Vom Broadway zum Borsigplatz – Morgan Moody im Interview

Vom Broadway zum Borsigplatz – Morgan Moody im Interview

Morgan Moody im Gespräch mit Houssie Shirin

Für jemanden der noch nie was von Morgan Moody gehört hat: Wer bist du? Wo kommst du her und was waren deine wichtigsten Stationen?

Ich bin stolzer Kalifornier, in Los Angeles geboren. Nach einem Musik- und Opern-Studium an der Boston University zog ich nach New York, um ein Jahr am Broadway in La bohème von Puccini zu spielen. Danach lernte ich ganz zufällig jemanden aus dem Investment- und Bankingbereich kennen, der mir einen Job anbot. Das ging ca. fünf Monate, was sehr interessant war, da es um Millionen ging und ich zunächst keine Ahnung hatte, mir alles über learning by doing aneignete. Nach einer Weile habe ich das Theater dann aber doch sehr vermisst und gesehen, dass das Opernstudio des Opernhauses Zürich ein Vorsingen in New York organisiert. Die Stelle habe ich bekommen und sechs Wochen später war ich in Zürich, umgeben von all den Sängern, die ich vorher nur von Aufnahmen her kannte. Nach zwei Jahren im Opernstudio hat mir der damalige Intendant Alexander Pereira ein Festengagement angeboten. Das hat mich sehr gefreut, denn als junger Bassbariton mit einer noch nicht voll entwickelten Stimme ist es schwer, einen Job zu finden. In Zürich war ich insgesamt vier Jahre im Festengagement.

War es ein großer Kulturschock von New York nach Zürich zu kommen?

Es war ein größerer Kulturschock von Zürich nach Dortmund zu kommen. Die Zeit in Zürich war spannend und schön. Meine Entscheidung für kleine Rollen im großen Haus war genau richtig, auch weil ich dort viel von berühmten Opernsängern lernen konnte. Dort habe ich auch in ein paar Inszenierungen von Jens-Daniel Herzog gespielt, der mich später einlud mit nach Dortmund zu kommen. In Dortmund hatte ich das große Glück diverse Paraderollen für Bassbariton singen zu dürfen. Heute, sechs Jahre später, bin ich immer noch hier. Und ich liebe Dortmund.

Die Dortmunder sind ja Lokalpatrioten. Was gefällt dir an der Stadt?

Genau das. Wie stolz jeder Dortmunder darauf ist, Dortmunder zu sein! Ich muss mich zwar hier als Liverpoolfan outen, da Fußball sehr wichtig für mich ist. Aber ich finde, dass Liverpool und der BVB sich unheimlich ähneln. Wenn man zwei Mannschaften unterschiedlicher Länder quasi austauschen könnte, dann sind es Liverpool und der BVB.   Auch deswegen verstehe ich diese Mentalität in Dortmund ganz genau.

Hörst du zu Hause immer noch gerne Opern?

Ich liebe klassische Musik, aber wenn ich nach Hause komme, dann ist klassische Musik das Letzte, was ich höre. Ich brauche dann eher Klassikrock, so aus den Sechzigern oder Siebzigern. Es ist wichtig im Gehirn nicht immer nur die gleiche Bahn zu fahren.

Wie gefällt es dir Teil eines festen Ensembles zu sein?

Ensemblesänger zu sein ist genau das, was ich immer wollte. Als freiberuflicher Sänger musst du immer kommen und abliefern, es gibt keine Wartezeit, um dich über mehrere Spielzeiten zu entwickeln. Gleichzeitig lerne ich mit einem Festengagement auch das Publikum besser kennen und weiß, was ich bringen kann und was nicht.

Welchen Stellenwert hat die Oper für die Gesellschaft? Wie reagieren die Leute, wenn du ihnen von deinem Job erzählst?

Es kommt immer darauf an, wem ich das sage. Häufig kommen Reaktionen wie: „Ah okay Opernsänger“ „Interessant“ oder „Uhh“ Aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass viele Leute, die eine negative Meinung über die Oper haben, nie in ihrem Leben eine Oper gesehen haben. Es frustriert mich, wenn die Leute Opern langweilig finden. Wenn sie gut gemacht ist, dann kann Oper sehr berührend sein und diese unglaublich seltenen Momente der Gänsehaut erzeugen, genau wie im Kino, im Schauspiel oder bei einem Rock-Konzert.

Du singst gerade z. B. im Barbier von Sevilla in der Regie von Martin G. Berger, der als innovativ und wagemutig gilt. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Ich liebe Martin. Die Arbeit mit ihm ist zwar wahnsinnig anstrengend, aber positiv anstrengend. Du probst eine Szene sieben Mal, beim achten Mal lässt du ein bisschen nach und seine Kritik ist dann: „Morgan was war das? Ist was passiert?“  ̶ „Nein, ich bin einfach nur müde.“ Er hat sehr große Erwartungen an seine Künstler, lässt nicht nach. Vermutlich würde er zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag proben, wenn er dürfte. Er hat eine unfassbare Energie, ich weiß nicht wo er die hernimmt. Er ist wahnsinnig gut vorbereitet, sehr intelligent und es macht Spaß mit ihm über Kleinigkeiten zu diskutieren und Subtexte zu entwickeln. Manchmal glaube ich, ich bin ein wenig zu faul für ihn. Aber ich bin positiv beeindruckt von ihm, auch menschlich, ich finde ihn wirklich super!

Erzähle doch mal was zu deiner Rolle im Barbier!

Ich spiele Dr. Bartolo, der sich in unserer Inszenierung seinen Doktortitel gekauft hat. Er hält sich für wahnsinnig wichtig und will, dass jeder weiß, dass er ein Doktor ist, deswegen hängt sein Titel in etwa zweihundertfacher Vergrößerung an der Wand. Sein Ziel ist es, die vermögende Rosina zu heiraten, um sich dadurch einen gesellschaftlichen Aufstieg zu verschaffen.

Würdest du den Zuschauern empfehlen, sich den Barbier von Sevilla anzusehen? Und wenn ja, warum?

Klar würde ich das den Zuschauern empfehlen. So eine Barbiere-Inszenierung gab es noch nicht. Die italienischen Rezitative werden in unserer Inszenierung durch einen deutschen Erzähler ersetzt, der von Ks. Hannes Brock verkörpert wird. Auf diese Weise wird das Stück verständlicher und greifbarer und das mögliche Hindernis, eine Oper nicht zu verstehen, überbrückt. Und es funktioniert!

 

Fotos Björn Hickmann

(Titelbild Szenenbild Der Barbier von Sevilla links Denis Velev als Basilio, rechts Morgan Moody als Dr. Bartolo, unten Portrait Morgan Moody)

 

 

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