Im Gespräch mit Hyona Kim und Anna Sohn zu Frédégonde

Mit der Deutschen Erstaufführung von Frédégonde von Ernest Guiraud und Camille Saint-Saëns in einer Inszenierung der französischen Regisseurin Marie-Eve Signeyrole hat die Oper Dortmund diese Spielzeit eine ganz besondere Produktion im Programm. In einer Mischung aus Stummfilm und Liveerlebnis stehen sich die beiden königlichen Kontrahentinnen Frédégonde (Hyona Kim) und Brunhilda (Anna Sohn) in einem Schachspiel auf Leben und Tod gegenüber. Die beiden Ensemblemitglieder Hyona Kim (Mezzosopran) und Anna Sohn (Sopran) berichten von den aufregenden Dreharbeiten auf Schloss Bodelschwingh und ihren Figuren.  


Brunhilda ist die Königin von Austrasien, Frédégonde die Königin von Neustrien. Beide Königinnen haben diesen Status auf unterschiedlichen Wegen erreicht. Was sind ihre Geschichten?

Hyona Kim: Im Gegensatz zu Brunhilda, die als Prinzessin geboren wurde, stammt Frédégonde aus einer Familie niederen Standes. Ursprünglich war sie die Dienerin der ersten Frau des Königs Hilpéric − nachdem sie dann seine Zuneigung gewann, zwang sie ihn, seine Frau in ein Kloster zu verbannen und sich von ihr scheiden zu lassen. Zudem tötete sie Hilpérics zweite Frau, die Schwester von Brunhilda, um selbst die nächste Königin zu werden. Es ist nicht sicher überliefert, ob Frédégonde Brunhildas Schwester tatsächlich ermordete − um genau zu sein erwürgt hat − oder ob es sich um einen Befehl von Frédégonde bzw. Hilpéric handelte Zumindest in unserem Film und in der Inszenierung auf der Bühne ist deutlich zu erkennen, wer die Tat begangen hat.

Anna Sohn: Brunhilda ist durch standesübliche Heirat an ihre Position gekommen, Frédégonde hingegen durch Ehebruch und skrupellose Morde.


Was ist eurer Meinung nach die wichtigste Arie von Brunhilda/Frédégonde und warum? Was zeichnet die Musik aus?

Hyona Kim: Im 4. Akt gibt es ein langes Duett zwischen Hilpéric und Frédégonde, in dem wir viel über Frédégonde und ihre Beweggründe erfahren, die sie dem König hier schildert. Dabei spiegelt sich auch ihr berühmt-berüchtigter Charakter wieder, der als grausam, rücksichtslos und manipulativ gilt. Sie gibt nicht auf, bis sie von Hilpéric genau das bekommt, was sie will. Im Grunde genommen findet sich hier der Auslöser für die gesamte Geschichte dieser Oper.

Anna Sohn: Die Oper ist eher im wagnerischen Sinne durchkomponiert und es gibt keine Arien im klassischen Sinne. Das große Liebesduett im 2. Akt mit Mérowig stellt die für mich wichtigste und schönste Stelle dar − diese Musik ist einfach sehr leidenschaftlich.

Die Inszenierung ist zu einer Hälfte live, zur anderen Hälfte als Film vorproduziert. Wie war der Filmdreh für dich?

Hyona Kim: Die Filmaufnahmen für unseren Stummfilm unterschieden sich sehr stark von dem, was ich bisher gemacht habe. Zwar leben wir in einer Zeit, in der wir gefühlt ständig und immer von diversen Kameras umgeben sind, aber ehrlich gesagt, habe ich mich bisher nie für diese Art von Aufnahmegeräten interessiert und bringe auch nicht viel Erfahrung mit. Ich hätte nicht erwartet, dass sich die Arbeitsprozesse zwischen Film und Bühne so stark voneinander unterscheiden. Es ist schwer vorstellbar, wie kompliziert der Dreh einer kurzen Szene sein kann, wenn wir diese häufig aus den verschiedenen Winkeln widerholen mussten. Ich habe nun den größten Respekt vor Schauspieler*innen und Mitarbeiter*innen aus dem Filmgeschäft. Der Unterschied stellte eine Herausforderung dar, aber ich muss sagen, dass es mir schließlich auch sehr gut gefallen hat.

Anna Sohn: Es war sehr interessant, aber auch sehr ungewohnt. Es war mein erster Film und dann handelte sich auch noch um einen Stummfilm. Normalerweise entwickeln wir die Szenen auf der Probe aus der Musik heraus und erarbeiten diese dann für eine Livevorstellung. Bei unserem Dreh gab es gar keine Musik und auch keine Entwicklung im herkömmlichen Sinne. Die Szenen wurden mehrfach direkt hintereinander wiederholt, damit die Kamera eine Szene aus unterschiedlichen Perspektiven aufzeichnen konnte. Dann war die Aufnahme im Kasten und abgehakt. Auch wurde nicht chronologisch gedreht, sondern nach Drehorten etwa alle Außenaufnahmen hintereinander. Dadurch sind wir in der Handlung vor und zurückgesprungen, wodurch man schon leicht den Überblick verlieren konnte, wo wir uns gerade im Stück befinden. Und da wir stumm waren (keine Dialoge, keine Musik), war es nicht immer leicht auf Knopfdruck Emotionen zu erzeugen, die wir diese ja nur über unsere Blicke und unser Mienenspiel vermitteln konnten. Alles in allem war es allerdings eine große Bereicherung.

Beide Königinnen stehen vor allem auch über Mérowig in Verbindung zueinander. Wie ist ihr persönliches Verhältnis zu ihm?

Hyona Kim: Mérowig ist ein Sohn der ersten Frau von Hilpéric, das heißt, er ist der Stiefsohn von Frédégonde. Frédégonde will natürlich ihren Sohn als nächsten König sehen, daher stellt Mérowig für sie ein großes Hindernis dar. Später, als Mérowig dann Brunhilda heiratet, wird er zum Feind seines eigenen Vaters.

Anna Sohn: Als Brundhilda agiere ich in der Opernhandlung anfangs zurückhaltend, die Rettung meines Lebens liegt in Mérowigs Händen. Ich spüre allerdings, dass er ehrlich in mich verliebt ist. Und dann erwidere ich diese Liebe.

© Björn Hickmann

Vorstellungstermine Frédégonde:

Deutsche Erstaufführung: Sa, 19.11.2021 um 19:30 Uhr, Einführung 18:45 Uhr

Sa, 27.11.2021 um 19:30, Einführung 18.45 Uhr

Sa, 07.05.22, 19:30 Uhr, Einführung 18:45 Uhr

So, 22.05.22, 18:00 Uhr, Einführung 17:15 Uhr

Weitere Infos/Termine:

https://www.theaterdo.de/produktionen/detail/fredegonde/ um

Livestream während der Premiere:

https://www.takt1.de/video/stream/theater-dortmund-fredegonde

Die Oper Dortmund wird in Kooperation mit Takt 1 die Deutsche Erstaufführung von Frédégonde live streamen. https://www.takt1.de/video/stream/theater-dortmund-fredegonde


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