„Eure Fotos hänge ich mir an die Wand“

„Eure Fotos hänge ich mir an die Wand“

Das neu gegründete Ensemble der Jungen Oper startet mit vielen neuen Formaten

Am kühlen Morgen des 25. Novembers 2019 betraten drei Sänger_innen und ein Theaterpädagoge der Jungen Oper Dortmund sowie ein Lehramts-Student der Fachrichtung Musik die Kerschensteiner Grundschule. Mit dabei hatten sie ein Workshopkonzept, diverse Instrumente und viele leere Blätter. Auf diese Blätter schrieben im Laufe der darauffolgenden Woche die Schüler_innen der Klasse 3b ihre Ideen zu einer Mini-Oper auf. Diese führte das pädagogische Team der Jungen Oper Dortmund nur vier Tage später in der Aula der Kerschensteiner Grundschule auf. „Opernwerkstatt“ nennt sich dieses neue Format der Jungen Oper Dortmund. In einem einwöchigen Projekt entwickelten die Schüler_innen gemeinsam mit dem neugegründeten Ensemble der Jungen Oper Dortmund, bestehend aus Anna Lucia Struck, Ruth Katharina Peeck und Marcelo de Souza Felix, dem Theaterpädagogen Jeremy Heiß Texte, Kostümideen und Klänge zu einem von den Kindern gewählten Thema, auf deren Basis eine Mini-Oper geschrieben wurde. Unterstützt wurde das Team der Oper Dortmund von Markus Dell, Lehramts-Student in der Fachrichtung Musik, der mit den Kindern unter anderem die Welt des Dirigierens erkundete.

Die Klasse 3b entschied sich für das Thema „Besuch aus dem All“. In dem im Laufe der Woche entstandenen Stück geht es um ein Mädchen namens Lisa, das sich in den Sommerferien langweilt. Doch die Langeweile ist schnell vorbei, als zwei Aliens neben ihrem Garten bruchlanden. Um gemeinsam die fehlenden Ersatzteile zu besorgen, müssen die drei sich auf den Schrottplatz schleichen. Doch Vorsicht vor dem bösen Schrottplatzwächter und seinem Roboter-Hund! Und dann hat einer der Aliens auch noch eine Rost-Allergie…

Zur Schreibwerkstatt gehörte auch das Malen der im Stück vorkommenden Figuren,
© Jeremy Heiß

Durch eine Schreibwerkstatt und Improvisation entwickelten die Kinder die Handlung der Geschichte. Außerdem konnten die Kinder mit einem Instrumentenkoffer selbst Geräusche zu den einzelnen Szenen machen. Wie klingt zum Beispiel die Bruchlandung einer Rakete oder das Bellen eines Roboter-Hundes? Diese Geräusche wurden aufgenommen und während der Aufführung eingespielt.

Aufnahme von Geräuschen für die Werkschau Besuch aus dem All,
© Markus Dell

Bei den Proben für die Aufnahmen durften sich einzelne Kinder im Dirigieren ausprobieren © Jeremy Heiß

Nach der Verabschiedung am letzten Workshoptag der „Opernwerkstatt“ kam ein Kind aus der Klasse 3b auf die drei Sänger_innen zu. In der Hand hielt es die aufgeschlagene Broschüre der Jungen Oper, die neben allen Informationen zu den Aktivitäten der Jungen Oper auch kleine Fotos des Junge Oper Ensembles enthält und sagte: „Eure Fotos hänge ich mir an die Wand“. In diesem Kinderzimmer hängen jetzt wohl die Fotos von der Sopranistin Anna Lucia Struck, der Mezzo-Sopranistin Ruth Katharina Peeck und dem Bariton Marcelo de Souza Felix. Sie bilden das in dieser Spielzeit neuformierte Ensemble der Jungen Oper Dortmund. Alle drei entdeckten ihre Faszination für klassische Musik bereits im Kindesalter und wollen diese Begeisterung nun an Kinder und Jugendliche weitergeben. Dafür bringt jedes Mitglied neben exzellentem Gesang noch weitere Erfahrungen mit, die in die pädagogische Arbeit des Ensembles einfließen. Marcelo de Souza Felix hat am Opernstudio der Oper Köln bereits bei zahlreichen Vorstellungen für junges Publikum mitgespielt und dadurch wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dieser besonderen Zielgruppe sammeln können. Ebenso die Sopranistin Anna Lucia Struck, die neben ihrem Gesangsstudium auch noch Gesangspädagogik studiert und eine besondere Vorliebe für elementare Musikpädagogik hat. Ruth Katharina Peeck vervollständigt das Ensemble mit ihrer Erfahrung als Chorleiterin und ihrem zusätzlichen Examen als Musiklehrerin. Die Kinder schätzten den direkten Kontakt mit den drei Sänger_innen sehr, sodass sich ein anderes Kind am Ende des Workshops sogar wünschte, dass Samstag ein Schultag wäre, damit die Projektwoche noch nicht zu Ende sei.

Praktische Theaterübungen waren ebenfalls Teil der „Opernwerkstatt“, © Marcelo de Souza Felix

Nach der Projektwoche „Opernwerkstatt“ stand für das Junge Oper Ensemble am zweiten Advent das traditionelle Adventssingen der Oper Dortmund an, bei dem das Ensemble sowohl musikalische Beiträge beisteuert als auch zum gemeinsamen Singen bekannter Adventshits einlud. Auch im neuen Jahr geht es spannend weiter für die drei Sänger_innen. Ab Januar werden zwei neue Formate angeboten, mit denen das Junge Oper Ensemble gemeinsam mit Jeremy Heiß durch Grund- und weiterführende Schulen in Dortmund und Umgebung touren wird. Einer dieser Workshops heißt „Klasse führt Regie“. Bei diesem Format inszenieren Kinder einer Grundschulklasse die Arie Folle è ben che si crede von Tarquinio Merula. In Kleingruppen entwickeln die Kinder Ideen zur szenischen Umsetzung dieser Arie und proben diese mit einer Sängerin des Ensembles. Am Ende werden die verschiedenen Inszenierungen der Arie vorgespielt und reflektiert. Die Kinder lernen dabei praktisch Grundlagen des Musiktheaters kennen und können sich kreativ einbringen. Auch bei dem zweiten Format werden grundlegende Elemente der Oper vermittelt. Am Ende des Workshops „Klasse spielt mit“ spielen Kinder und Jugendliche zwischen zehn und sechszehn Jahren gemeinsam mit zwei Mitgliedern des Junge Oper Ensembles eine Szene aus Henry Purcells Dido and Aeneas. Bei einem ersten Testlauf des Workshops Anfang Dezember im Mallinckrodt Gymnasium standen sich am Ende des Workshops zwölf „Didos“ und dreizehn „Aenease“ gegenüber und stritten sich in ihrem letzten gemeinsamen Rezitativ bevor Aeneas nach Italien aufbricht. Im Sinne des „role splittings“ werden die Figuren Dido und Aeneas auf jeweils eine Hälfte der Klasse aufgeteilt. Im Laufe des Workshops werden Grundelemente des theatralen Ausdrucks als Gruppe sowie das Darstellen von Emotionen erfahren und die einzelnen Abschnitte der Handlung einstudiert. Am Ende des Workshops hieß es dann „Licht an!“ und in dem Musikraum des Mallinckrodt-Gymansiums spielte an einem Mittwochmorgen um 11.13 Uhr eine gesamte fünfte Klasse gemeinsam mit Ruth Katharina Peeck, Marcelo de Souza Felix und Jeremy Heiß an der Gitarre die herzzerreißende Abschiedsszene von Dido and Aeneas.

Über die mobilen Formate hinaus lädt das Ensemble der Jungen Oper am Sonntag den 09. Februar um 11.00 Uhr zum gemeinsamen Singen mit Familien ein. In ungezwungener Atmosphäre werden in der Jungen Oper bekannte Lieder sowie kurze Passagen aus Opern gesungen. Drei Tage danach, am 12. Februar öffnen sich die Türen der Jungen Oper erneut. Dieses Mal gestaltet die Oper Dortmund gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern und dem Konzerthaus Dortmund in der Jungen Oper eine Raum-Klang-Installation für Kinder zwischen null und zwei Jahren. Jeweils um 9.30 Uhr und um 11.00 Uhr können Eltern mit ihren Kleinkindern den einzelnen Klanginseln lauschen. Auch an diesem Format wird das Ensemble der Jungen Oper maßgeblich beteiligt sein.

Das Ensemble der Jungen Oper hat also viel vor. Und wer weiß, vielleicht zieren sie mit ihren Fotos aus der Broschüre der Jungen Oper in Zukunft noch das ein oder andere Kinderzimmer.

Titelbild: Das Ensemble der Jungen Oper im Kostüm der Werkschau „Besuch aus dem All“: v.l.n.r. Marcelo de Souza Felix, Ruth Katharina Peeck und Anna Lucia Struck ©Jeremy Heiß

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