Was Schildkröten mit Kindern und Jugendlichen gemein haben

Was Schildkröten mit Kindern und Jugendlichen gemein haben

Die neue Musiktheatervermittlerin Zuzana Masaryk über ihre Haustiere und ihren Einstieg an der Oper Dortmund

Gemeinsam mit ihren Kolleg:innen der Jungen Oper ist sie für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zuständig. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit und ihre erste Zeit in Dortmund.

Du hast einen ungewöhnlichen Bezug zu unseren Kinder- und Jugendopernclubs und zur Architektur des Opernhauses.

Ja, das war ein lustiger Moment, als ich bei der Einarbeitung gesehen habe, dass die beiden Opernspielclubs am Theater „Turtles“ und „Tortugas“ heißen. Und auch das Dach des Opernhauses sowie das der kleinen Jungen Oper haben mich auf Grund ihrer Schildkrötenoptik direkt an meine Haustiere erinnert. Ich habe zwei Schildkröten. Ich weiß nicht warum ich Schildkröten so mag, ich wollte schon als Kind welche haben. Da waren meine Eltern allerdings dagegen. Als ich meine erste eigene Wohnung hatte, war das Erste, was ich gekauft habe, meine drei Schildkröten Frida, Alfred und Maura. Allerdings musste ich Frida zwischenzeitlich abgeben, da sie die anderen beiden „gemobbt“ hat. Das ist also nicht nur bei Kindern und Jugendlichen so!

© Magdalena Wiesauer

Gibt es etwas, was du hier an der Jungen Oper besonders spannend findest?

Ich finde es toll, dass die Musiktheaterleitung hier sich vor einem Jahr dazu entschieden hat, ein eigenes Ensemble für die Junge Oper zu gründen, um noch mehr zu ermöglichen, zu bewegen und das Theater und die Oper für Kinder und Jugendliche noch zugänglicher zu machen. Hier würde jetzt wieder die Musikpädagogin aus mir sprechen und aufzählen, warum und wieso der Theaterbesuch wichtig ist, aber das ist doch allen sehr bekannt.

Was ist dein erstes Projekt an der Jungen Oper?

Mein erstes Projekt kam gleich am zweiten Arbeitstag. Es ging also direkt los mit dem Live-Hörspiel Die Abenteuer des Pekka Piffpaff. Ein erfolgreiches Hörspiel der Jungen Oper, das ich zusammen mit meinem Kollegen Matthias Keller und fünf Künstler:innen halbszenisch umgesetzt habe. Damit sind wir drei Wochen lang durch Kindergärten und Grundschulen gezogen und haben es dort  Open Air auf Spielplätzen und Schulhöfen aufgeführt. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Natürlich musste das Wetter immer gut sein. Aus diesem Grund hieß es: „Bitte immer alles aufessen!“

Inwiefern unterscheidet sich Pekka Piffpaff von anderen Formaten, die du bisher gemacht hast?

Mit mobilen Formaten und partizipativen Projekten habe ich bereits viel Erfahrung. Was aber ganz neu war, war die Spielbedingung: Open Air. Wetterbedingt musste man immer einen Plan B haben, am Vortag die Wettervorhersage prüfen und sich nochmal frühmorgens vor der Aufführung   zusammentelefonieren und besprechen. Was auch neu war, war das Element des Hörspiels. Damit habe ich mich noch nie richtig beschäftigt. Ich wollte letztes Jahr mit einem meiner Spielclubs ein Hörspiel produzieren und szenisch umsetzen, dies mussten wir aber aus bekannten Gründen ausfallen lassen.

Was ist dir bei deiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen besonders wichtig?

Mir ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu reden. Sich dafür interessieren, was sie bewegt, was sie beschäftigt, woraus ihr Alltag besteht, was ihre Ängste, Nöte, Freuden und Wünsche sind. Wenn man dies alles in ein Projekt, Format oder eine Produktion verpackt, sie aktiv oder passiv einbindet, ist schon die Theaterbegeisterung angeregt. Es gibt so viele Kinder und Jugendliche, die noch nie etwas mit der Oper zu tun hatten, keinen Bezug und Zugang dazu haben, oder es schlichtergreifend mit Kino verwechseln. Genau hier muss man ansetzen und gut überlegen, wie man sie ungezwungen für die Oper begeistern kann. Ich glaube, das funktioniert tatsächlich nur, wenn man ihre Sorgen, Gedanken und Gefühle einbezieht, transparent bleibt, sie im gegebenen Fall mitgestalten lässt und nicht zuletzt Spaß und Freude verbreitet.

Du bist jetzt seit einem Monat hier am Haus. Wo warst du vorher und was waren dort deine Aufgaben?

Ich war vorher am Theater Hof als Theaterpädagogin und Dramaturgin des Jungen Theater Hof tätig. Das ist die vierte, neugegründete Sparte, die in der Spielzeit 2014/15 entstand. 2016 kam ich dazu, um diese Sparte zusammen mit dem damaligen Abteilungsleiter Bernd Plöger weiter auszubauen und interessant für die Region zu machen.

Was war dein erster Eindruck, als du nach Dortmund gekommen bist? Und vor allem: Was war dein erster Eindruck vom Theater hier?

Mein erster Eindruck von der Stadt war, dass überall wo man hinschaut, Baustellen sind. Meinen ersten Eindruck vom Theater konnte ich schon bei der Einarbeitung in der letzten Spielzeit bekommen. Dieser war definitiv positiv. Denn es ist wichtig, dass man sich im Team und an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt. Ich begegne hier sympathischen und kreativen Menschen, die etwas bewegen wollen. Das heißt nicht, dass meine Kolleg*innen in Hof es nicht waren. Aber ich war auf der Suche nach neuen künstlerischen Aufgaben und Herausforderungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater.

Hast du schon einen Lieblingsplatz hier in der Stadt?

Bis jetzt noch nicht, aber ich hoffe bald einen Lieblingsplatz irgendwo im Grünen zu finden.

Worauf hast du dich am meisten gefreut, als du hergekommen bist? Also sowohl am neuen Wohnort als auch am Theater.

Im Moment geht es mir so, dass ich Lust und Kraft habe, neue, spannende Sachen zu erleben und auszuprobieren. Ich bin ein Mensch, der immer wieder gerne Leute kennenlernt und Herausforderungen sucht; ich möchte einfach nicht stehen bleiben. Man hört ja oft, dass man, je älter man wird, ungeduldig, bequemer wird und sich umso schneller mit Sachen zufrieden gibt. Ich finde es toll, wenn Menschen nach mehrjähriger Berufserfahrung eine Umschulung wagen und beruflich komplett neu anfangen.

Was wünscht du dir für die Zukunft hier am Theater?

Ich wünsche mir, dass ich weiterhin tolle Kolleg*innen habe und begegne, dass mir die Arbeit genauso viel Spaß und Freude macht, wie bisher, dass wir noch viele Kinder und Jugendliche erreichen und für die Oper begeistern können. So, wie ich mich als kleines Kind von denen begeistern ließ, die damals diesen wichtigen und unverzichtbaren Job für mich gemacht haben: denn ohne Kultur keine Zukunft.

Die Fragen stellte Christina Schmidt

Titelbild: Alexander Frydrych

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