlichte er ein eigenes Magazin und eine eigene Zeitung. Darin konnte man u. a. lernen, wie man den eigenen Partner oder die eigene Partnerin bis zur rauschhaften Ekstase hypnotisiert. Im Frühjahr 1932 mischte sich der selbsternannte Prophet gar in das politische Geschehen ein und veröffentliche eine bizarre Vision, die er in einer Trance gehabt haben soll. Darin verkündete er, dass Hitler innerhalb eines Jahres zum Reichskanzler der Nation werden würde. Am Neujahrstag 1933 kam es zum letzten Treffen der beiden „H´s“ und Hanussen ermittelte mit seinen obskuren Praktiken das Schicksal des „Führers“. Kurze Zeit später eröffnete er seinen „Palast des Okkultismus“ mitten in Berlin und inszenierte dort glamouröse Feste. Am Eröffnungsabend tätigte er um Mitternacht erneut eine seiner unheimlichen Prophezeiungen. Diesmal verkündete er, dass der Reichstag durch ein „göttliches Feuer“ zerstört werden würde – zwanzig Stunden später ging das Gebäude tatsächlich in Flammen auf. Nur knapp einen Monat später wurde Hanussen durch die SA verhaftet und ermordet. Die Gründe sind bis heute nicht wirklich bekannt; eine mögliche Erklärung ist seine jüdische Abstimmung, die ihm vermutlich trotz seines engen Kontakts zu den Nationalsozialisten am Ende das Leben gekostet haben dürfte.

10) Was bedeutet eigentlich …?

In den rund 100 Jahren, die seit den Goldenen 20ern vergangen sind, haben sich unser Wortschatz und auch das Allgemeinwissen massiv verändert – das liegt in der Natur der Sache. Auch wenn uns heute womöglich nicht mehr jeder Begriff geläufig ist, so kann man die Lieder und Texte der Zeit natürlich problemlos verstehen. Wer sich jedoch für die kleinen Details interessiert, findet hier einige Wörter und Begriffe aus dem Textbuch von Berlin Skandalös, die er oder sie bisher vielleicht noch nicht kannte. Dem kann Abhilfe geschaffen werden!

Absteigequartier: Minibordelle in Mietwohnungen und Ladenlokalen in der Nähe des Alexanderplatzes.

Cutaway: Auch Cut genannt, ist ein aus dem Gehrock entwickeltes formelles Kleidungsstück für Herren, das in seiner heutigen Form um 1900 in England festgelegt wurde. Der Cutaway ist der Große Gesellschaftsanzug des Tages. Der Cutaway besteht aus einer grauen oder schwarzen Jacke, einer schwarz-grau gestreiften (Stresemann-)Hose, schwarzen Schuhen, einer hellgrauen oder farbigen Weste (im Falle einer Beisetzung sollte sie aus demselben dunklen Stoff wie das Jackett bestehen) und einem weißen Hemd. Die Krawatte zum Cutaway ist traditionell silbergrau, in jüngerer Zeit sind jedoch auch farbige Krawatten üblich geworden.

en bloc: Das Adverb kommt aus dem französischen und setzt sich aus „en“ = „in“ und „bloc“ = „blockieren“ zusammen. Das bedeutet „im Ganzen“ oder „in Bausch und Bogen“.

Gamasche: Bezeichnet ein Kleidungsstück, das an das Schuhwerk anschließt und Teile des Fußes und des Beines – teilweise bis über das Knie – bedeckt.

Paul von Hindenburg: Geboren am 2. Oktober 1847 in Posen, gestorben am 2. August 1934 auf Gut Neudeck, Ostpreußen. Er war ein deutscher Generalfeldmarschall und Politiker. Im Ersten Weltkrieg übte die von ihm geführte Oberste Heeresleitung von 1916 bis 1918 de facto diktatorisch die Regierungsgewalt aus. Hindenburg wurde 1925 zum zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt. Er wurde bei der Reichspräsidentenwahl 1932 wiedergewählt und blieb bis zu seinem Tod im Amt. Nachdem er den Nationalsozialisten Adolf Hitler mehrmals als Regierungschef abgelehnt hatte, ernannte er ihn dennoch am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Hindenburg ermöglichte Hitler in der Folge die Umwandlung Deutschlands in eine Diktatur (sogenannte Machtergreifung). Bis heute werden die Motive Hindenburgs kontrovers diskutiert.

Infusorie: Als Infusorien (lateinisch Infusoria, Mehrzahl von Infusorium), Infusionstierchen oder Aufgusstierchen bezeichnet man kleine, sich z. B. im Aufguss von pflanzlichem Material entwickelnde Tierchen (z. B. Flagellaten, Wimpertierchen, Amöben). In Aquarien werden sie mitunter zur Anzucht von Jungfischen genutzt. Das übermäßige Vorkommen von Infusorien ist im Allgemeinen ein Zeichen für schlechte Wasserqualität, da diese sich von Bakterien und organischen Schwebestoffen ernähren.

Kuli: So wurden überwiegend chinesische und südasiatische ungelernte Lohnarbeiter im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die für ein Unternehmen als Kontraktarbeiter oder Tagelöhner arbeiteten. Ihr Einsatz erfolgte überwiegend auf Plantagen, in Kohleminen, als Lastenträger oder für andere gering bezahlte körperliche Tätigkeiten. Im Berliner Milieu wurden so ältere Gymnasiasten oder Studenten bezeichnet, die Strichjungen bezahlten und sich häufig als heterosexuell ausgaben.

Leda mit dem Schwan: Ist ein Gemälde von Leonardo da Vinci, das die mythologische nackte Königstochter Leda mit einem Schwan zeigte. Der griechischen Sage zufolge verliebte sich Zeus in Leda und näherte sich ihr in der Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. In der Kunstgeschichte war Leda mit dem Schwan lange ein beliebtes erotisches Motiv.

Les Folies Bergère: Ist ein Konzertsaal, Varietétheater und Kabarett in der Rue Richer Nr. 32 im 9. Arrondissement in Paris. In den Jahren zwischen 1890 und Mitte der 1930er Jahre hatte es seine größte Popularität. Heute beherbergt das Haus aber vor allem Musicals. Kurz nach Beginn besann sich der Besitzer der neu eröffneten Lokalität auf eine der nationalen Eigenheiten des französischen Varietés: das Bekenntnis zur Erotik. Er kreierte die Varietéform, die für die Zukunft als „typisch französisch“ gelten sollte, das Grand spectacle. Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte er die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc (heute wären das über 1.500 €) kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Die Folgezeit, etwa von Anfang der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre, sollte mit ihren aufwendigen Revuen die Glanzzeit der französischen Varietés werden. Die großen Häuser, wie Casino de Paris, Lido, Moulin Rouge oder eben Folies Bergère, erlebten einen enormen Aufschwung durch die Revue.

maliziös: Das Adjektiv leitet sich von dem französischen Wort „malicieux“ ab und bedeutet „boshaft“.

Mistinguett: Ist der Künstlername von Jeanne Florentine Bourgeois (* 4. April 1875 in Enghien-les-Bains, Frankreich; † 5. Januar 1956 in Bougival, Frankreich), einer französischen Schauspielerin und Sängerin. Ihr Debüt hatte Mistinguett 1895 im Casino de Paris, danach trat sie auch in Shows im Folies Bergère, im Moulin Rouge und im Eldorado auf. Ihre gewagten Nummern bezauberten die Pariser und sie wurde die populärste Entertainerin ihrer Zeit und die höchstbezahlte Unterhalterin weltweit. Im Jahre 1919 ließ sie ihre Beine mit der für damalige Verhältnisse erstaunlichen Summe von 500.000 Francs (heute ca. 80.000 €) versichern. 1920 nahm sie zum ersten Mal ihr Lied „Mon Homme“ auf, das unter dem englischen Titel „My Man“ (gesungen von Fanny Brice) auch weltweit bekannt wurde und zum festen Repertoire vieler Pop- und Jazzsänger*innen wurde. Den Höhepunkt ihrer über fünfzigjährigen Karriere hatte Mistinguett in den 1920er und 1930er Jahren. Sie drehte viele Filme, u. a. spielte sie die Eponine in einer frühen Version von Les Misérables (1913).

Notverordnung: War eine in Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung (1919) vorgesehene Regelung, nach der der Reichspräsident, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen, das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durch das Parlament fast vollständig verdrängen und die Grundrechte vorübergehend außer Kraft setzen konnte. Neue Gesetze wurden per Notverordnung erlassen, nicht vom Parlament beschlossen.

Pan mit den Nymphen: Pan ist in der griechischen Mythologie der Hirtengott. Seiner Gestalt nach ist er ein Mischwesen mit einem Menschenoberkörper und dem Unterkörper eines Widders oder eines Ziegenbocks. Er ist der Gott des Waldes und der Natur. Sein bevorzugter Aufenthaltsort ist der Berg Lykaion in Arkadien, wo er ein Heiligtum hatte. Pan hat Freude an Musik, Tanz und Fröhlichkeit. Die Mittagsstunde ist ihm jedoch heilig, und er kann sehr ungehalten werden, wenn man ihn zu dieser Zeit stört. Er jagt dann z. B. ruhende Herdentiere in „panischem Schrecken“ zu jäher Massenflucht auf, woher sich das Wort Panik ableitet. In manchen Erzählungen wird Pan auch dem Gefolge des Dionysos, des Gottes der Fruchtbarkeit und der Ekstase zugeordnet, wo er mit seiner Flöte musiziert und so die feiernde Gefolgschaft bereichert. Für seine Wollust bekannt, ist er von Nymphen und Satyrn umgeben.

Ernst Röhm: War ein deutscher Offizier, Politiker und Kampfbundführer. Röhm war langjähriger Führer der Sturmabteilung und kurze Zeit im Kabinett Hitlers Reichsminister ohne Portefeuille. Unter dem Vorwand, einem von Röhm angezettelten Putsch zuvorgekommen zu sein, ließ ihn Hitler ermorden.

Sommerfrische: Das Wort bezeichnet sowohl die jahreszeitliche Übersiedlung aus der Stadt auf das Land als auch den Zielort. Der vor allem im 19. Jahrhundert verbreitete Begriff „Sommerfrische“ wird im Wörterbuch der Brüder Grimm definiert als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“ oder „Landlust der Städter im Sommer“.

Susanna im Bade: Bezeichnet die biblische Erzählung von der Rettung der Susanna durch den Propheten Daniel. Jojakims Frau Susanna ist nicht nur schön und fromm, sie hat als Mädchen auch Toraunterricht erhalten. In Jojakims Haus verkehrten zwei Älteste und Richter. Sie beobachten Susanna dabei, wie sie im Park ihres Mannes spazieren ging. Das taten die beiden tagelang. An einem heißen Tag wünscht Susanna ein Bad zu nehmen, sie schickt ihre Mädchen aus, die Parktore zu schließen und Öl und Salben herbeizubringen. Die Ältesten in ihrem Versteck bleiben unbemerkt, als die Tore geschlossen werden. Sie sind nun mit Susanna allein im Park und bedrängten sie: Falls sie nicht bereit sei, mit ihnen zu schlafen, würden sie Anklage erheben, Susanna habe Ehebruch mit einem jungen Mann begangen. Doch Susanna bleibt standhaft, weigert sich und schreit. Die beiden Ältesten schreien ebenfalls und nehmen die Dienerschaft als Zeugen für ihre Geschichte. An einem anderen Tag kommt die Bevölkerung bei Jojakim zusammen, und die beiden Ältesten lassen Susanna vorführen und ihr den Schleier abnehmen. Dann bringen sie ihre Anklage vor und behaupten, Susanne hätte Ehebruch begangen. Die Versammlung glaubt den beiden und verurteilt Susanna zum Tode. Und während sie weggeführt wird, um zu sterben, erweckt Gott den heiligen Geist eines jüngeren Knaben, der den Namen Daniel hat. Er wirft der Menge ihr unverantwortliches Verhalten vor und fordert sie auf, zum Gerichtsort zurückzukehren. Die Gemeindevorsteher laden den Knaben ein, in ihrer Mitte Platz zu nehmen und das Verfahren zu leiten. Er trennt die beiden Ältesten und fragt sie unabhängig voneinander, unter welchem Baum Susanna ihren Mann betrogen haben soll. Während der eine angibt, sie habe es unter einem Mastixstrauch getan, sagt der andere, es sei eine Eiche gewesen. Da schreit die ganze Versammlung auf und erkennt, dass es sich bei den beiden Zeugen um zwei Lügner handelt. Susanna wird ihrer Familie zurückgegeben. Die beiden falschen Zeugen werden getötet. Zahlreiche Vertreter*innen der bildenden Kunst haben sich in verschiedenen Epochen dieses Themas angenommen. Es sind über 1400 Werke u. a. in den Bereichen Skulptur, Malerei, Photographie oder Druck zu dem Thema „Susanna im Bade“ auch unter alternativen Werk-Benennungen bekannt. Bei dem Motiv spielte auch eine Rolle, dass es als biblisches Thema einen legitimen Anlass zur Aktdarstellung bot.

Tauentzienstraße: Anfang der 1920er Jahre war die Tauentzienstraße bekannt als Schwarzmarkt der exilrussischen Kolonie in Berlin (umgangssprachlich: „Charlottengrad“), die u. a. rund um den Wittenbergplatz einen Sammelpunkt hatte. An der Ecke zum Kudamm stand das Romanische Café, in dem sich die Berliner Bohème, Salon-Revoluzzer und Künstler*innen wie Otto Dix, Hugo Lederer und Else Lasker-Schüler trafen. Auch die Prostitution florierte hier: Die sogenannten Tauentzien-Girls waren Prostituierte mit Bubikopf in neuester Mode, die manchmal als Mutter-Tochter-Gespann herumzogen.

Yak: Der oder das Yak ist eine in Hochasien verbreitete Rinderart. Er ist eine der fünf Rinderarten, die domestiziert wurden.

Quellen

* Das Titelbild ist Teil des Bühnenbilds von Berlin Skandalös. Die Bühnenbildnerin Heike Meixner hat sich dafür von einem Scherenschritt von Lyonel Feininger inspirieren lassen. Gerade die Pariser Häuser (am unteren Bildrand) sprachen sie an, da sie zeigen, wie die Menschen damals in so einer großen Stadt so eng aneinander lebten und wuselten. Diese Häuser erweiterte sie um die damalige Berliner Skyline, um die Handlung dort anzusiedeln.

1)

Michael Bienert, Elke L Buchholz: Die Zwanziger Jahre in Berlin: Ein Wegweiser durch die Stadt, Berlin Story Verlag GmbH, Berlin 2019

Franz-Peter Kothes: Die theatralische Revue in Berlin und Wien 1900-1938. Typen, Inhalte und Funktionen, Heinrichshofen´s Verlag, Wilhelmshaven 1977

2)

https://www.google.de/books/edition/Representing_the_German_Nation/JKF8Kr8gtqMC?hl=de&gbpv=1&dq=jeder+einmal+in+berlin+1920&pg=PA65&printsec=frontcover
https://www.berlin.de/berlin-im-ueberblick/geschichte/die-weltstadt-in-der-weimarer-republik/

3)

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Revelers

http://www.comedian-harmonists.net/?page_id=75

4)

http://www.20jahrhundert.de/20er-filme.html

https://www.filmportal.de/thema/die-entstehung-des-deutschen-tonfilms
https://de.wikipedia.org/wiki/Kintopp

5)

https://gleichtanz.de/aktuelles/eintaenzer-auf-bestellung
https://de.wikipedia.org/wiki/Eint%C3%A4nzer
https://de.wikipedia.org/wiki/Tanztee

6)

Mel Gordon: Sündiges Berlin: Die zwanziger Jahre: Sex, Rausch, Untergang, Index Verlag, 2011

7)

https://www.tagesspiegel.de/berlin/egon-erwin-kisch-ueber-das-sechstagerennen-und-dann-bruellt-das-publikum-hipp-hipp/12886882.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Sechstagerennen

8)

https://de.wikipedia.org/wiki/Crooning

9)

Mel Gordon: Sündiges Berlin: Die zwanziger Jahre: Sex, Rausch, Untergang, Index Verlag, 2011

https://www.deutschlandfunkkultur.de/erik-jan-hanussen-der-super-hellseher-und-seine.2156.de.html?dram:article_id=407164 Spannende Bilder sind hier zu finden: https://www.flickr.com/photos/8725928@N02/albums/72157626161760587/page16

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