Der Sopranist Maayan Licht zählt zu den absoluten Shootingstars der internationalen Opernszene. Nun feiert er als Cherubino in "Die Hochzeit des Figaro" sein Hausdebüt an der Oper Dortmund. Mit uns sprach er über seine Faszination für Alte Musik, künstlerische Freiheit und die Vielseitigkeit des Sängerberufs.
7 Dinge über „Märchen im Grand-Hotel“, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten …
Am 24. Januar 2026 feiert Paul Abrahams Lustspieloperette Märchen im Grand-Hotel in einer Neuinszenierung von Regisseur und Choreograf Jörn-Felix Alt Premiere an der Oper Dortmund. Hier finden Sie 7 Hintergründe zu Werk, Entstehung und Inszenierung, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten …
1. Flucht und Exil

Besetzungszettel der Wiener Erstproduktion (1934).
Aufgrund wachsender Schikanen durch die Nationalsozialisten musste der jüdische Künstler Paul Abraham 1933 aus Deutschland fliehen. In Wien, der ersten Station von Abrahams langem Exil, sollte es am 29. März 1934 im Theater an der Wien zur Uraufführung seiner ersten „Exil-Operette“ kommen: Märchen im Grand-Hotel.
2. Später Durchbruch

Arrangeur und Dortmunder Orchestermitglied Matthias Grimminger © Leszek Januszewski
Aufgrund der schwierigen Umstände ihrer Entstehung gelangte Märchen im Grand-Hotel (nach einer konzertanten Aufführung an der Komischen Oper Berlin anno 2017) erstmals im November 2018 am Staatstheater Mainz zu einer vollszenischen Deutschen Erstaufführung. Die zu Unrecht in Vergessenheit geratene Operette war hierzu eigens von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger kenntnisreich musikalisch rekonstruiert worden und gelangte dadurch – rund 84 Jahre nach ihrer Wiener Uraufführung – doch noch zu später, wohlverdienter Anerkennung. (Ganz nebenbei bemerkt: Matthias Grimminger ist als Solo-Bassklarinettist Mitglied der Dortmunder Philharmoniker.)
3. Film, Fiktion und Wirklichkeit

Paul Abraham dirigiert – wie immer mit weißen Handschuhen, die den Dirigentenstab ersetzen – während der Filmaufnahmen seiner eigenen Operette Viktoria und ihr Husar © Tobis (1931)
Bekanntlich zählte Paul Abraham, als sogenannter „König der Jazz-Operette“, zu den erfolgreichsten Bühnenkomponisten seiner Zeit – jedoch steuerte dieser auch die Musik zu einer ganzen Reihe an Tonfilmen bei. Zu seinen zahlreichen Engagements als Filmmusikkomponist kamen auch die Verfilmungen seiner eigenen Operetten, die Abraham sorgfältig beaufsichtigte. Mit der Welt des Films (in Märchen im Grand-Hotel durch die Figuren des Filmagenten Sam Makintosh und seiner Tochter Marylou vertreten) war Abraham also auch ganz persönlich bestens vertraut.
4. Wegweisende Stil-Collage

Paul Abraham © Archiv
Durch seine für damalige Verhältnisse überaus modernen Kompositionen, in denen Abraham Elemente der klassischen Operette und des Schlagers mit jazzigen Rhythmen kombinierte, galt der Komponist für viele seiner Zeitgenossen als Erneuerer und „Retter“ des etwas in die Jahre gekommenen Genres. So ist auch seine Partitur zu Märchen im Grand-Hotel betont vielseitig gestaltet, indem diese – durchaus genretypisch – den Musikgeschmack der damaligen Zeit widerspiegelt und neben Walzerrhythmen auch zeitgenössische Tanzformen wie Foxtrott und Tango anklingen lässt.
5. Erfolgreiche Zusammenarbeit

Alfred Grünwald-Denkmal im Alfred-Grünwald-Park in Wien-Mariahilf © wikisource
Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am immensen Erfolg Abrahams als Operettenkomponist hatten auch seine beiden kongenialen Dichterkollegen Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda. Vor Märchen im Grand-Hotel hatten diese bereits die Textbücher zu Viktoria und ihr Husar (1930), Die Blume von Hawaii (1931) und Ball im Savoy (1932) für Abraham geschrieben. Werke, die nach ihren jeweiligen Uraufführungen in Budapest, Leipzig und Berlin rasch auf vielen Bühnen in ganz Europa nachgespielt wurden.
6. Kein Happy End

Grabstein von Paul Abraham auf dem Friedhof Ohlsdorf © wikisource
Abrahams Leben war von extremen Höhen und Tiefen geprägt: In der ersten Hälfte verdiente er sich, durch dubiose Geldgeschäfte und Spekulationen, zunächst einen eher zweifelhaften Ruf, gelangte dann aber, ermöglicht durch den immensen, auch finanziellen Erfolg seiner Operetten, zu Ruhm, Ehren und – Vermögen. Er inszenierte sich selbst als Bonvivant, dessen erlesener Lebensstil, mit ausgelassenen Champagner-Partys und dem zur Schau stellen kostspieliger Luxusgüter, schon unter Zeitgenossen als legendär galt. Einen Einschnitt markierte schließlich seine – durch die Nachstellungen der Nationalsozialisten notwendig gewordene – Flucht ins Exil. Auf wirtschaftliche Einbußen folgte letztlich sogar ein mentaler Zusammenbruch mit geistiger Verwirrtheit, die Abraham den zwangsweisen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt einbrachten. Bis zu seinem Tode (Abraham starb 1960 nach schwerer Krankheit in Hamburg) war er der festen Überzeugung, in New York zu leben und bald wieder einen großen Kompositionserfolg landen zu können. Ein tragischer Ausklang einer bewegten Biografie – leider ohne Happy End.
7. Dem Haus verbunden

Jörn-Felix Alt © Sonja Hornung
Mit der aktuellen Dortmunder Neuproduktion von Märchen im Grand-Hotel ist Abrahams Operette erstmals an der Oper Dortmund zu erleben. Und noch ein weiteres „Debüt“ bringt diese Aufführung mit sich: Denn mit Jörn-Felix Alt stellt sich dem Dortmunder Publikum erstmals ein Regisseur vor, den dieses bislang vorrangig als Bühnendarsteller kennenlernen durfte – nämlich als Clifford Bradshaw in Cabaret, Gigolo in Berlin Skandalös und Link Larkin in Hairspray. (Zusätzlich zeichnet Alt bei Märchen im Grand-Hotel, wie schon bei der Dortmunder Produktion von Songs For A New World, auch als Choreograf verantwortlich.)
