Heike Buderus – 20 Jahre „Türen öffnen“

Heike Buderus – 20 Jahre „Türen öffnen“

Nach 20 Jahren am Theater Dortmund verabschiedet sich die Musiktheaterpädagogin Heike Buderus von ihrem Arbeitsplatz und geht in den Ruhestand. In zwei Jahrzehnten hat sich der Bereich der Musiktheatervermittlung von einem Pilotprojekt zu einem wesentlichen Bestandteil der Oper entwickelt. Am 8.11.19 war der letzte offizielle Arbeitstag von Heike Buderus, bei dem sie von ihren Kolleg_innen verabschiedet wurde. Vorher stand sie aber noch für ein Interview zur Verfügung.

Heike, du hast hier vor 20 Jahren angefangen. Wie sah die Abteilung bzw. dein Arbeitsbereich damals aus?

Gar nicht. (lacht) Es gab diesen Bereich, bis auf „Schule im Opernhaus“  nicht. Ich hatte das Glück, dass ich selbst aufbauen konnte. Es gab schon an vielen Sprechtheatern Theaterpädagogik, die Opernhäuser fingen aber erst an, dieses Aufgabenfeld für sich zu entdecken. Ich war vorher am Westfälischen Landestheater und hatte das Gefühl, dass ich im Sprechtheater schon alles einmal gemacht hatte. Deshalb habe ich mich über das Angebot aus Dortmund sehr gefreut, im Bereich Oper tätig zu werden, da das für mich eine ganz neue Erfahrung werden würde.

Ich konnte von Anfang an alles selbst gestalten, da hat niemand hineingefunkt. Es hat sich dann ergeben, dass wir Produktionen für Kinder und Jugendliche im Operntreff machen konnten, hauptsächlich Bearbeitungen von Opern, es ging also ziemlich schnell von Null auf Hundert.  Und das hat viel Spaß gemacht, weil so viel möglich war.

Und wie war dann die Entwicklung in den letzten 20 Jahren?

Wir haben zu Beginn schwerpunktmäßig Workshops zur Spielplanbetreuung angeboten. Hinzu kamen die Produktionen für Kinder und Jugendliche, die sich mit meinem Kommen verstetigt haben. Im Laufe der zwanzig Jahre kamen Formate hinzu wie „Oper erleben“, bei dem mit einer weiterführenden Schule ein Stück auf der großen Bühne einstudiert wurde oder „Operazzi“, bei dem mit einer Grundschulklasse eine Oper selbst geschrieben wurde. Und es kam ganz selten vor, dass das Haus gesagt hat, dass sie etwas nicht leisten können. Das ist nicht selbstverständlich. Ich kenne Kollegen, denen von ihrem Haus vermittelt wurde, dass sie nur zusätzlich Arbeit machen würden, das ist in der Oper Dortmund niemals geschehen, während keiner Intendanz.

Unter der Intendanz von Christine Mielitz wurde dann das Gebäude „Junge Oper“ mit der Unterstützung des Fördervereins Kinderoper e.V. gebaut, und wir konnten drei Produktionen mit bis zu 50 Vorstellungen spielen. Das war ein weiterer Meilenstein. Es gab zwar keine zusätzliche Stelle,  „ das machen wir aus Bordmitteln“ war das Zauberwort. Alle  hatten einfach mehr Arbeit, aber tolle Arbeit. Ich habe dann teilweise Theaterpädagogik und Dramaturgie gleichzeitig übernommen, was einen dann ein bisschen zerreißt, manchmal etwas schwierig ist, weil der Tag einfach zu wenig Stunden hat.

Wie war dann dein Arbeitsalltag in der letzten Zeit?

Das tolle an dem Beruf ist ja, dass er so vielseitig ist. Es gibt die dramaturgische Betreuung der Produktionen, die Vor- und Nachbereitung in den Schulen, Lehrerfortbildung, Fortbildungen mit Referendaren, Seminare mit Studierenden. Man ist also immer mit unterschiedlichen Gruppen in Kontakt und muss sich neue Konzepte überlegen, wie die Arbeit vermittelt werden kann. Für mich gab es auch noch den Anreiz, dass es nicht nur die Oper war, sondern auch das Ballett. Oft gab es Synergieeffekte, also, dass sich Leute, die eigentlich vom Tanz kommen, auch für die Oper interessiert haben und umgekehrt. Das fand ich immer sehr inspirierend.

Ein wichtiger Teil ist ja die Arbeit mit dem Opernclub Tortugas und Formaten wie Oper erleben. Wie kam das und was ist an diesem Teil der Arbeit spannend?

Die Junge Oper hatte als eine der ersten einen langjährigen Opernclub mit einer Produktion pro Spielzeit. Oper erleben war eine Neuerung der Intendanz Herzog, das gab es vorher nicht. Toll an Oper erleben finde ich, dass die Schulen direkt spüren, was auf und hinter der Bühne eines Opernhauses passiert. Und richtig Spaß gemacht hat mir, dass sich die Schüler dort wertgeschätzt gefühlt haben, wenn sie gemerkt haben, dass ein ganzer Betrieb diese Produktion so behandelt wie die anderen Musical- oder Opernproduktionen auch. 

Generell finde ich es schön, Jugendliche über einen längeren Zeitraum zu begleiten und Entwicklungen zu sehen, sie wachsen  zu sehen. Dass beispielsweise ein schüchternes junges Mädchen zu einer selbstbewussten kreativen jungen Frau heranwächst. Da denkt man dann kurz: Es hat sich gelohnt, da hat einer etwas gewonnen. Und das ist schön, dabei zuzugucken.

Was war dir denn immer wichtig bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Ihnen Wege zu zeigen und Türen zu öffnen. Manchmal stellen sich Kinder und Jugendliche Dinge gar nicht vor, weil sie sie nicht für möglich gehalten haben. Dann eine Tür zu öffnen und zu zeigen: Sowas könnte man machen. Ich habe selbst als Jugendliche erlebt, dass mir Erwachsene Türen geöffnet haben zu Wegen, die mir so gar nicht in die Wiege gelegt worden sind. Das ist eine tolle Arbeit, dass man „Türöffner“ sein kann.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Jungen Oper?

Ich würde mir sehr wünschen, dass sich die jetzt unter der Intendanz von Heribert Germeshausen eingeschlagene Öffnung  in Richtung Neuer Musik fortsetzt. Also, dass man auf der einen Seite Erfahrungen mit traditioneller Oper schafft, aber auch mit Musik ganz anderer Farben. Es macht Sinn, mit Jugendlichen Musicals zu machen, um sie auf vertrauten Terrain abzuholen, aber man sollte ihnen vor allem Wege aufzeigen, Neuland zu entdecken.


Heike Buderus (Mitte) bei ihrer Verabschiedung
© Djamak Homayoun

Und was wirst du jetzt machen, wenn du nicht mehr Tag und Nacht deine Zeit im Theater verbringst?

Ich habe große Lust mit den Händen zu arbeiten und ich wandere gerne. Außerdem gehe ich gerne in den Garten, da sieht man dann auch Dinge wachsen – das kombiniert den Pädagogen und den Gärtner in mir. Ich werde viel lesen, das war in der letzten Zeit nicht so möglich, wie ich mir das gewünscht hätte. Und ich werde tatsächlich auch mal ausschlafen, habe ich mir überlegt (lacht) und natürlich abends ins Theater gehen.

Titelbild: © Djamak Homayoun

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