7 Dinge über „La traviata“, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten …

7 Dinge über „La traviata“, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten …

Ab dem 15.09.2024 steht Giuseppe Verdis Opernklassiker La traviata in einer Neuinszenierung von Regisseur Vincent Boussard und unter der Musikalischen Leitung von Gastdirigent und Verdi-Spezialist Will Humburg auf dem Spielplan der Oper Dortmund. Hier finden Sie 7 Hintergründe zu Werk, Entstehung und Aufführungsgeschichte, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten …

1. Ein Welterfolg

Premierenplakat zu La traviata aus dem Jahr 1853.

Laut der Website operabase.com war La traviata in der Saison 2015/16 mit insgesamt 4.190 Aufführungen in 869 einzelnen Produktionen die meistgespielte Oper weltweit. Auch in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 lag sie bereits an der Spitze der internationalen Aufführungsstatistik.

2. Erst Flop, dann top

Die italienische Sopranistin Fanny Salvini-Donatelli verkörperte bei der Uraufführung von Verdis La traviata die Hauptpartie der Violetta Valéry.

Heute kaum vorstellbar: Unmittelbar nach ihrer Uraufführung im Jahr 1853 galt Verdis La traviata zunächst als ein gewaltiger Flop, wohingegen sie in unseren Tagen unstrittig als eine der erfolgreichsten Opern aller Zeiten angesehen werden darf. Der Grund für das anfängliche Scheitern des Werkes beim Publikum wird heute vor allem in der damaligen Besetzung der Hauptpartie mit der Sängerin Fanny Salvini-Donatelli gesehen. Diese verkörperte im Stück zwar die jugendliche, an Schwindsucht (Tuberkulose) erkrankte Violetta Valéry, war im wahren Leben jedoch bereits fortgeschrittenen Alters und von vitaler Leibesfülle, so dass ihre Darbietung beim Publikum höchst unglaubwürdig ankam und – laut Zeitzeugenberichten – unfreiwillig komisch wirkte … Stimme ist – auch in der Oper – eben nicht alles!

3. Wie aus dem wahren Leben …

Marie Duplessis im Theater, kolorierte Zeichnung von Camille Roqueplan.

Mit La traviata hat Verdi zum ersten und einzigen Mal ein zeitgenössisches Sujet in eine Oper verwandelt – so basiert das Werk auf dem Theaterstück La Dame aux Camélias (Die Kameliendame) aus dem Jahr 1852, das wiederum auf den gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas aus dem Jahr 1848 zurückgeht. Dieser hatte seinen Roman auf der Grundlage seiner eigenen, tatsächlichen Erfahrungen mit der berüchtigten Pariser Kurtisane Marie Duplessis verfasst, zu der er eine romantische – wenn auch in ihren Grundzügen unglückliche – Beziehung unterhielt. Zu den weiteren Liebhabern der Duplessis zählten außerdem zahlreiche wohlhabende und bedeutende Männer der Pariser High-Society, darunter mehrere Mitglieder der Aristokratie sowie – als heute vielleicht berühmtester im Bunde – der Komponist Franz Liszt. Und genau wie die Figur der Violetta in La traviata, so erlag auch die Duplessis im zarten Alter von gerade einmal 23 Jahren den Folgen der Schwindsucht.

4. Mit der Mode gegangen

Signierte Figurine des Modeschöpfers Valentino zu einem Kostüm der Violetta Valéry (Opera di Roma, 2017)

Marie Duplessis, die historische Person hinter der literarischen Figur Violetta Valéry, war nicht nur eine berüchtigte Kurtisane, sondern ebenso eine bekennende Freundin eines exquisiten Lebensstils. Freimütig offenbarte sie einmal über ihre – zumindest für damalige Verhältnisse – unkonventionelle Lebensführung: „Warum ich mich verkauft habe? Weil ehrliche Arbeit mir niemals den Luxus erlaubt hätte, nach dem ich mich doch so sehnte.“ Champagner im Übermaß, glänzender Schmuck und erlesene Kleider bereiteten ihr demnach die allergrößte Freude! Passend dazu entwarf der legendäre Designer Valentino anno 2017 am Teatro dell’Opera di Roma die Kostüme für die dortige Neuproduktion der Traviata. Marie Duplessis hätte es bestimmt gefallen!

5. Quelle der Inspiration

Teresa Stratas als Violetta Valéry und Plácido Domingo als Alfredo Germont in Franco Zeffirellis Verfilmung von Verdis Oper aus dem Jahr 1982. (© STUDIOCANAL GmbH)

La traviata diente – auch jenseits der Bühne – mal mehr, mal weniger offensichtlich als Inspirationsquelle für mehrere Filme. Neben diversen Filmadaptionen von Verdis Original, von denen Franco Zeffirellis Version aus dem Jahr 1982 sicher zu den bekanntesten gehört, lieferte die Handlung von Verdis Oper zugleich die – wenn auch eher lose – Vorlage für den Greta Garbo-Film Camille von 1936, aber auch für die romantische Liebeskomödie Pretty Woman aus dem Jahr 1990, mit Richard Gere und Julia Roberts in den Hauptrollen.

6. Blumen für die Kameliendame

Grab der Marie Duplessis auf dem Pariser Montmartre-Friedhof.

Morbide Verehrung: Obgleich zu Lebzeiten – aufgrund der strikten bürgerlichen Moralvorstellungen jener Tage – von vielen geächtet, zählt das Grab der Marie Duplessis auf dem Pariser Cimetière de Montmartre heute als ein beliebtes Fotomotiv vieler reisender Musikenthusiasten. Zumindest ist das Grab, fast zwei Jahrhunderte nach dem Tode der berüchtigten Kurtisane, hierdurch regelmäßig mit frischen Blumen geschmückt, die dort von „touristischen Verehrern“ niedergelegt werden. – Dabei ist die Oper doch eine so lebendige Kunstform …

7. Prost!

Arrangement von Verdis „Libiamo, neʼ lieti calici“, einem der berühmtesten Trinklieder der gesamten Operngeschichte.

Gewiss enthält La traviata einige von Verdis einprägsamsten und wirkungsvollsten Melodien.   Das berühmte Trinklied „Libiamo, neʼ lieti calici“, das von Alfredo und Violetta bei ihrem ersten Treffen gesungen wird, ist dabei nicht nur einer der ganz großen Gassenhauer des Werkes, sondern auch der gesamten Operngeschichte – und eine Nummer, die in wohl keinem modernen Opern-Potpourri fehlen darf. Na dann: Prost!

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