„Ich hatte das Gefühl, die Stelle wäre für mich geschrieben worden“

Mezzosopranistin Ruth Katharina Peeck © Björn Hickmann

Ruth Katharina Peeck ist Mezzosopranistin und seit 2019 Mitglied im Ensemble der Jungen Oper Dortmund. Im Interview mit Dramaturg Matthias Keller erzählt sie von ihren ersten zwei Jahren. 

Du bist seit knapp zwei Jahren hier im Ensemble der Jungen Oper. Was waren deine Projekte bisher?

Soll ich die jetzt alle aufzählen? (lacht) Naja, man kann das nach Kategorien sortieren. Es gibt Opernproduktionen, da habe ich bisher an zwei Uraufführungen von unserem Composer in Residence Thierry Tidrow mitgewirkt: Persona und Kirsas Musik. Neben diesen Produktionen haben meine Kolleg*innen und ich Workshops in Schulen gemacht, wie zum Beispiel eine einwöchige Opernwerkstatt in der Grundschule. Außerdem war ich bei den partizipativen Projekten unserer Opernclubs beteiligt, wie Inside Carmen, das leider abgesagt wurde. Da hatte ich Stimmbildung gemacht und jetzt ich bin relativ neu bei der Bürger*innenOper als Musikalische Leitung dabei.

Mezzosopranistin Ruth Katharina Peeck als Alex in Persona © Björn Hickmann

Was waren deine Highlights?

Aus künstlerischer Perspektive war es Persona, auch wegen des völlig neuen Konzeptes mit verschiedenen Wegen und Enden, die das Publikum bestimmen konnte. Das hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt und war musikalisch und szenisch eine sehr runde Sache.

Was das Persönlich-Menschliche angeht, war es die Arbeit mit den Kindern bei Inside Carmen. Zu sehen, wie sie jede Woche besser werden, war eine sehr schöne Sache für mich.

Ein weiteres emotionales Highlight waren unsere Klinikkonzerte, bei denen ich und unser damaliger Theatervermittler nur mit Gitarre, Mikro und Verstärker ausgestattet relativ spontan in verschiedenen Kliniken oder der Jugendpsychiatrie gespielt und gesungen haben. Das fand ganz Corona-konform vor den Fenstern statt, ich habe moderiert und wir haben verschiedene Stilistiken gemischt wie Kinderlieder, Jazz und Opernarien. Das war in der ersten Lockdown-Phase, in der die Kinder teilweise nur eingeschränkt Besuch empfangen durften. Es war ein sehr schönes Gefühl, dass wir sie ein bisschen ablenken und ihnen eine Freude verschaffen konnten.

Ein weiteres Highlight, das nicht direkt mit deiner Arbeit hier zu tun hat, war wahrscheinlich die Teilnahme am ARD-Wettbewerb, bei dem du in die zweite Runde gekommen bist, oder?

Wettbewerbe sind eine ganz komische Sache, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Eigentlich mache ich sie gar nicht gerne, weil Musik für mich etwas ist, das man gemeinsam macht und nicht gegeneinander. Glücklicherweise sehen das ja auch die meisten Kolleg*innen so. Trotzdem ist es ein gewisser Nervenkitzel, aber auch eine Möglichkeit, sich selbst heraus zu fordern und nochmal besser zu werden. Der ARD-Wettbewerb war in diesem Jahr besonders, weil er zum Teil digital durchgeführt wurde. Ich bin viel weiter gekommen als ich gedacht hätte, aber fürs Finale hat es nicht ganz gereicht.

Trotzdem eine gute Erfahrung?

Auf jeden Fall. Und es war auch einfach mal wieder schön in einem Zug zu sitzen mit einem Konzertkleid in der Tasche. Da hatte ich das Gefühl: Die Normalität kommt wieder!

Wie bist du eigentlich hier an der Oper Dortmund gelandet?

Ich war in den letzten Zügen meines Studiums und hatte mir eigentlich überlegt, freischaffend zu arbeiten. Dann habe ich zufällig im Internet diese Ausschreibung gefunden und hatte das Gefühl, sie wäre für mich geschrieben worden. Die Anforderungen waren: ein abgeschlossenes Gesangsstudium, pädagogische Qualifikationen, Instrumentalfähigkeiten. Darin habe ich mich direkt wiedergefunden, beworben und es hat geklappt.

Und wieso hat es so gut gepasst?

Ich habe nicht nur Gesang studiert, sondern vorher ein Lehramtsstudium für Musik und Geschichte abgeschlossen, bei dem ich als Hauptfächer Gesang, Klavier und Dirigieren hatte.

Außerdem hat mich von Anfang an angesprochen, dass ein neues Ensemble für die Junge Oper installiert wurde, ein Ensemble mit Sänger*innen, die nicht ständig auf der „großen“ Bühne beschäftigt sind und nur, wenn sie eben Zeit haben, für die Junge Oper eingesetzt werden.

So ist das leider oft, wodurch Opern für Kinder und Jugendliche schon aus organisatorischen Gründen meist zu kurz kommen. All das, was wir hier machen, wäre ohne ein Ensemble nicht möglich: Die gemeinsame Entwicklung neuer Opern und neuer Konzepte, wie man neues Musiktheater für Kinder gestalten kann oder die Durchführung von Workshops in Schulen, bei denen wir Kinder erreichen können, die außerhalb der Schule keinen Kontakt zu klassischer Musik oder Theater haben.

Und wie funktioniert die Arbeit innerhalb des Ensembles?

Also wir drei Ensemblemitglieder verstehen uns menschlich und musikalisch sehr gut und sind inzwischen schon wie eine kleine Familie zusammen gewachsen. Dadurch, dass wir quasi alle Projekte gemeinsam durchführen, ist das natürlich eine viel intensivere Zusammenarbeit als wenn man seine Kolleg*innen zwar kennt, aber doch nur ab und zu eine Produktion gemeinsam hat.

Was findest du spannend an der Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche?

Zum einen fordern sie einen auf eine ganz andere Art und Weise als Erwachsene, weil sie einfach viel schneller sind als man selbst. Und dadurch muss man unheimlich auf Zack sein, immer gut vorbereitet. Wenn man einen Moment zu lange nachdenkt, stecken sie einen in die Tasche. Das ist einfach eine schöne Herausforderung und gleichzeitig lernen sie einfach so wahnsinnig schnell und man kann zuschauen, wie sie sich verbessern.

Du bist ja für diese Stelle nach Dortmund gezogen. Hast du inzwischen einen Lieblingsort?

Schwierige Frage: Im Lockdown war der Ostfriedhof immer ein Ort, zu dem es mich hingezogen hat, weil es dort so verwunschene Ecken gibt. Es fühlt sich zwar nicht so an als wäre man im Wald – man hört ja die Straße noch – aber ich finde es erstaunlich, wie ruhig es dort ist, obwohl man mitten in der Stadt ist. Ansonsten bin ich eine ziemliche Leseratte und die Stadt- und Landesbibliothek ist ein Anlaufpunkt für mich. Und eine Jahreskarte für den Westfalenpark habe ich auch. Bäume und Bücher kann man vielleicht als meine Lieblingsdinge der letzten zwei Jahre festhalten. (lacht)

Ruth Katharina Peeck ist Musikalische Leitung der Bürger*innenOper, Szenenbild Die Bürgschaft © Björn Hickmann

Was kommt in dieser Spielzeit noch auf dich zu?

Zum einen habe ich mich entschieden, die Bürger*innenOper weiter musikalisch zu leiten, da steht ab Januar eine neue Produktion an. Außerdem kommt im Februar eine neue Produktion für Jugendliche ins Programm: Der Häßliche. Am Ende dieser Spielzeit werde ich mich dann mit fünf Werken von Thierry Tidrow beschäftigt haben: Kirsas Musik, Persona, Die Bürgschaft, Der Hässliche und Der kleine schwarze Fisch. Wie gut, dass Thierry und ich uns so gut verstehen!

Titelbild: Ruth Katharina Peeck in Kirsas Musik © Björn Hickmann

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