Oper muss keine elitäre Kunst sein! Die neue Bürgeroper-Produktion startet

Oper muss keine elitäre Kunst sein! Die neue Bürgeroper-Produktion startet

Reisend bin ich um nicht zu ruhn,

was anderes zu tun,

es  anders zu sehen,

mit anderen zu gehen.

Möchte über viele Mauern sehen.

Möchte Menschen ferner Länder verstehen.

Erlebe wie die Welt woanders

einfach anders oder ähnlich tickt.

Danke, dass du mich nicht festhältst,

mir mein Fremdsein nicht vorhältst.

Danke, dass ich einen Moment bleiben kann,

um dann erneut der Wellen Reiterin zu sein.

Szenenbild aus Hej Stadt die erste Produktion der Bürgeroper
© Björn Hickmann

Gesungen zu hören war dieser Text bei der Aufführung von Hej Stadt am 28.6.2019 im Opernhaus. Für die erste Bürgeroper-Produktion hatten die Teilnehmer_innen eigene Texte für das Stück erarbeitet, die dann literarisch verdichtet zum Libretto wurden.

Facettenhaft hatte die Inszenierung das bunt quirlige Treiben als zentrales Element eines urbanen Lebensgefühls aufgegriffen und mit 80 Teilnehmer_innen aus Dortmund und Umgebung musiktheatral umgesetzt.

Mit frischem Elan und voller neuer Ideen startet die Bürgeroper nun ihre zweite Produktion. Das neue Stück wird eine Bearbeitung der Vorlage „Die Bürgschaft“ von Schiller. Uns geht es vor allem um das Thema der Freundschaft, die in Schillers Ballade zu einer Frage von Leben und Tod wird. Nicht nur, weil die Freundschaft auf die Probe gestellt wird, sondern das politische System unter der Herrschaft eines Tyrannen, der ein soziales, fürsorgliches Verhalten, wie es in Freundschaften zu tragen kommen kann, geradezu zu bestrafen sucht. In der Ballade sind die Menschen nicht nur unbeteiligte Beobachter einer Tyrannei. Sie sind gerade durch ihre Nichteinmischung in das Geschehen, ihre Nicht-Hilfe, Beteiligte und Mitverantwortliche des Geschehens, an dessen Ende die Treulosigkeit des Menschengeschlechtes bewiesen und mindestens eine Person hingerichtet sein soll.

Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Thierry Tidrow verspricht für uns eine zu werden, die musikalisch die Emotionalität der dramatischen Vorlage umzusetzen weiß.

Thierry Tidrow begann seine Karriere als Chormusiker und studierte dann Komposition und Barockgesang. Für die Spielzeit 2019/20 ist er Composer in Residence an der Oper Dortmund. Die im Rahmen der „Junge Opern Rhein-Ruhr“ aufgeführte mobile Kinderoper Nils Karlsson Däumling ist in der Kategorie „Beste Regie Kinder- und Jugendtheater“ für den FAUST-Preis nominiert. Tidrow schrieb dafür die Komposition.
© Anika Neese

Reizvoll an dieser Arbeit sei es, so sagt er, dass es „ganz anders sein wird als bei normalen Kompositionsprojekten, wo man alleine am Tisch sitzt. Es wird viele Überraschungen geben, und ich freue mich darauf! Es ist eine tolle Gelegenheit Oper mit ganz verschiedenen Leuten zu machen und zu zeigen, dass Oper unglaublich viel Spaß macht, es keine elitäre Kunst sein muss!“

Bis Ende September können interessierte Teilnehmer_innen noch dazu stoßen, obwohl die Arbeiten mit dem Chor und dem Orchester an der neuen Komposition, jetzt schon beginnen.

Konzept der Bürgeroper ist es, Ideen und Impulse der Teilnehmer­_innen einfließen zu lassen. Neben den wöchentlichen Proben gibt es eine Ideenwerksatt, in der Texte und Inhalte besprochen und szenisch ausprobiert werden.

Somit ist eine Bürgeroper-Produktion eine Reise, die zwar ein künstlerisches Konzept hat, aber erst mit den teilnehmenden Menschen, dem Ensemble, eine genaue Vorstellung reifen lässt, wie das Ganze sich anhören oder aussehen kann.  

Das Besondere in dieser Spielzeit ist die Einbindung von Musiker_innen der freien Musikszene Dortmunds, die sich zusammengefunden haben, um Teil des Bürgeropernensembles zu sein. Unter dem Musiker und Musikdozenten Kioomars Musayyebi werden sie im Haus der Vielfalt proben. Als iranischer Santur-Spieler verbindet Musayyebi orientalische Melodien und Rhythmen mit europäischen Arrangements, Weltmusik mit Jazz-Einflüssen.

Eingebunden sind auch Bağlama Spieler, die unter der Leitung von Imam Yildirim, proben werden. Die Bağlama ist vor allem ein in der türkischen und kurdischen Musik prominentes Instrument. Die Endkomposition wird diese Gruppen musikalisch verbinden und als gemeinsames Orchester wirken lassen.

Unsere musikalische Leiterin Ulrike Schubert ist ebenso bewandert in Musik aus aller Welt. Als Chorleiterin eines interkulturellen Chors und Hochschuldozentin für Gesang hat sie viel Erfahrung in der Arbeit mit unterschiedlichen Musiken aus aller Welt  und nicht zuletzt im Umgang mit Laien und mit Profisängerinnen. Wichtig ist ihr dabei nicht nur die Vermittlung von Handwerk, sondern auch die Stimmung zwischen den Teilnehmer_innen, der gemeinsame Spaß zu singen. In ihrer Arbeit nimmt sie alle mit, egal, ob sie Meister_in ihres Faches oder Anfänger_innen sind.

Anmeldungen bitte über die Internetseite des Theater Dortmund, per E-Mail an buergeroper@theaterdo.de

oder per Telefon: 0231 – 50 27 55 7 oder mobil 0172 – 31 19 172 Günfer Çölgeçen(Künstlerische Projektleitung)

Proben

Chor: Montags von 18.30 bis 21.00 Uhr
Orchester: Mittwochs von 18.30 bis 21.00 Uhr

Die Premiere wird am 18. April 2020 um 19.30 Uhr im Opernhaus stattfinden.

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