Ein Tisch für 110 Personen bitte!

Ein Tisch für 110 Personen bitte!

Sie, die TeilnehmerInnen der Bürgeroper, kommen regelmäßig zur Probe. Es sind etwas mehr als 100 Leute, SängerInnen, SchauspielerInnen, InstrumentalistInnen, die miteinander kreativ werden. Musiktheater zu machen ist manchmal wie ein Essen zuzubereiten. Zunächst überlegt man sich den Rahmen, in dem das Essen stattfinden wird und dann, welches Gericht es werden soll. In unserem Fall wollen wir im Rahmen der Institution Oper und mit Mitteln der Kunst eine musiktheatrale Inszenierung mit BürgerInnen erarbeiten. Mit ihrer Partizipation soll ein eigens entwickeltes Stück auf die Bühne gebracht werden. Unsere Arbeitsweise ist das Rezept und das entstehende Stück das Gericht. Unser Thema „Stadt“ haben wir, das Ensemble, im Dezember gefunden. Hmmm?! Nach ein paar Sekunden des Nachdenkens kommen allen Beteiligten Fragen, wie ein solch abstraktes Thema denn von uns auf die Bühne gebracht werden kann. Noch teilweise eingepackt und ungekocht, also ungeprobt, fragt sich der eine und/oder andere aus dem Bürgeropernensemble, wie man nun ein gemeinsames Menü erschaffen kann, da wir so offensichtlich bunt gemixt, heterogen zusammengesetzt sind. Na, so antworte ich, wir wählen aus was uns am meisten daran interessiert, bzw. was uns schmeckt. Wir finden die Gemeinsamkeiten im Zusammenspiel heraus. Die Zutaten sind also klar, nun folgt das Rezept. Wie soll das Thema bearbeitet werden? Roh, gedämpft, gestampft, grob oder fein? Und nach ein paar ersten Improvisationen zeigt sich schon eine Richtung, wie die Rezeptur aussehen kann. Wir wollen keine rein autobiografischen Geschichten, wollen keine Rohkost. Wir wollen Figuren erfinden und Choreografien finden. Also mehr schnibbeln, anbraten und köcheln lassen. An der Stadt interessiert uns das Miteinander, das eigene private und das öffentliche Leben. Uns interessiert der private Raum, das Bei-sich-sein in der Öffentlichkeit und die Begegnung mit den anderen. Wie viel von meinem Privaten trage ich in die Öffentlichkeit und wie viel von meinem Erleben in der Öffentlichkeit prägt mein privates Leben? Wir finden das Bild eines Fensters für die Inszenierung, das symbolisch die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem zeigen kann. Mal schauen wir nach innen und mal nach draußen. Wir hören aufmerksam zu, wie wir in den Tag gelangen. Wir fragen, mit welchen Geräuschen wir aufwachen und was wir auf den Straßen hören. Welche Begegnung ist uns trotz Fremdheit vertraut und welche Fremdheit stößt ab oder reizt zum Näherkommen?

Die Vorbereitungen haben begonnen und das Ensemble klappert mit dem Geschirr, bereitet sich durch Übungen und ein ausprobieren verschiedener Varianten auf das Kochen vor. Zuerst kommen die Zubereitungsarten, jeder probiert erst mal alles: das Singen, das Schauspielen, das Musizieren. Im Januar und Februar werden wir in den Proben viel Handwerk erproben. Dazu gehören das Üben von Rhythmen und das Singen in verschiedenen Stilen und das Erproben szenischer Arbeiten mit eigenem und Fremdmaterial. Der von Diversität geprägte Geschmack der Proben macht Lust auf mehr, weil es einfach Spaß macht. Ansonsten würden sie nicht regelmäßig wiederkommen, so meine Erklärung. Denn die meisten stehen voll im Berufsleben und verbringen hier in der Oper ihre wertvolle Freizeit.

Bereits seit Dezember steht die Grundkonzeption, die dem Komponisten als Vorlage für seine Komposition dient. Und wir sammeln weiterhin Material für die Inszenierung in den Proben, den Improvisationen und mit einem Aufnahmegerät mitten in der Stadt.

Das Orchester der Bürgeroper im Workshop mit Andreas Heuser und Kioomars Musayyebi

 

Lothar Boenert – Pianist aus Dortmund im Gespräch mit Matthias Keller

Lothar Boenert bei den Proben zur Bürgeroper

 

Warum hast du dich entschieden bei der Bürgeroper mitzumachen?

Ich habe sehr viel Spass an Musik, es reizt mich sehr, mit anderen Musikbegeisterten in diesem neuen Ensemble mitzuwirken.

Wie ist für dich die Arbeit im Ensemble?

Die Arbeit ist sehr bereichernd, es ist ein sehr kreativer Prozess. Ich bin sehr gespannt darauf, was Enver für uns komponieren wird.

Was verbindest du mit dem Thema Stadt?

Eine Stadt ist wie ein besonderes Lebewesen mit einem eigenen, speziellen Charakter. Es ist spannend, gemeinsam mit anderen dieses Wesen der Stadt in einem Stück umzusetzen, insbesondere wenn man selbst Teil dieser Stadt ist. Speziell in Dortmund lebe ich seit 1991, also schon relativ lange.

 

Fotos: Matthias Keller

This article was written by
There is 1 comment for this article
  1. Renate Hufen at 8:29

    We do Opera
    UNSER Bürgeroper -Orchester ist begierig arbeitend zu einer festen Gruppe zusammengewachsen. Humorvoller Umgang untereinander, sowie mit unserem Komponisten und Orchesterleiter Enver bringt soviel Spaß an jedem Probenabend. Eine Atmosphäre von Freude, Konzentration und Neugierde erfüllt den Probenraum! Und immer wieder die Hochachtung vor dem musikalisch Neuen und dem Können unserer Profis. Wir haben Teil an deren Schaffen , sind sogar ein Teil! Das ist einfach Klasse!!! Ich, als bis jetzt wenig musikalisch fundierte Steeldrumspielerin, erlebe die unkomplizierte und nette Hilfe von meinen Orchesterkollegen, unseren Teamleitern Matthias und Fabian und natürlich vom Maestro Enver.
    Es geht jede Woche spannend weiter,
    Renate 🥁Steeldrum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.