Auf und hinter der Bühne ein Paar – Rinnat Moriah und Zachary Wilson im Gespräch

Auf und hinter der Bühne ein Paar – Rinnat Moriah und Zachary Wilson im Gespräch

Die israelische Sopranistin Rinnat Moriah und der amerikanische Bariton Zachary Wilson sind die zwei Hauptdarsteller in der Oper für Jugendliche Romeo & Zeliha, eine Produktion die an Shakespeares Romeo and Juliet angelehnt ist und am 10. November in der Jungen Oper ihre Premiere feiert. Auf der Bühne geben sie das jugendliche Liebespaar, das sich begegnet und auf den ersten Blick verliebt, im realen Leben sind die beiden schon verheiratet. In Dortmund stehen sie zum ersten Mal gemeinsam als Solisten auf der Bühne. Im Interview mit Matthias Keller erzählen sie, wie sie zur Oper kamen und was sie an dem Stück interessiert.

Ihr spielt bei einer Oper mit, die sich an Jugendliche ab 12 Jahren richtet. Wie war das bei euch, als ihr in dem Alter wart? Habt ihr euch schon für Oper und Gesang interessiert bzw. wie und wann kam das bei euch?

Rinnat: Ich habe mich schon sehr früh mit Musik und Gesang beschäftigt, ich war beispielsweise im Chor. Ich wusste noch nicht, dass ich als Solist auftreten würde, aber ich wusste, dass ich etwas mit Musik machen wollte. Mit 14 war dann klar, dass ich auf die Opernbühne wollte. Zach hat eine andere Geschichte … (lacht)

Zach: Ich habe auch schon immer Musik gemacht und im Chor gesungen. Aber dass ich auf der Bühne gestanden bin, das kam später. Und an Oper hätte ich nie gedacht. Ich habe die erste Oper gehört, als ich 19 Jahre alt war. Ehrlich. Ich habe generell bei vielen Musicals auf der Bühne gestanden.

Und über das Musical kamst du zur Oper?

Zach: Genau. Ich wurde tatsächlich dazu gezwungen, Oper zu machen. Ich hatte im Studium Musikpädagogik als Hauptfach und alle, die ein bestimmtes Stipendium hatten, mussten für eine Oper vorsingen. Ich habe vorgesungen und wurde genommen. Es hat mir gar keinen Spaß gemacht, ich habe Oper wirklich gehasst das erste Jahr. Das hat gedauert, ich musste bei ein paar Opern mitmachen bis ich mich richtig verliebt habe. (lacht)

In dem Stück treffen zwei Welten aufeinander. Ein Liebespaar mit unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen. Ihr beide seid auch ein Paar und kommt aus verschiedenen Ecken der Erde. Inwiefern hattet ihr auch mit Problemen zu kämpfen?

Zach: Gute Frage. So viele Kämpfe gab es nicht. Wir hatten ein bisschen Angst, wie das mit unseren Familien funktionieren würde. Ich konnte beispielsweise mit ihrer Großmutter gar nicht sprechen, ich musste also ihre Sprache [Anm. d. Red.: hebräisch] lernen. Die Kulturen sind ein bisschen anders. Wir Amerikaner legen Wert darauf, nett zu sein, auch wenn es nur oberflächlich ist. Und die Israelis weniger … (lacht)

Rinnat: Wir sind sehr direkt. Und das wird manchmal als beleidigend aufgefasst.

Zach: Auch wenn es gar nicht so gemeint ist.

Rinnat: Da gab es am Anfang manchmal ein bisschen Streit. Aber wir sind beide sehr an anderen Kulturen interessiert. Und da ich auch selbst lange in Amerika gewohnt habe, fühlte es sich nicht so fremd an. Zach hat ziemlich früh angefangen Hebräisch zu lernen. Nicht nur für mich, sondern weil es ihn auch interessiert hat und jetzt kann er hebräisch. Das ist ziemlich unglaublich, dass er das gemacht hat. Aber es gibt trotzdem noch Momente, in denen man merkt, dass wir aus verschiedenen Kulturen kommen.

Szenenbild aus Romeo & Zeliha: Rinnat Moriah als Zeliha & Zachary Wilson als Romeo

Wie ist es generell als Paar auf der Bühne zu stehen und ein Paar zu spielen? Macht es das einfacher, schwerer, oder macht es keinen Unterschied?

Zach: Es macht riesig Spaß und ist viel einfacher.

Rinnat: Ich hatte überraschender Weise etwas Probleme, als wir zum ersten Mal unsere Selbstmordszene geprobt haben. Als Zeliha entdeckt, dass Romeo sich umgebracht hat. Ich hatte wirklich Probleme zu singen, weil ich weinen musste. Vor mir lag mein Mann und ich musste spielen, dass er tot ist. Und ich musste trotzdem noch weitersingen. Das war ein bisschen schwierig. Aber mit der Zeit wird es leichter …

Zach: Für mich ist der Anfang des Stückes schwierig. Zu spielen, dass wir uns noch nicht kennen.

Im Gegensatz zu großen Opernbühnen seid ihr hier in der Jungen Oper sehr nah an eurem Publikum, das kennt ihr aus anderen Kammerproduktionen. Wie findet ihr das?

Rinnat: Ich finde es viel besser als diesen großen Abstand zu haben und dutzende Meter vom Publikum entfernt zu sein. Man kann hier jede kleine Bewegung im Gesicht sehen und ich finde es super.

Zach: Man muss nicht so groß spielen.

Rinnat: Auch als Zuschauer finde ich es interessanter, näher dran zu sein.

Zachary, du hast Romeo & Zeliha schon in einer anderen Produktion gesungen, für dich, Rinnat, ist es das erste Mal. Was gefällt euch an dieser Jugendoper?

Rinnat: Ich habe das Stück das erste Mal als Zuschauerin gesehen und ich musste weinen. Ich finde den zweiten Teil des Stückes besonders gut. Die Selbstmordszene finde ich sehr überzeugend und sehr echt.

Zach: Vor allem ihre [Anm. d. Red.: Zelihas Selbstmordszene].

Rinnat: Aber deine auch. Wunderschöne Musik, nicht zu lang und es fühlt sich sehr echt an.

Zach: Und von den Melodien her ist es eher wie ein Musical. Sie sind sehr einfach und verständlich. Ich finde, das ist für ein junges Publikum ideal.

Nächste Woche ist eure Premiere. Auf was freut ihr euch am meisten?

Rinnat: Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen. Wir hatten bis jetzt noch kein Publikum dabei. Es gibt sehr viele witzige Momente …

Zach: … aber man weiß nie, ob die Zuschauer lachen werden. Ich habe das  Stück zwar schon einmal gespielt, aber das war ja eine ganz andere Produktion. Ich bin auch auf die Reaktion der Jugendlichen gespannt, auf das Publikum.

Rinnat: Das ist dann auch eine ganz andere Energie, wenn Zuschauer dabei sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Rinnat Moriah und Zachary Wilson werden an folgenden Terminen in  Romeo & Zelhia in der Oper Dortmund zu sehen sein:

http://www.tdo.li/romeo

Titelbild: links Rinnat Moriah: Artists Management Hartmut Haase, rechts  Zachary Wilson: Fischer Artists

Szenenbild aus Romeo & Zeliha: Anke Sundermeier

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