Dienstältester mit 18 – wo gibt’s denn sowas? David und Lilli von den Tortugas im Interview

Dienstältester mit 18 – wo gibt’s denn sowas? David und Lilli von den Tortugas im Interview

Am Samstag, den 10. November, feiert die Junge Oper ihr 10-jähriges Bestehen. Unter dem Begriff „Junge Oper“ sind verschiedene Formate zusammengefasst: Es gibt Opern für Kinder und Jugendliche, die entweder im Opernhaus oder in der Jungen Oper stattfinden und es gibt Produktionen, die in Kooperation mit Schulen oder dem Musiktheaterclub „Die Tortugas“ aufgeführt werden. Bei den Tortugas treffen sich Kinder und Jugendliche einmal in der Woche zum Proben und erarbeiten innerhalb eines Jahres unter der Leitung von Alexander Becker ein Musiktheaterstück. David Weiss und Lilli Schnabel gehören seit vielen Jahren zu diesem Ensemble und berichten im Gespräch mit Matthias Keller von ihren Erfahrungen.

Ihr beide seid ja schon länger bei den Tortugas. Wie lange seid ihr schon dabei und wie kam es dazu?

David: Ich bin seit zehn Jahren dabei, mein erstes Stück war Zirkus Furioso, da war ich acht oder sieben. Es gab eine Veranstaltung von Pido, einem Club der DEW 21, da wurden unterschiedliche Angebote für Kinder vorgestellt, unter anderem die Tortugas. Da hat mich meine Mutter hingeschleppt und ab dann war ich dabei.

Lilli: Ich bin seit acht Jahren dabei. Eigentlich ist das eher unfreiwillig passiert. Meine Oma hat in den Ruhr-Nachrichten einen Artikel über die Tortugas gelesen, und dass sie Mitglieder suchen. Ich habe mich zu Hause immer selbst beschäftigt – ich habe keine Geschwister – und habe zum Beispiel Rollenspiele gespielt, wie man das als Kind so macht. Und meine Oma meinte dann: „Mach doch da mit, das ist doch genau dein Ding!“ Und ich so: „Nee, ich will das nicht machen, das ist doch doof.“ Und im Endeffekt bin ich dann mit meiner Oma da hin. Das war das einzige Mal, dass ich zu etwas gezwungen wurde, was ich nicht machen wollte, aber ich bin meiner Oma unglaublich dankbar, dass sie das gemacht hat. Ich war dann 20 Minuten da und wollte nicht mehr gehen.

Und was gefällt euch so an den Tortugas?

Lilli: Es gibt viele Leute, die dieses Gefühl nicht verstehen, wie es ist, auf einer Bühne zu stehen und warum es einen so berührt. Bei den Tortugas hat man Menschen, die das alle mit einem teilen. Alle verstehen einen, ohne dass man sich erklären muss. Das sind alles nette Menschen und alle so verrückt, wie man selbst.

David: Was ich an den Tortugas so toll finde ist das Team, da greift ein Zahnrad ins andere. Wenn etwas ausgefallen ist, konnten wir die Vorstellung trotzdem spielen und durchziehen, und es ist keinem aufgefallen, der das Stück zum ersten Mal gesehen hat. Das Team ist etwas Besonderes und veranlasst einen dazu, jedes Jahr aufs Neue mitzumachen, sich für das neue Stück zu interessieren und auch mitzumachen, wenn das Stück nicht das ist, was man sich vorstellt. Es ist ein Anreiz, die Leute wiederzusehen und auf der Bühne zu stehen und zu merken: „Ok, die verstehen mich, die wissen, was ich meine, auch wenn ich sie nur kurz anschaue.“

Was war am anspruchsvollsten?

Lilli: Bei Linie 1 hatte ich sehr viel Sprechtext und das war sehr anspruchsvoll. Ich war in jeder Szene drin und hatte dementsprechend viel zu sagen. Es war zu machen, ich hab es ja hingekriegt, aber es war schon schwierig. Aber die Situation, dass ich mal unsicher war, ob ich etwas überhaupt hinkriege, hatte ich eigentlich nie. Alex hat das immer so hingekriegt, dass es genau passt. Man war nie unterfordert oder überfordert.

David: Da kann ich Lilli auch nur zustimmen. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass es gar nicht mehr weitergeht. Es gab natürlich schwierige Punkte (lacht), aber die haben wir dann auch geschafft.

Was war das zum Beispiel?

Lilli: (lacht) Ja David, erzähl doch mal. Was war denn da?

David: Es gab bei Linie 1 einen Text meiner Rolle, der war eigentlich wirklich einfach, aber irgendwie war er verhext. Ich habe tausendmal vorher Text aufgesagt, aber dieser eine Text wollte nicht reingehen. Jedes Mal bei der Probe ging das schief. Aber: Ich habe es bei jeder Vorstellung hinbekommen.

Lilli: Aber bei jeder anders.

David: Ja ein bisschen improvisiert (lacht), aber ich habe es bei jeder Vorstellung hinbekommen, den Satz mit dem richtigen Stichwort zu beenden. Und dann musste Lilli reagieren.

Bei „Oper erleben“ steht ihr jetzt wieder auf der großen Opernbühne. Ist das anders für euch?

David: Ja klar. Alles ist größer. Auf der kleinen Bühne kann man kleinere Aktionen machen und das Publikum sieht das trotzdem. Wenn du das auf der großen Bühne machst, sieht das niemand, da kannst du es auch gleich lassen. Es ist schon ein anderes Gefühl, auch um die Bühne herum. Man sieht so viele Techniker, die Feuerwehr ist da, usw. In der Jungen Oper hatten wir die Ankleiderinnen und die Maske und das war‘s.

Lilli: Auf der kleinen Bühne ist es einfach intimer. Als Zuschauer fühlt man da auch mehr mit. Du hast mehr das Gefühl für die Bühne und das Stück und kriegst das irgendwie bewusster mit, als wenn du es auf der großen Bühne siehst und auf diesen großen „Bildschirm“ guckst. Trotzdem ist es immer ein tolles Gefühl auf der Opernbühne zu stehen. Ich glaube, das ist so der Traum von einem jeden kleinen Schauspieler, auf so einer Bühne zu stehen.

Hat das „Bei-den-Tortugas-sein“ euch bzw. euer Leben verändert?

David: Ja klar. Ich habe extrem viele gute Freunde gefunden. Da würde sehr viel wegbrechen, wenn ich nicht bei den Tortugas mitgemacht hätte.

Lilli: Ich habe mich auf jeden Fall verändert. Ich höre auch oft von Alex, wie wir uns stimmlich entwickelt haben, oder von der Ausstrahlung und vom Selbstbewusstsein her. Das Theater fördert und steigert das Selbstbewusstsein. Zu wissen, dass man mit anderen auf der Bühne steht und nicht alleine ist, wie beispielsweise, wenn man vor die Klasse gestellt wird und 5 Minuten reden muss. Man kooperiert miteinander und wenn etwas passiert, sind die anderen da und können einspringen.

Wenn ihr die Tortugas mit drei Worten beschreiben müsstet, was wären die?

Lilli: Ohje, da muss ich kurz überlegen. Chaotisch, musikalisch und Liebe oder Freundschaft.

David: Ich habe im Moment nur zwei. Eins davon wäre auch so etwas wie Freundschaft, ich hätte jetzt gesagt Team. Das zweite wäre Alex. Er macht sehr viel für die Tortugas und wegen ihm gibt es sie überhaupt. Für das dritte Wort müsste ich noch nachdenken. Es gibt eine zu große Auswahl.

Lilli: Eigentlich ist es schwer, die Tortugas mit nur drei Worten zu beschreiben. Wir sind sehr vielfältig und bunt, und es ist schwer, diese Gruppe auf drei Wörter zu beschränken.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft der Tortugas?

David: Dass es weitergeht und dass jeder weiterhin Zeit für die Gruppe findet. Auch wenn man irgendwo hinreist oder hinzieht, dass man trotzdem noch Zeit findet. Das wird zwar so nicht passieren, aber das wünsche ich mir eben. Und wenn wir Älteren wegfallen, wäre es schön, wenn wieder etwas nachwächst, also neue Kinder von acht Jahren dazustoßen. Ich möchte nicht, dass es endet.

Lilli: Ich fände es auch schön zu sehen, wenn die Ära der Tortugas weitergeht. Es wäre zu schade, wenn man nach einer bestimmten Zeit einfach abbrechen und sagen würde: Die Tortugas sind jetzt Geschichte. Ich würde mir wünschen, dass auch ein paar ältere Tortugas dabeibleiben, ein paar sind ja schon weggefallen wegen Studium oder Arbeit, und dass die Tortugas weiterhin so beliebt und erfolgreich bleiben, wie sie es in den letzten Jahren waren.

Die Tortugas sind sowohl bei der Geburtstagsfeier der Jungen Oper am 10. November als auch bei Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat im Juli 2019 zu erleben.

https://www.theaterdo.de/detail/event/10-jahre-junge-oper/

Titelbild Björn Hickmann (Titelbild Tortugas aus Linie 1 )

Foto unten Matthias Keller (Lilli und David)

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